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Einzelausstellung: Tom FRÜCHTL - [surfacing] (vorbei)

12 März 2011 bis 9 April 2011
  Tom FRÜCHTL - [surfacing]
 
  Nusser & Baumgart

Nusser & Baumgart
Steinheilstr. 18
80333 München
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)89 - 22 18 75
www.nusserbaumgart.com


Bei Tom Früchtls Ausstellungen empfiehlt sich ein scharfes Auge, entspricht doch das, was man auf den ersten Blick zu sehen vermeint, nie den Tatsachen. Dies lässt sich jetzt in seiner Einzelausstellung mit dem Titel [surfacing] erfahren, zu der die Galerie Nusser & Baumgart herzlich einlädt.

Da steht im Ausstellungsraum beispielsweise eine Holzkiste, die aber nicht etwa ein Bild schützt, wie man es von Kunsttransporten gewohnt ist, sondern selbst ein Bild ist, ein, wie Tom Früchtl es nennt, »Gemäldeobjekt«, weil er die Oberfläche bemalt beziehungsweise, so legt es der Titel der Arbeit - madera maquillada / geschminktes Holz - mit einem gewissen Augenzwinkern nahe, »geschminkt« hat. Damit scheint sich der Künstler in der Tradition des Trompe-l'Œil zu bewegen, jener Kunst der Sinnestäuschung, die sich seit der Antike durch die Geschichte der Kunst zieht und die Virtuosität ihres jeweiligen Schöpfers unter Beweis stellen will, dem die perfekte Illusion gelingt. Bei Tom Früchtl ist die Methode des Trompe-l'Œil allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn genau genommen gibt seine Malerei gar nicht vor, ein Gegenstand zu sein. Vielmehr wird der jeweilige Gegenstand oder das jeweilige Material durch seine Eingriffe in Malerei verwandelt. Methodisch funktioniert diese Metamorphose dabei häufig als Verdopplung, indem er die vorhandenen Eigenschaften eines Materials in seiner Malerei aufgreift, bisweilen auch leicht verstärkt, etwa die Holzmaserung und die Gebrauchsspuren seiner »geschminkten« Kiste.

Wenn René Magritte mit seinem berühmten Bild einer Pfeife mit dem zugehörigen Schriftzug Ceci n'est pas une pipe / Dies ist keine Pfeife (La trahision des images / Der Verrat der Bilder, 1928/29) als Vater der Konzeptkunst gilt, weil er den Unterschied zwischen einem Objekt und seinem Abbild thematisiert hat, darf Tom Früchtl getrost als deren Enkel angesehen werden. Nur dass er den Spieß gewissermaßen umdreht: Er schafft nicht das Abbild eines Gegenstandes und verweist auf den Unterschied zwischen beiden, sondern verwandelt den Gegenstand in ein Bild oder Gemäldeobjekt, das wiederum so aussieht wie der Gegenstand, dem es sich verdankt. »Nachher schaut es so aus wie vorher«, bemerkt der Künstler dazu trocken. Mit großer Leichtigkeit und einer gehörigen Prise Witz verhandelt Tom Früchtl damit die großen Themen der konzeptuellen und minimalistischen Kunst der 1960er- und 1970er Jahre - das Verhältnis nämlich zwischen Bild, Objekt und seinem Abbild, zwischen Illusion und Realität, zwischen Massenprodukt und Original. Aus der Position eines konzeptuellen Postminimalisten verwandelt er dabei das industriell gefertigte Produkt durch minimale malerische Eingriffe wieder in ein handgemachtes Original und damit in ein Unikat zurück. Die Angst vor der malerischen Geste, die die Minimalisten seinerzeit umtrieb, hat Tom Früchtl souverän abgelegt. Bei ihm wird sie nun zu einem Instrument, das auf der Basis der Erkenntnisse der Minimalisten und Konzeptualisten die grundlegenden Fragen zur Kunst auf zeitgemäße Weise thematisiert und dabei den Betrachter durchaus unterhaltsam aller Gewissheiten über die gängigen Kategorien der Kunst, insbesondere über das Verhältnis zwischen einem Gegenstand und seiner malerischen Darstellung, beraubt.

Tom Früchtl absolvierte 1997 die Akademie der Bildenden Künste in München. Seitdem wurden seine Arbeiten in zahreichen nationalen wie internationalen Ausstellungen gezeigt (Zabludowicz Collection, London, 2010 / Transmediale, Berlin, 2010 / Temporäre Kunsthalle, Berlin, 2009 / Pinakothek der Moderne, München, 2009 / Centro Cultural de Cali, Kolumbien, 2009 / Badischer Kunstverein, Karlsruhe, 2008 / Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, 2007 / Museo de Arte Carrillo Gil, Mexico City, 2007 / Sammlung Rik Reinking, Sammlung Federkiel, Halle 14, Leipzig, 2005).

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