Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: Manfred Peckl - TOURETTE (vorbei)

10 Juni 2011 bis 15 Juli 2011
  Manfred Peckl - TOURETTE
Manfred Peckl, Tourette, 2011
Collage on wood, uv-laquer
205 x 174 cm
 
  Galerie Jette Rudolph

Galerie Jette Rudolph
Strausberger Platz 4
10243 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +49 (0)30 - 613 03 887
www.jette-rudolph.de


Manfred Peckl / TOURETTE

Eröffnung: 10. Juni, 2011, 18:00-22:00 Uhr

„Heute löst sich das linear perspektivierte, homogene Welt-Bild in Facetten eines Mosaiks auf." (Norbert Bolz)

Unter dem Titel ‚Tourette' entwirft Manfred Peckl einen Kosmos der Wut und verbaler Entgleisung, den der Betrachter schon eingangs durch einen kreisförmigen magentafarbenen Banner des Zorns betritt. Vulgär, bisweilen obszön präsentieren sich die groß- bis kleinformatigen Collagen, die Peckl im Spiel aus Wortschnipseln und motivischen Details urbaner Affichen zusammensetzt. Begleitet von performativen Aktionen öffentlicher ‚Shout Inns' zum Zwecke der lauten verbalen Äußerung von Schimpfwörtern, Flüchen und dem Ausdruck tabuisierter Gefühle bricht die Ausstellung mit dem etablierten gesellschaftlichen Verhaltenskodex der Contenance.

Mit dem Prinzip der Collage, bestehend aus vorgefundenem Material, welches der Künstler zer- und ausschneidet oder gar kleinschreddert, um es im Bildraum neu zu konstruieren, eröffnet sich die Möglichkeit Typographien und fotografische Abbildungen ihrem ursprünglichen Kontext zu entreißen und unter anderen Vorzeichen neu zu arrangieren. Die heterogenen Teile, die sich in jeder der Arbeiten versammeln, verlangen dem Rezipienten eine aktive Lektüre ab und fordern eine Ausstattung mit kulturell geprägtem Vorwissen, denn „das Kunstwerk gilt als eine grundsätzlich mehrdeutige Botschaft, als Mehrheit von Signifikaten, die in einem einzigen Signifikanten enthalten sind." (Umberto Eco)

Über das Medium der Schrift artikulieren sich in den aktuellen Werken Peckls sowohl Wut und Ärger als auch Schmerz und Ablehnung, welche gleichsam durch die Porträt-Arbeiten durch mimische und gestische Werte untermauert werden. Im Zentrum der Ausstellung konzentrieren sich in der Arbeit ‚Tourette' zentrierte Schriftbahnen verbaler Aggression, welche einander überlagern und den Blick wie ein Strudel kreisen lassen und in die Tiefe ziehen. Penetrant drängen sich die bunten Worte dem Betrachter auf und lassen durch die undurchdringbare Staffelung ein persönliches Entziehen nicht mehr zu: das Fluchen kulminiert bei ‚Tourette' in unkontrollierbaren stakkatoartig Äußerungen.

In Kombination mit den Porträts gerinnen die schriftlichen Äußerungen zu Kommentaren von oder über die dargestellten Personen: Die verbalen Aggressionen richten sich im Austausch zwischen Betrachter und Bild dialogisch an das jeweilige Gegenüber. Eingekreist im Referenzbereich der liederlichen Beschimpfungen, welche sich von Fäkalien und Schmutz über Beschreibungen von Sexualorganen bis hin zu Tiernamen zieht, erreicht Peckl die Befreiung der mit Tabu belegten Gefühlsregungen über die ansonsten pejorativ verwendeten Vokabeln. Im düsteren Kabinett versammeln sich schließlich die fratzenhaften Gesichter, in deren Mitte sich der Betrachter begeben muss. Das Motiv des Kreises verweist auf die drastische Einschließung, welche von aufgebrachten Gemütszuständen ausgeht und deren hermetische Abgeschlossenheit sich in letzter Instanz im Krankheitsbild des Tourette-Syndroms widerspiegelt.

Durch das Bild als Täter der verbalen Attacken, welche durchaus provokativ auf den Betrachter wirken, sind die Erwiderungen auf die Aggressionen im Konzept des Künstlers mitbedacht, denn wie Franz Kiener in seinen Ausführungen über ‚Das Wort als Waffe' beschreibt, ist das Verhältnis zwischen Täter und Opfer ein dialogisches. Mit der aktuellen Ausstellung schafft Peckl einen Raum des enttabuisierten Wütens und unkontrollierten Fluchens, in welchem der Betrachter schließlich selbst eingeladen ist, seine ganz eigenen wüsten Äußerungen und Schimpftiraden schriftlich festzuhalten, der tabuisierten Kartharis nachzugehen und sich im Peckl'schen Kosmos der entfesselten Emotionen zu behaupten.

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.