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Einzelausstellung: Herbert Brandl - Blade Flow (vorbei)

3 November 2010 bis 8 Januar 2011
  Herbert Brandl - Blade Flow
 
  Galerie nächst St. Stephan - Rosemarie Schwarzwälder

Galerie nächst St. Stephan - Rosemarie Schwarzwälder
Grünangergasse 1/2
1010 Wien
Österreich (Stadtplan)

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tel +43-(0)1-512 12 66
www.schwarzwaelder.at


HERBERT BRANDL 3. November 2010 - 8. Januar 2011

Malfluten im gleißenden Neonlicht

Seit den frühen 1980er Jahren nimmt das Sujet Landschaft einen dominierenden Stellenwert in Herbert Brandls Malerei ein, das sich in facettenreichen Ausformulierungen des Malers widerspiegelt: deskriptiv impressionistisch, eruptiv expressionistisch, prozesshaft analytisch, sensitiv malerisch, oder destruktiv „chromophob". Dabei changiert das Piktoriale in unterschiedlichen Graduierungen zwischen malerisch Abstraktem und motivisch Gegenständlichen; dieses Sowohl als Auch, diese Verschwisterung der diametralen Pole, findet vor allem seit 2000 eine deutliche Ausprägung, als der Künstler den Berg als konkretes Image in seine Malerei integriert hat. Seither entstehen abstrakte Farbfeldmalereien und mächtige Gebirgsbilder nebeneinander.

Die aktuellen Gemälde sind vorwiegend geprägt von einer abstrakten Gesamtstruktur in greller, übersteigerter Farbgebung. Geradezu prismatisch wird das Kolorit gebrochen und in unmittelbaren Pinselzügen auf die Leinwand gebracht. Diese Setzungen formieren sich zu einer dramatischen Flut, der wir ausgesetzt sind und die uns in die Tiefen des malerischen Kosmos reißt. Konkrete Naturreferenzen wie Sintflut und Feuersbrunst gehören dann doch mehr den romantischen Bildfindungen von C.D. Friedrich und William Turner an; denn das Drama ist die Malerei per se, wenn auch „Natur im Rücken" - als Erinnerungsfetzen - stets spürbar bleibt.

Brandl war beeindruckt von der Modernität und Radikalität von Turners Spätwerk, als er in der Tate Gallery Anfang der 1980er Jahre dessen abstrahierte Flammeninfernos auf hoher See ausgerahmt sah. Beinahe wie abstrakt expressionistische Colourfield Paintings, die Clement Greenbergs Postulat der Flachheit des Bildes und Reinheit der Farbe einzulösen schienen. Der Turner-Impact traf Herbert Brandl dann erstmals Ende der 1990er Jahre: Cinemascope der dramatischen Naturereignisse, gesteigert ins Psychedelische, farbig Irisierende. Die neuen Arbeiten schließen hier an.
Aus einzelnen Farbflecken entstehen atmosphärische Bildzonen in komplexer Vielschichtigkeit, zwischen Opazität und leuchtender Tiefe. „Ich entwickle Farbe aus der Farbe heraus und nicht aus der Form. An sich handelt es sich bei meiner Malerei um Farbflecken oder Farbwolken, aus denen sich eine Hauptfarbe entwickelt, die alles überflutet." (Herbert Brandl, Ausst.Kat. Neue Galerie Graz, Ruit Ostfildern 2002, S. 16)

Farbnebel drängen aus dem Bild in den Betrachterraum, ein sinnlich temperiertes Sfumato, das uns umfängt; mystische Nordlichter, irisierende Blitze, gleißende Girlanden. Man denke auch an Tintorettos zuckende Aureolen, die seine Christusfiguren in den gemalten Passionsszenen umgeben; manierierte Spiritualität, übersteigerte Kolorismen, dramaturgische Malbühnen. Brandl bekennt sich auch zur Tradition der Venezianischen Schule, deren Meister aus der Malerei und dem koloristischen Wert der Ölfarbe heraus agierten, ohne ihre figurativen Inhalte grafisch zu bestimmen. Jedoch bricht Brandl das feierliche Sfumato durch übersteigerte artifizielle Lichtszenerien auf: „Das grelle, schmerzende Licht des Tages verblasste, wandelte sich in rosarotblau und vermischte sich mit dem schmutzigen Dunst der verpesteten Stadt. Ein geschundener Körper und sein gequälter Geist fanden Erlösung und Zuversicht im dahinmodernden Abendlicht. Nur noch ein paar Augenblicke. Kühles Dunkel. Venedig und so, sfumato und so. Tizian und so. Und Tintoretto und so. Und Neonlicht und so …" (Herbert Brandl, Adrian Schiess, Ausst.Kat. Galerie nächst St. Stephan, Wien 1998, S. 24)

Florian Steininger

Hinweis: Herbert Brandl. Berge und Landschaften. Monotypien 2009-1010, 22. Oktober 2010 - 9. Januar 2011, Albertina, Wien

Geboren 1959 in Graz, lebt und arbeitet in Wien, seit 2004 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf.
Ausstellungen (Auswahl): 1991 Kunsthalle Bern; Museum van Hedendaagse Kunst, Gent; 1992 Documenta IX, Kassel; 1994 Museum Haus Esters, Krefeld; 1998 Wiener Secession, Wien; 1999 Kunsthalle Basel; 2002 Künstlerhaus Graz und Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz; Painting on the Move, Museum für Gegenwartskunst und Kunsthalle Basel; 2004 Pintura, Museu Serralves, Porto / Malerei, ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe; 2005 Expo, Österreichischer Pavillon, Aichi, Japan; 2005/2006 China retour, MUMOK Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien; 2007 52. Biennale Venedig, österreichischer Pavillon; Anos 80: Uma Topologia, Museu Serralves, Porto; 2009 Deichtorhallen, Hamburg; 2008 No Leftovers, Kunsthalle Bern; Malerei: Prozess und Expansion, MUMOK Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien; 2010 Albertina, Wien

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