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Einzelausstellung: Martin Flemming - In the belly of an architect (vorbei)

28 April 2011 bis 25 Juni 2011
  Martin Flemming - In the belly of an architect
Martin Flemming
 
  Galerie Koal

Galerie Koal
Brunnenstrasse 25 B
10119 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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www.galeriekoal.com


Mit der Arbeit Komposition in Grau (rue de beton), die im Sommer 2010 das erste Mal in Form eines Filmes prasentiert wurde und sich seitdem in standiger Weiterentwicklung befindet, setzt sich Martin Flemming mit Formensprachen der Moderne auseinander. Die Arbeiten in der Ausstellung maandrieren durch vielfaltige Zustande, Materialien und Bedeutungszusammenhange:

Ein Film zeigt Formen, die sich in unzahligen Spiegelungen eines Kaleidoskops brechen, begleitet vom Rattern eines Projektors. Aus den bewegten Bildern des Films greift der Kunstler einzelne Momentzustande skizzenhaft heraus und lasst sie in Form von Objekten in die Dreidimensionalitat eintreten. Wie zufallig gestrandet ragen mehrere dieser geometrischen Korper aus dem Boden des Ausstellungsraums. Eine 4x12 m grose Wandmalerei halt wiederum einen Moment des bewegten Formenspiels fest, diesmal jedoch als zweidimensionales Ornament.

Kaleidoskop, griechisch καλός είδος σκοπέιν, bedeutet wortlich ubersetzt "schone Formen sehen". Der Kunstler greift in seinen Arbeiten verschiedene Formen und Stromungen der Moderne auf, die sich zu einer neuen und veranderten Komposition verbinden. Mit den Anklangen an eine ornamentale und architektonische Formensprache, stellt der Film eine Verbindung zu fruhen Experimentalfilmen aus den 1920er Jahren her.

Auf das mathematische Spiegelungsprinzip eines Kaleidoskops zuruckgreifend, entwickelt Flemming so eine konstruktive und zugleich spielerisch-zufallige Strategie der Formfindung. Sie generiert und reflektiert in mehreren Stufen und unterschiedlichen Medien charakteristische Elemente des Brutalismus, wie dessen gebrochene Sichtbeton-Oberflachen oder die geometrische Korperlichkeit der Architektur. Alle Elemente sind dabei verbunden durch die Farbe Grau. Sie ist ein visueller Reiz, dunkler als Weis, heller als schwarz, irgendwo in between ohne eigene Farbe: eine unbunte Farbe. Die Bezeichnung der einzelnen Stufungen wie reingrau oder neutralgrau soll betonen, dass kein Farbstich vorliegt; lediglich die Helligkeit macht ihren besonderen Charakter aus. Die kreative Potenz liegt im Licht . und in der Reaktion des Betrachters.

Der Architekt der Moderne, Le Corbusier, charakterisierte den Sichtbeton, diesen Verbundstein aus Sand und Zement, als ein Material, "das [...] wurdig ist, in seiner naturlichen Erscheinungsform gezeigt zu werden. Absolute Originaltreue, vollige Exaktheit im Vergleich zum Abguss; Beton ist ein Material, das nichts anderes vorgibt."1 Doch in Martin Flemmings Prasentation ist nichts, wie es scheint. Die Stadien der Konstruktion hinterfragen in jedem Schritt ihre eigene Originalitat und Materialitat. Die Skulpturen mimen lediglich Struktur und Optik von Sichtbeton. Der Film ist eine Zeichnung, die Fahrt der Kamera bricht im Kaleidoskop in Unscharfen hinein. Die Arbeiten der Ausstellung lassen neue Formen sehen, sie zeigen sich dem Betrachter verschlusselt und sind ihm zugleich unmittelbar zuganglich, im Unscharfen ganz fokussiert.

Martin Flemming (* 1982 in Weimar) lebt und arbeit in Berlin. Zunachst studierte er an der Bauhaus-Universitat in Weimar und dann ab 2004 an der Stadelschule in Frankfurt am Main. 2009 machte er dort seinen Meisterschuler bei Tobias Rehberger. Seitdem war er in zahlreichen Gruppen- und Einzelprasentationen im In- und europaischen Ausland vertreten. 2011 erhielt er das EHF Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung.

1 Zit. n. Yves Bouvier, Christophe Cousin: Ronchamp. Eine Kapelle des Lichts, Besancon 2005, S. 50.

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