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Gruppenausstellung: How to Work (vorbei)

27 März 2011 bis 22 Mai 2011
  How to Work
Fischli/Weiss, 1990
Courtesy the artists
 
  Kunsthalle Basel

Kunsthalle Basel
Steinenberg 7
CH-4051 Basel
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (61) 206 99 00
www.kunsthallebasel.ch


Die Ausstellung How to Work in der Kunsthalle Basel vereint neun internationale zeitgenössische Künstler aus der Generation, die im ersten Jahrzehnt des neuen Millenniums in Erscheinung trat. So verschiedenartig ihre Praktiken auch sind, schliessen sie doch alle an die Konzeptkunst der 1960er und 1970er Jahre sowie deren vielfältige Ausprägungen in den späteren, neokonzeptuellen Werken der 1980er und 1990er an, die sich - nach der bahnbrechenden, von Douglas Crimp kuratierten Ausstellung „Pictures" aus dem Jahr 1977 - kritisch mit der Politik von Bild- und Objektproduktion beschäftigten. In den 1960er Jahren reflektierte die Konzeptkunst bewusst den umfassenden ökonomischen Wandel seit den 1950er Jahren von der industriellen zur dienstleistungsorientierten Gesellschaft. Bereiche wie Werbung und Informationstechnik gewannen immer grössere Bedeutung, während sich traditionelle Industrien aufzulösen begannen.

Die in How to Work beteiligten Künstler verfolgen wiederum eine Vielzahl von Strategien, in denen sich ein bemerkenswertes politisches und ethisches Verständnis manifestiert, das von einem sehr genauen Bewusstsein über die heutige Ökonomie der Kunstwelt geprägt ist, in der jedes innerhalb (oder auch ausserhalb) dieses Systems produzierte Werk sofort in eine Ware verwandelt wird. Für ihre Arbeiten verwenden die Künstler gefundene Objekte oder aus dem Internet stammendes Material. Sie dokumentieren oder imitieren direkt die sie umgebende Wirklichkeit, um den allzu vertrauten Kontext zu verfremden. Darüber hinaus inszenieren sie performative Interventionen, welche die Realität simulieren und ihr eine neue Wendung verleihen. Dabei bedienen sie sich in détournements klassischer Techniken und Genres und nutzen Serialität oder Zufallsverfahren.

How to Work untersucht die verschiedenen Möglichkeiten, heute als Künstler zu arbeiten. Die Frage, wie im aktuellen kulturellen und politischen Umfeld zu arbeiten wäre und worin diese Tätigkeit zu bestehen hätte, muss neu verhandelt oder neu beantwortet werden. Die Arbeitsmethoden zeitgenössischer Künstler können im Zusammenhang mit der allgemeinen Verlagerung von materieller zu immaterieller oder von Hand- zu Kopfarbeit betrachtet werden. Diese ist untrennbar mit dem Wandel von einer Industriegesellschaft (die spezifische Produkte herstellt) zu einer Dienstleistungsgesellschaft (die „Lösungen" anbietet) verbunden. In der jüngst postulierten Wissensgesellschaft, kommt es noch weniger auf das dauerhafte und greifbare Produkt oder dessen Distribution an, sondern auf das Verhältnis der Kunden untereinander, die nun Teilnehmer genannt werden. Um der zunehmenden Gleichförmigkeit der menschlichen Beziehungen in der real existierenden Utopie einer globalen, aus teilhabenden, kreativen Individuen bestehenden Gesellschaft etwas entgegenzusetzen, sollte das Werk des Künstlers einen Unterschied machen. Aber ist dieser Vorstellung, etwas könne einen Unterschied machen, überhaupt zu trauen?

Der Titel der Ausstellung in der Kunsthalle Basel zitiert die Arbeit How to Work Better (1991), ein Manifest in zehn Punkten des Schweizer Künstlerduos Fischli und Weiss. In grossen Schablonenbuchstaben auf die Fassade eines Bürogebäudes in Zürich gemalt, besteht das titelgebende Werk aus zehn kurzen, instruierenden Sätzen darüber, wie man besser arbeitet (zum Beispiel „kenne das Problem" oder „akzeptiere Veränderung als unausweichlich"). Sie sollen die Einstellung der Arbeiter beeinflussen, um dadurch das Arbeitsumfeld zu verbessern, Kreativität anzuregen und die Qualität der Produktion zu heben - wie und wo auch immer sie stattfinden mag. Gleichzeitig scheinen diese neuen zehn Gebote im Papierkorb-Ordner (früher wäre es ein realer Abfalleimer gewesen) eines Kreativdirektors gefunden statt von den Künstlern selbst ausgedacht worden zu sein. Das Manifest zielt offenkundig auf das Allgemeine, ist auf keine bestimmte Branche zugeschnitten.Seine Formeln sind derart oberflächlich, dass sie als eine Kritik der „Ästhetik der Bürokratie" (ein Begriff, der häufig auch auf die Konzeptkunst angewendet wurde) gelesen werden können. Selbst als Deckmantel für das Bemühen um ständige Erweiterung der „intellektuellen Dienstleistungen" und den damit einhergehenden Verlust eines konkreten Inhalts in der heutigen Kulturindustrie, einschliesslich der Kunst, könnten sie gebraucht werden.

How to Work Better von Fischli und Weiss lässt sich auch als formale Auseinandersetzung mit Meisterwerken der Konzeptkunst verstehen, wie etwa mit Lawrence Weiners enigmatischen Textarbeiten in Druckbuchstaben, die er in Galerien und öffentlichen Räumen weltweit realisiert hat, oder als Parodie auf Formulierungen, wie sie Sol LeWitt in „Sentences on Conceptual Art" (1969) verwendete. Etwa die Aussage: „Gelungene Kunst verwandelt unser Verständnis der Konventionen, indem sie unsere Wahrnehmung verändert." Die Quelle für Fischli und Weiss' Arbeit war interessanterweise eine frei stehende Tafel mit Motivationsparolen, welche die Künstler 1990 in einer Keramikfabrik in Thailand fotografierten. Während Thailand für global operierende Firmen wegen seiner billigen Arbeitskräfte attraktiv ist, emigrieren viele thailändische Arbeiter auf der Suche nach einem Job oder besseren Arbeitsbedingungen ins Ausland. Die motivierenden Sentenzen wirken, als seien sie einem westeuropäischen Managementhandbuch entnommen, erlangen jedoch im Kontext der thailändischen Fabrik sofort ein zusätzliches, fernöstliches Flair. Den Zen-ähnlichen Sätzen von How to Work Better scheint ihre ursprüngliche Bedeutung durch mehrfache Übersetzungen - über Kulturen, Kontexte und Geldkreisläufe hinweg abhanden gekommen zu sein.

Die Auswahl der Arbeiten für How to Work in der Kunsthalle Basel folgt keinen thematischen Kriterien, auch wenn viele der ausgestellten Werke sich mit der Ökonomie ihrer eigenen Produktion sowie deren Beziehung zur Wirtschaft im grösseren Massstab beschäftigen. Der Titel der Ausstellung ist dementsprechend als allgemeiner Rahmen für die Frage zu verstehen, der sich jeder Künstler und jeder Arbeiter heute gegenübersieht, und nicht als ein starres „Thema", das die Werke illustrieren sollen. Statt auf einer Qualitätssteigerung zu beharren oder zu erklären, „wie man besser arbeitet", wirft die Ausstellung die kritisch reduzierte Frage auf, die schlicht zu erkunden sucht, wie man heute überhaupt arbeitet.

Die Ausstellung wurde grosszügig unterstützt von Annemarie Burckhardt.

Mit zusätzlicher Unterstützung von Roldenfund.

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