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Einzelausstellung: Peter Bialobrzeski - Heimat (vorbei)

12 Januar 2006 bis 25 Februar 2006
  Peter Bialobrzeski - Heimat
Peter Bialobrzeski, "Heimat, # 25", 2004
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


Peter Bialobrzeski

Heimat


12. Januar bis 25. Februar 2006

Wir laden Sie und Ihre Freund herzlich ein zur Eröffnung am Donnerstag, den 12. Januar, um 19.00 Uhr

Der Künstler ist anwesend.

"So hat sich ein typisch deutsches Landschaftsgefühl entwickelt, angefüllt mit all unseren romantischen Vorstellungen. Man betrachtet deutsches Land immer mit besonderen Augen, es ist immer Seelenlandschaft – in aller Ambivalenz, denn darin stecken auch ungute Ängste. Entscheidend ist aber, dass es nie ein einheitliches Bild ergibt. Aber das finde ich in Ordnung, denn in dieser Zersplitterung bleiben wenigstens die richtigen Fragen offen."

Edgar Reitz aus "Die Zeit", Dezember 2004

Heimat

Ich bin immer in den Süden gefahren, im Urlaub. Später habe ich den Südosten fotografiert, Indien, Nepal, Burma, Thailand und dann die Megastädte der asiatischen Tigerstaaten. Da traute ich mich, meiner Fasziation Ausdruck zu verleihen, zu erzählen, ja auch Dinge schön zu finden.

Gleichzeitig entwickelte sich eine deutschen Fotografie, die Garagentore, Pappkartons und bleiche, picklige Jungmanager in vorgeblich kritischer Distanz aufzeichnete. Diese Bilder gaben vor, dokumentarisch zu sein, zu objektivieren. Ihren Fürsprechern war jede Emotionalität suspekt, jede Assoziation von Schönheit schien Verrat an der angeblich so neuen deutschen Fotografie. Sie passte ja auch gut in die neue Zeit. Die Unternehmen der New Economy und ihre journalistischen Wegbereiter entdeckten die angebliche Authentizität für sich, verliehen sich damit vorgeblich eine Glaubwürdigkeit ohne zu realisieren, dass sie nichts weiter verkauften konnten als alten Wein in alten Schläuchen. Natürlich ist auch die "Neue Deutsche Fotografie" nichts weiter als ein ästethisches Muster, deren Pioniere zu recht mit ihren Bildern tradierte Bildkonzepte attackierten.

Später hingen unter meinem Hamburger Atelierfenster käsige Jugendliche auf Grossplakaten und warben für die Deutsche Telekom. Dies geriet zum ersten Auslöser der Idee, etwas "schön" zu fotografieren, was nicht schön zu sein hatte. Die deutsche Landschaft. Der zweite Auslöser war mein Ruf an die HfK Bremen und die damit verbundenen Notwendigkeit mich über mindestens 8 Monate im Jahr in Deutschland aufhalten zu müssen.

So lag es nahe, im Spätsommer 2002 mit der Arbeit zu beginnen. Ich wollte mein Verhältnis zu meinem Deutschlandbild klären, einem Land das für mich emotional und kulturell prägend ist, also Heimat. Vielleicht ist es ein wenig konservativ, aber die Gemälde Caspar David Fiederichs haben meine Vorstellung von "Deutscher Landschaft" mehr geprägt als Anselm Kiefer. Und "Der Mönch am Meer" ist für mich die Quintessenz bildnerischer Übersetzung der deutschen Seelenlandschaft. Depressiv und ungeheuer hoffnungsvoll.

Angeblich das erste Bild der Moderne, so korrespondiert es auch mit der Entdeckung meiner "fotografischen Moderne", den Bildern des amerikanischen Farbfotografen Joel Sternfeld. Seine Arbeit "American Prospects" war wesentlich dafür verantwortlich, dass ich die S/W Fotografie hinter mir liess. Die Bildkonzeption für "Heinat" zitiert sowohl Friederich als auch Sternfeld, sowie ein paar weitere Zeitgenossen. Das ist gewollt und als Hommage gemeint. Mein Thema ist jedoch ein anderes: Meine Fotografien sind Projektionsflächen des post-post-modernen Menschen für die Sehnsucht nach der Natur. Allerdings gehört die Stille einem nicht mehr allein. Es sind immer schon andere da, in einer roten Gore-Tex Jacke. Nur: Schaut man die Bilder an stört das nicht, im Gegenteil. Erst die Figuren, ihre Verteilung auf der Fläche machen die Fotografie zum Bild. Damit unterscheidet sich die reale Empfindung der Anschauung der Landschaft in der Landschaft erheblich von der Betrachtung des Bildes. Obschon scheinbar dokumentarisch, sogar kritisch interpretierbar (Tourismus), bleibt das Bild als ästhetische Äusserung doch "Schön". Befragt man es weiter, hält es für jeden eine Reihe von Fragen bereit, die mit Ästehtik allein nicht zu klären sind.

"Heimat" bedeuted Wurzeln zu haben, nicht notwendiger Weise verwurzelt zu sein. Die Erde aus der sie stammen bestimmen den Code, nicht aber die Substanz. So ist "Heimat" auch kein Buch über Deutschland als Heimat, sondern entwirft ein Bild, das jenseits dunkler Vergangenheit, Wiedervereinigung und "German Desease" ein persönliches Stück Bild- und Kulturgeschichte fixiert.

Peter Bialobrzeski, März 2005

Einladungskarte als pdf-Datei 128 KB

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