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Einzelausstellung: Rudi Stanzel - graphiti (vorbei)

17 April 2004 bis 5 Juni 2004
 
 
  lukas feichtner galerie

lukas feichtner galerie
Seilerstätte 19
A - 1010 Wien
Österreich (Stadtplan)

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tel +43 (0)1 512 09 10
www.feichtnergallery.com


Eröffnung
16.04.2004

Einleitende Worte
Dr. Martin Hochleitner

Ausstellungsdauer
17.04 - 05.06.2004

RUDI STANZEL über sich und seine Arbeit

Text zum Katalog Prospect 93

Es geht mir nicht nur um das Material.
Ein Aspekt ist auch die Textur.
Humor ist nicht expliziter Inhalt meiner Arbeiten.
Das Meditative auch nicht.
Der Zufall ist mir wichtig, doch auch er ist nur Bestandteil meiner Absicht.
Und ich habe eine Absicht.

Ich wollte nie Maler werden.

Vom Schreiben wechselte ich zur Pantomime, von der Performance zum KeiIrahmen. Auf der Akademie untersuchte ich das Material Farbe anhand von Weiß und Schwarz. Ich verwendete keinen Pinsel. Das rein malerische Problem interessierte mich nicht.

Faszinierend am Vokabular der bildenden Kunst ist die Grenzenlosigkeit. Wo nichts ist, etwas entstehen zu lassen. Alle Mittel sind legitim. Wir können aber nicht damit umgehen und erfinden daher Regeln, lassen Moden entstehen. Kollektive Beschränktheit. Das ist langweilig.

Kunst versucht die Welt zu beschreiben. je einfacher dieser Versuch ausfällt und je mehr Aspekte er beinhaltet, desto kraftvoller ist diese Beschreibung. Radikale Lösungen unterstützen dieses Vorhaben.

Rudi Stanzel

Ich wollte nie....

Ich wollte nie Maler werden. Und ich bin auch kein Maler geworden. Ich sage das nicht etwa aus Koketterie oder deshalb, weil ich Schwierigkeiten mit dem Begriff hätte. Wenn mich jemand fragt, was ich sei , so antworte ich ungeniert: Maler. Allerdings verbindet mich wenig mit den traditionellen Malern.
Als ich 1982 auf die Wiener Hochschule für Angewandte Kunst kam, suchte ich mir Peter Weibel als Professor aus. Ich wollte Performance machen, Film, Video und Fotografie. Ich war auf der Suche nach meinem Vokabular und dachte gar nicht daran, mich auf eine Disziplin zu beschränken. Andererseits war ich schon ein bißchen neidisch, mit welch selbstverständlicher Leichtigkeit und Unbekümmertheit meine Kollegen damals wie wild drauf los malten.
Mich interessierte wohl, womit sie umgingen - nämlich die Materialität der Farben, nicht aber die Farbigkeit. Schwarz und Weiß ist bis heute Basis meiner künstlerischen Experimente, das Formenvokabular beschränkt sich auf Linie und Rechteck.
Ich verwende Material nicht, um abzubilden - Ölfarbe nicht zum Malen, Graphit nicht zum Zeichnen - sondern zeige es. Das Vokabular wird zum Inhalt und der Inhalt zum Vokabular. Das Material kann sich selbst darstellen, transformiert durch minimale Eingriffe meinerseits.
Gedankensplitter:
1985:
Ich muß aufpassen, nicht in alte Gestaltungsprinzipien zurückzufallen. Es macht zwar Spaß, zu überlegen: wann paßt wo was. Aber darum ging es mir nie. Welche Gestaltungsprinzipien kenne ich? Mir geht es ja auch um neue Wahrnehmungsgewohnheiten und nicht um die alten mit neuen Mitteln. Mir geht es um die Überlagerung der Strukturen und nicht um das Einpassen der Form in einen Hintergrund. Meine Arbeit soll über oder von Zeichen handeln. Die Zeichen selber werden nicht verwendet, um etwas Bestimmtes auszusagen, sondern um den Gebrauch, die Handhabung, auszudrücken. Ich beschäftige mich mit der Metasyntax der Zeichen. Mir geht es auch darum, das bloße Auftreten und Erscheinen von Zeichen zu zeigen.
1988:
Das Schwierige sind die Überlagerungen der geforderten Ansprüche, ohne daß es zu offensichtlich oder zu überladen wird. Ich als Maler muß verdichten - im Sinne von destillieren (der Schnaps darf nicht hinunterbrennen)
1988:
Natürlich, ich habe es mit einem Bild zu tun. Vielleicht sollte ich mich davon lösen.
Gibt es lustige abstrakte Bilder? Warum lachen meine Zeichen nicht? Wo sind die frechen Zeichen?
1990:
Eine Zeremonie hat eine bestimmte Form. Durch das Erleben der Form vermittelt sich der Inhalt. Oder: der Inhalt könnte zur Erfahrung werden. Meistens passiert diese Erfahrung in einem Moment der inneren Stille. Die Form ist vielleicht Wegweiser oder Verführer zum Inhalt. Der Inhalt an sich würde nichts brauchen. Der ist einfach da, käme auch ohne Form aus. D.h: die Erfahrungsmöglichkeit gibt es, doch ist es für uns sehr schwer, dorthin zu gelangen. Wir brauchen die Form als Einstieg.
Kunstwerke als Fenster zu einer Erfahrungsmöglichkeit.
1990:
Die Aussage bedingt Form, Inhalt bedingt Form, Leere ist ein Thema.
Vielleicht ist die Leere das, was mich am Rechteck fasziniert. Denn das Rechteck bezeichnet eigentlich eine abstrakte Leere. Das Rechteck ist für mich die erste große Abstraktion in der Geschichte der Menschheit. Rechteck ist kaum Symbol, sondern eher Symptom.
1991:
Es ist unfair dem Nichts gegenüber, dem Etwas so viel Wichtigkeit teilwerden zu lassen. Es wird Zeit, daß wir uns mit dem Nichts mehr beschäftigen. D.h. wir müssen für das Nichts mehr Platz schaffen, auch wenn es auf Kosten des Etwas geht.
1991:
Zurück zu den Anfängen! Mich interessiert wieder der Rand, die Begrenzung, die Grenze, dort, wo es einerseits beginnt und andererseits aufhört. Also eigentlich die formale Definition. Auch beschäftigt mich wieder das Nebeneinander. In den Jahren 82/83 habe ich Bilder zerschnitten und wieder zusammengesetzt. Ohne Absicht sind jetzt die Papiercollagen mit Fotokopien eine Fortsetzung davon.
1992:
Ich beschreibe durch Versuche. Das Material wird nicht zum Inhaltsträger. Ich entferne mich von der Verbalisierbarkeit der Inhalte. Seife steht nicht für Sauberkeit, Fett nicht für Nährstoff oder Wärme.
Kunst ist ein experimenteller Erlebnisbericht.
Auch in der bildenden Kunst wird gedichtet. Mein Vokabular ist nicht die Sprache, sondern mein Spielfeld ist die optische Wahrnehmung. Die zeitliche Linearität, die gezwungenermaßen im Roman grundlegend ist - man liest vom Anfang bis zum Ende - wird durchbrochen. Es hängt nicht davon ab, wie schnell ich lese, um ein Kunstwerk zu erfahren, es hängt auch nicht von intellektueller Erfahrung ab; es kann ein Augenblick genügen, um die Information aufzunehmen; es kann aber Tage, Monate, Jahre dauern, um sie als Erkenntnis aufzuarbeiten.
Eigentlich ist die bildende Kunst viel dichtender als die Literatur - und daher wohl am ehesten noch mit Lyrik zu vergleichen. In der Kunst durchdringt das Formale den Inhalt.
Abstrakte Kunst abstrahiert eigentlich in den seltensten Fällen. Sie konkretisiert.
1992:
Warum Seife? Gegenfrage: Warum immer Holz und Stein?. Es gibt auch schon genug Gipsköpfe und Bronzeskulpturen.
Warum Plastik? Gegenfrage: Warum immer Öl?
Es sind Materialien, die mir entsprechen.
Ich könnte natürlich auch einen Mythos in die Welt setzen und behaupten, daß ich in seifiges Badewasser hineingeboren wurde. Doch das gibt auch keine Antwort.
Kunst lebt von der Vielschichtigkeit. Einzelne Interpretationen sind zu wenig.
1993:
Die Höhlenmalerei war auch eine Beschreibung - Beschwörung! - der Welt. Die Komplexität unserer Welt - mehr denn je hin und hergerissen zwischen Ordnung und Chaos - macht es der Kunst nicht leicht, eine adäquate Beschreibung zu finden.
Die Kunst wird oft Mittel zum Zweck, ein Sprachrohr, eine Plattform für Ideen, die - einmal ausformuliert - eigentlich in der Kunst nichts mehr verloren haben. (Als Beispiel erwähne ich Joseph Beuys; vielleicht war ihm deshalb das Schweigen von Marcel Duchamp so unheimlich.)
1994
Könnte die Kunst träumen, so würde der Traum das Märchen vom Rumpelstilzchen sein. Ach wie gut, daß niemand weiß. Stroh zu Gold.
1994:
Stelle ich die Verfremdung von Inhalt in den Dienst der Ästhetik? Ist diese Verfremdung eine Notwendigkeit - oder ein besseres Übel? Ordnet sich der Inhalt dem Erscheinungsbild unter - und wenn: Warum bitte?
Vielleicht mußt der Inhalt wirklich hinter seiner Erscheinung zurücktreten, um sichtbar zu werden. Z.B. Verwende ich die Kopie eines Fotos, so geht es mir nicht um den Inhalt des Fotos, sondern um die Möglichkeiten eines Fotos..
Es geht mir um das Medium - ich will auf einem Bild verschiedene Medien einander gegenüberstellen.
1995
Auch wir Künstler sind keine Zauberer.
Der Kunstlaie stellt angesichts bestimmter Kunstwerke oft die richtige Frage: Soll das Kunst sein? Wir, die Kunstfuzzis, denken uns unsern Teil und versuchen nicht einmal zu antworten. Da hat es die Wissenschaft leichter. Sie muß sich nicht mit Laien herumschlagen. Ich habe noch selten gehört: das soll Wissenschaft sein? Die Gesellschaft ist wissenschaftsgläubig, aber nicht kunstgläubig - was aber nicht heißt, daß die Einwände zu ignorieren wären. Naivität trifft oft den Kern.
1996:
Lustig ist, daß Künstler einerseits nicht abbilden und andererseits selbst gerne abgebildet werden

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