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Einzelausstellung: Karen Hsiao - Oral Fixation (vorbei)

19 März 2011 bis 14 Mai 2011
  Karen Hsiao - Oral Fixation
 
  Galerie Ricarda Fox

Galerie Ricarda Fox
Liverpoolstraße 15
45470 Mülheim an der Ruhr
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)208 - 378 77 34
www.galerie-fox.de


Oral Fixation

Mit den Arbeiten der in Los Angeles lebenden Chinesin Karen Hsiao setzt die Galerie eine Reihe von Ausstellungen zeitgenössischer Fotografie fort, die über eine Auseinandersetzung mit der Vielschichtigkeit menschlicher Affekte die Sehnsüchte und Grenzen körperlicher und geistiger Existenz auslotet.Zu sehen ist eine Serie aussergewöhnlicher Porträtfotografien. Bereits aufgrund der Eigenheiten des jeweiligen Modells besteht eine gewisse Spannbreite von Affekten, die über Frisur, Mimik oder Haltung noch betont werden und von frech über sinnlich bis hin zu berauscht oder sogar draufgängerisch reichen. Mittels der starken Reduktion der Szene und malerischen Überdeckung des Hintergrundes erzeugt Hsiao eine Ästhetik, die erst beim zweiten Blick einen ungleich grösseren Raum von Interpretationsmöglichkeiten eröffnet: Im Mund jedes Modells finden sich ganze oder Teile von Früchten oder Gemüsen. Diese anfänglich bizarr anmutende Fixierung auf den Mund gibt sich bei eingehenderer Auseinandersetzung als spannende und mehrdeutige Öffnung in eine weit tiefergehende Welt zu erkennen. Wie die Künstlerin selbst äussert begreift sie ihren Mund als wichtigsten Weg der Intimität, er sei das Organ, das alle Formen von seelischer Bewegung äussern könne und zugleich die wichtigste Pforte für lebenserhaltende Stoffe und Genuss bilde. Hsiao führt damit auf das Feld des Freudschen „Lustprinzips", das Streben des Menschen nach der Erfüllung physischer und psychischer Bedürfnisse, welches das Verhalten durch positiv empfundene Erfahrungen konditioniert. In der ersten, oralen Phase der kindlichen Entwicklung erfolgt die Erfassung dieser Umwelt primär über den Mund. Essen, trinken und saugen sind in diesem Zusammenhang die ersten natürlichen Äusserungen des Strebens nach Befriedigung. Dadurch wird auch deutlich, dass es sich bei der frühkindlichen Entdeckung der Welt mit dem Mund gleichzeitig um eine Phase des Erwachens und Vortastens handelt. Hsiao verweist auf ihre Heimat China, wo dieses Erwachen insbesondere bei den Frauen noch nicht überall stattgefunden habe. Denn konterkariert wird die natürliche Entfaltung des subjektiven Luststrebens durch die wachsende Erfassung und Anpassung an die jeweiligen äusseren Umstände. Der konkrete Blick auf die Fotografien kann demzufolge je nach gesellschaftlichem Umfeld sehr unterschiedlich gefärbt sein und verschiedenste Seiten des Unbewussten und Unterschwelligen hervorrufen. Aus einer distanzierten und mit Los Angeles als Basis hoch progressiven Perspektive stellt Hsiao auf diese Weise das mit dem Kulturkreis variierende „Realitätsprinzip" zur Disposition. Der Frucht fällt darüber hinaus eine Schlüsselrolle in vielerlei narrativen Zusammenhängen zu. In allem Anfang war es der Verzehr einer verbotenen Frucht, der als exemplarischer Sündenfall nach Freud gar zum Beginn sozialer Organisation, Religion, sittlicher Beschränkung und damit der Kultur überhaupt führte. Verstärkt werden entsprechende Bezüge durch die symbolischen Facetten von Früchten. Ihre Anbringung birgt dabei ein ganzes Feld von Bedeutungen in der Bandbreite von religiösem bis hin zu sexuellem Fetisch. Bereits in der antiken Mythologie wurden Früchte mit Völlerei und Überfluss in Verbindung gebracht. In diesem Kontext erscheint auch das Füllhorn, das bei Hsiao in der Art der Anbringung eines Broccoli oder Austernpilzes anklingt. Das Füllhorn ist ein Symbol des Glücks und steht für Fruchtbarkeit, Reichtum und Überfluss. Ähnliches gilt für die Feige, die eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschen ist und sich bis in die Kreidezeit zurückzuverfolgen lässt. Als ihr Entdecker gilt der Mythologie der Antike nach Dionysos, der Gott des Weines, der Freude, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Diesem Themenkreis entspricht auch der Austernpilz, der nicht zuletzt in der Traumdeutung für Unmoral steht. In ihm verbindet sich zudem die Ambivalenz von lebensspendendem und rausch- oder sogar todbringendem Aspekt, weshalb man ihn eigentlich nicht in roher Form zu sich nehmen sollte.

Dr. des. Nicola Schröder Plock

Die Ausstellung zeigt 31 kleinformatige Arbeiten Hsiaos in einer Größe zwischen 10,5 x 10,5 cm und 32 x 61 cm. Zugrunde liegen ihnen C-prints, die mittels Aufbringung auf eine Holzkonstruktion und durch mehrfache Überziehung mit Harz die optische Qualität dreidimensionaler Objekte verliehen bekommen.

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