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Gruppenausstellung: 6 Künstler aus Basel x2 (vorbei)

27 November 2011 bis 1 Januar 2012
  6 Künstler aus Basel x2
6 Künstler aus Basel x2
 
  Kunsthalle Basel

Kunsthalle Basel
Steinenberg 7
CH-4051 Basel
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (61) 206 99 00
www.kunsthallebasel.ch


Manchmal ist das, was man sieht (oder liest), auch das, was man bekommt: Die aktuell in der Kunsthalle präsentierte Schau 6 Künstler aus Basel x2 besteht aus zwei verschiedenen Ausstellungen mit jeweils sechs Künstlern aus, ja: Basel. Der Titel der Ausstellung könnte als bescheidene Antwort auf die zunehmende Raffinesse von Titeln und Themen heutiger Gruppenausstellungen verstanden werden - eine Tendenz, über die sich Rebecca Uchills nützliche Web-Anwendung für faule Kuratoren, der Random Exhibition Title Generator (http://www.mit.edu/~ruchill/lazycurator.html) lustig macht, der dem Nutzer postwendend Titel wie etwa Breaking Rubbish: The Dysfunction of Urban Experience vorschlägt. Natürlich übersetzen sich komplexe Titel nicht notwendigerweise in gleichermaßen anspruchsvollen Gehalt oder interessante kuratorische Arbeit, noch korrespondieren sie immer mit der Qualität der gezeigten Arbeiten. 6 Künstler aus Basel x2 wurde in der Überzeugung konzipiert (und betitelt), dass die dem Ausstellungmachen eigene Kreativität anderswo zu finden ist - in der Art und Weise, wie die Ausstellung reflektiert, realisiert und kommuniziert wird, sowie in der Fähigkeit, den Ideen der Künstler Rechnung zu tragen und sie für das Publikum sichtbar zu machen.

Allerdings hat diese Ausstellung auch eine unmittelbarere Quelle. Die ursprüngliche Schau 6 Künstler aus Basel wurde Anfang 1981 von dem damaligen Direktor der Kunsthalle, Jean-Christophe Ammann, kuratiert (sie firmierte auch unter dem noch kürzeren Titel Künstler aus Basel, wie es damals auf dem Poster und Katalog hieß). Dieser trügerisch beschreibende, beinahe austauschbare Titel stiftete Verwirrung und klang völlig unpoetisch; er war die unverblümte, nüchterne Überschrift zur Ankündigung einer Ausstellung, die genau das lieferte, was jene versprach. Die sechs jungen Basler Künstler - Alex Silber, Anselm Stalder, Rut Himmelsbach, Hannah Villiger, Miriam Cahn und Vivian Suter - bespielten den Hauptteil der Ausstellung; darüber hinaus fanden Auftritte von zwei Performancekünstlerinnen, Christine Brodbeck und Anna Winteler, statt, die ihre Arbeit während der Ausstellung präsentierten, und im Rahmen des Begleitprogramms waren zwei lokale Bands, Welcome und The Wondergirls, eingeladen worden. Alle sechs Künstlerinnen und Künstler installierten ihre Arbeiten jeweils in separaten Räumen, wodurch die Ausstellung zu einer Konstellation unabhängiger Einzelprojekte wurde, statt eine „dialogische" Gruppenausstellung zu sein, in der die Arbeiten kombiniert und einander gegenübergestellt werden, wie es heute zur üblichen Praxis geworden ist. Ammanns Auswahl bot also sechs aufstrebenden Figuren der Basler Szene die Gelegenheit, ihre Arbeiten zum ersten Mal in einer großen Institution und - was weitaus wichtiger war - während der Hauptausstellungszeit zu zeigen statt bloß als Teil der jährlichen Weihnachtsausstellung (von der sich die heute Regionale ableitet), die in Basel seit jeher stattgefunden hatte. Im Laufe der letzten dreißig Jahre ist 6 Künstler aus Basel zu einer legendären Ausstellung geworden, und es schien uns höchste Zeit zu sein, einen erneuten Blick auf sie zu werfen.

Die Regionale, ihre Konzeption und die vielfältigen Manifestationen, ist derzeit Gegenstand lebhafter und produktiver Diskussionen zwischen den teilnehmenden Institutionen aus drei verschiedenen Ländern, während sie zugleich die am stärksten antizipierte Kunstausstellung des Jahres in Basel bleibt. Wir hielten es daher für wichtig, dass die Kunsthalle Basel für die jährliche Ausstellung einen experimentellen Ansatz verfolgt. In diesem Jahr besteht die Ausstellung aus zwei verschiedenen Teilen: Im Oberlichtsaal - der 1981 während 6 Künstler aus Basel leer blieb, da Max Kämpf (1912-1982) seine für diesen Raum geplante Ausstellung abgesagt hatte, unwillig, die Kunsthalle mit den im Untergeschoss präsentierten jungen Künstlern zu teilen - wird eine Ausstellung mit sechs jungen Künstlern gezeigt, die heute in Basel leben und arbeiten und die aus den für die Regionale 12 eingesandten Bewerbungen ausgewählt wurden. Im Untergeschoss wird eine kuratierte Neuauflage der historischen Ausstellung 6 Künstler aus Basel zu sehen sein; sie ist das Ergebnis einer Einladung der Kunsthalle Basel an fünf der an der Ausstellung von 1981 beteiligten Künstlerinnen und Künstler (die sechste Künstlerin, Hannah Villiger, verstarb 1997 - ihre in der Ausstellung gezeigte Arbeit wird daher in Absprache mit dem Künstler Eric Hattan, dem Kurator des Nach-lasses von Hannah Villiger, präsentiert), sowie an die beiden damals ebenfalls beteiligten Performancekünstlerinnen. Erst durch die positive, sogar enthusiastische Resonanz der Künstlerinnen und Künstler wurde das Gesamtprojekt möglich.

Der „retrospektive" Teil von 6 Künstler aus Basel x2 soll keine historische Rekonstruktion sein, sondern vielmehr eine zeitgemäße Lesart der Beiträge der einzelnen Künstler zu der Ausstellung, die vor rund dreißig Jahren stattfand. Gleichzeitig betont die aktuelle Schau, dass eine Ausstellung eine Form ist, die ihre Relevanz behält und die wiederbelebt oder „noch einmal gespielt" werden kann, und nicht einfach ein Ereignis, das zu bestehen aufhört, sobald die Ausstellung vorüber ist, oder das nur noch als Erinnerung oder Dokument existiert. Die gleiche Ausstellung noch einmal auf andere Weise zu machen, in einer anderen Zeit und in einem (gesellschaftlich wie institutionell) veränderten Kontext, impliziert selbstverständlich die Notwendigkeit, die ursprüngliche Ausstellung in Bewegung zu versetzen und neu zu gestalten. Dementsprechend kehren einige der 1981 gezeigten Arbeiten hier als Nachbilder zurück. So präsentiert zum Beispiel Alex Silber Company neue Abzüge von den originalen Installationsansichten, aufgenommen von Claire Niggli, neben einer jüngeren Serie von Farbfotografien, die die Bedeutungen von Alex Silbers Schwarzweißbildern aus der Ausstellung 6 Künstler aus Basel erweitern. Auch Anselm Stalders großformatige Bilder von 1981 werden erinnert und wiederholt - in Form von verkleinerten Graustufendrucken, die auf die vier Seiten eines speziell angefertigten „Plakatständers" angebracht sind, der neben Stalders Reihe von textbasierten Aquarellen aus dem Jahr 2009 steht. Fotografien, Gemälde und Installationen von Rut Himmelsbach (der Rufname der Künstlerin war „Ruth", doch sie verschenkte das Schluss-„h", damit es als letzter Buchstabe in Hannah Villigers Vornamen verwendet werden konnte, der ursprünglich „Hanna" lautete) repräsentieren ein Kontinuum ihrer Untersuchung über das Wesen des Bildes, die sich mit einer Vielzahl von psychologisch aufgeladenen und persönlich kodierten Themen auseinander setzt. Miriam Cahn zeigt ihre Arbeit im selben Raum wie 1981 und integriert die auffälligste Arbeit aus dieser Ausstellung, Schweigende Schwester. Kriegsschiff (1981), eine riesige Kohlezeichnung auf Papier, in die Gruppe der zwischen 1982 und 2009 entstandenen Werke, die von der Künstlerin ausgewählt wurden, um hier unter dem gemeinsamen Titel Zitatenraum präsentiert zu werden.

Hannah Villiger, die vor allem für ihre großen, aus Polaroids entstandenen Drucke bekannt wurde, auf denen Nahaufnahmen des Körpers der Künstlerin zu sehen sind - die sie zusammen als Skulptural bezeichnete -, ist hier durch eine Gruppe später Skulpturen (1995-1997) repräsentiert. Die fragilen und winzigen Arbeiten sind aus den verschiedensten Materialien hergestellt, unter anderem Papier- und Plastikverpackungen, Draht, Schwamm und Alufolie. Diese Skulpturen werden von Fotografien begleitet, die verschiedene mögliche „Anwendungen" oder Modalitäten der skulpturalen Arbeiten zeigen: von vier Original-Polaroids von 1980, die auf einem Tischtuch oder Bettlaken arrangierte temporäre Skulpturen aus zerknittertem Papier zeigen, über ein Schwarzweißfoto einer Skulptur aus den Zweigen eines Baumes, die in einem Galerieraum installiert ist, bis zu dem Bild von Männern, die während einer Performance auf einem öffentlichen Platz 1976 ein Bündel überdimensionaler Mikadostäbchen zusammenhalten. Vivian Suter, die seit 1984 in Guatemala lebt und arbeitet, zeigt ihre Gemälde auf Papier in verschiedenen Formen (von denen einige Teil der Ausstellung von 1981 waren) sowie neuere Gemälde auf Leinwand, die in dem neuen, kulturell ganz anderen Kontext der Künstlerin geschaffen wurden, unter dem gemeinsamen Titel Good grief - it's still me (Suters Katalog aus dem Jahr 1981 begann mit einem kurzen Gedicht, das mit den Zeilen endete: „Good grief / This is me"). Hiermit wird zum ersten Mal seit vielen Jahren eine größere Gruppe aus dem facettenreichen Werk der Künstlerin in einem institutionellen Kontext in Basel zu sehen sein. Schließlich wurden auch die beiden Performancekünstlerinnen, die an der Ausstellung von 1981 teilgenommen hatten, Christine Brodbeck und Anna Winteler, und die sich später entschieden, den Kunstkontext zu verlassen, eingeladen, bei zwei öffentlichen Veranstaltungen, die im Laufe der Ausstellung stattfinden werden, auf ihre Performancearbeiten zurückzublicken und sie in Bezug auf ihre derzeitige Tätigkeit zu diskutieren.

1981 waren die „6 Künstler aus Basel" keine Gruppe; sie kannten und respektierten sich, doch ihre Ausstellung war kein kollaboratives Projekt. Nach 1981 freundeten sich einige von ihnen eng miteinander an und arbeiteten nicht nur gelegentlich zusammen, während andere ihren eigenen, allein beschrittenen Weg verfolgten. Dass die Künstler sich im Jahr 2011 als Gruppe wieder getroffen haben, ist bereits ein ungewöhnliches Ereignis; dass sie unsere Einladung angenommen haben, gemeinsam ihre Arbeiten zu diskutieren und zu zeigen, ist ein aufregendes Experiment und beweist ihre Offenheit, ihre uneingeschränkte Neugier und ihre wahrhaft erstaunliche Großzügigkeit. Insofern dient die Ausstellung von 1981 als ein Instrument, um eine neue Ausstellung zu schaffen, sowie gleichzeitig als ein Modell, das neu überdacht und transformiert werden kann. Zusammen betrachtet können beide Ausstellungen von 6 Künstler aus Basel x2 als doppelte Reflexion über eine wichtige Episode in der reichen Geschichte des Ausstellungmachens an der Kunsthalle Basel verstanden werden, in der zwölf renommierte Künstlerinnen und Künstler ihren Blick auf die Zukunft richten.

Ebenfalls im Hinblick auf die Schau im Obergeschoss der Kunsthalle Basel bezieht sich der Ausstellungstitel primär auf den rein mathematischen Fakt, dass sechs voneinander unabhängige künstlerische Positionen ausgestellt sind. Dennoch fällt auf, dass sie sich alle durch einen hohen Grad an Reflexion über die eigenen Arbeitsbedingungen auszeichnen, die im Spiegel der künstlerischen Traditionen verhandelt werden. Eine kritische Auseinandersetzung mit Ideologien der Moderne lässt sich ebenso beobachten wie ein Bewusstsein für die Errungenschaften der Minimal und Conceptual Art. Mediale Vielfalt, sowie ein zugleich bewusster wie freier Umgang mit den formalen Sprachen der Vorgängergenerationen prägen dabei das künstlerische Selbstverständnis.

Während in den 1980er Jahren das unmittelbare Experiment mit den aufkommenden Neuen Medien und ihre technische Beherrschung im Vordergrund der künstlerischen Bemühungen standen, so kann nachvollzogen werden, dass Technikbeherrschung im Zeitalter der Digitalisierung und des Global Designs, in dem Individualität - wollte man kulturpessimistisch und polemisch klingen - sich per Knopfdruck auf den digitalen Zufallsgenerator herstellen oder den einkalkulierten Produktionsfehler reduzieren liesse, nicht zwingend im Fokus des zeitgenössischen Schaffens steht.

In steter Reibung der Gegenwart mit der Geschichte und im Bewusstsein um komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge ist es die zeitliche, räumliche und mediale Eindimensionalität, welche die sechs jungen Künstlerinnen und Künstler aus Basel heute hinterfragen und gegen stete Neuverortung, Perspektivenwechsel und Diskontinuität einlösen. In diesem Sinne: Von hinten nach vorn.

Daniel Kurth geht in seinen audiovisuellen Installationen der Frage nach, wie sich Musik und Bild gegenseitig beeinflussen. Fragmente aus dem eigenen Bild- und Tonarchiv werden mehreren Digitalisierungsprozessen unterworfen, wobei die Imaginationskraft des Künstlers während der Arbeit in einem Medium eine Art synästhetischen Prozess durchläuft und bereits die Struktur des jeweils anderen vorgibt. Obwohl durch den Entstehungsprozess untrennbar miteinander verbunden, entstehen visuell und klanglich dem Original enthobene, autarke Werke. Auch bei der Arbeit BackToTheFutureStraightToThePast (2010) handelt es sich um eine eigenständige Komposition, die aber ohne den Rückbezug zu Hans Richter Experimentalfilm Rhythmus 21 (1921), der als Partitur dient, nicht denkbar wäre. Während Richter musikalische Formen in eine visuelle Sprache übertrug, komponiert Kurth analog zum Bild und versteht das Resultat als Rückvertonung eines im Bild dargestellten musikalischen Konzepts. Im Vordergrund steht dabei das Experiment, wie der synthetischen Qualität von Bild und Ton eine sinnlich erfahrbare Körperlichkeit verliehen werden kann.

Auch Jannik Giger arbeitet mit technischen Verfremdungstechniken bestehender Musikstücke, wobei weder akustische Collagen noch Samplings entstehen, sondern zwischen fremden und eigens kreierten klanglichen, rhythmischen und vokalen Versatzstücken oszillierende, hybride Kompositionen. Geht es in seiner musikalischen Arbeit darum, den Wiederspruch von Synthese und Originalität aufzulösen, lotet Giger, der auch als Autor und Regisseur tätig ist, in seinem filmischen Werk die Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion aus. In seinem Kurzfilm Einsiedler (2010) untersucht er, wie Improvisation als künstlerisches Mittel zur Erzeugung der Unmittelbarkeit und Authentizität eingesetzt werden kann. Dabei zielt der Künstler auf die Betroffenheit und Verunsicherung des Betrachters, der zur Hinterfragung der vermeintlichen Realität angehalten wird. Wahrnehmung von Zeitdokumenten im Gegensatz zu Kulturprodukten und der unterschiedliche Umgang mit diesen steht im Fokus bei Dominique Koch, die in ihrer Arbeit den fiktiven Gehalt der Geschichte untersucht. Endnote (2011) beruht auf der Zusammenstellung von Fussnoten, die dem ursprünglichen Kontext entrissenen und frei in die Form eines Dialogs zwischen zwei Akteuren wie in einem Filmskript gebracht wurden. Damit verweist sie auf die Geschichte als Konstruktion, die stets von Parallelerzählungen begleitet wird und als Schnittmenge von Wiedergabe und Aufführung verstanden werden kann. Auch in ihrer Installation Re-Collecting (2011), in der sie sich auf den Film La vie commence demain (Nicole Védrès, 1949) bezieht, in dem u.a. Sartre, Picasso und Le Corbusier sich selbst spielen, rückt Koch Utopie und Realität, soziale Wirklichkeit und künstlerische Vision in unmittelbare Nähe.

An idealistische, künstlerische Traditionen knüpft auch Esmé Valk an, die in ihrer Installation Showcasing the Todays Essentials (2010) fragt, welche Formen modernistische Wohnkonzepte jenseits der ideologischen Manifeste und Ratgeber für ein besser Leben im Zuge ihrer Kommerzialisierung und Aneignung der Menschen im Alltag tatsächlich angenommen haben. Das Schaufenster, wo die Verkaufsware inszeniert wird, erscheint als Schauplatz dieser Profanisierung. Vorhänge, Teppiche und textile Druckmuster, die sich mehr oder weniger geschickt an der moderne Formensprache orientieren, ihres ideologischen Hintergrunds jedoch völlig bar sind, lassen ein ambivalentes Urteil über den Erfolg und das Scheitern modernistischer Wohnkonzepte zu.

Standardisierte Massenprodukte, wie Rasenteppiche, Dreischichtplatten, PVC-Böden und Wandpanelen sind das Material, aus dem Jan Kiefers skulpturalen Arbeit h.art.ware (2011) besteht, die als abstraktes Porträt des Künstlers verstanden werden kann. Die Materialien, die sich sowohl in jedem Haushalt als auch Baumarkt finden lassen, verbaut und arrangiert Kiefer in Form von Behältern, wie sie im Grossmarkt zur Präsentation von Warenmustern benutzt werden. Als Reminiszenzen an Materialien aus Kiefers Elternhaus und als vorgefertigte Produkte, die jedermann vertraut vorkommen, erscheinen sie durchaus mit persönlicher Geschichte unterlegt. Die Art und Strenge des Displays charakterisieren sie jedoch wieder als normierte Industrieware. Individualität und persönliche Erinnerung erscheinen so lediglich als Reaktion auf das, was von der Bauindustrie zur Auswahl und Verfügung gestellt wird.

In der Reibung mit angetroffenen räumlichen Bedingungen und der ursprünglichen Bausubstanz des Ausstellungsortes entwickelt Katharina Anna Wieser ihre Arbeiten. Die Herangehensweise, die zunächst einer Bauaufnahme gleicht, zielt vielmehr auf einen präzisen und bewussten, künstlerischen Eingriff. In der Kunsthalle Basel spielt die Künstlerin auf das im Rahmen des Umbaus im Jahr 2004 wieder freigelegte Wandgemälde von Ernst Stückelberg Das Erwachen der Kunst in der Renaissance (1877). Sie stört erneut die Sicht darauf und durchbricht die Symmetrie des architektonischen Raumes. Die Perspektive wird so immer wieder neu eröffnet, der eigene Standpunkt stets neu verhandelt. Freie Sicht ist nur in der Bewegung möglich und erweist sich doch als Schnittmenge dessen, was wir zu sehen kriegen und zu sehen erhaschen. Bedeutung pendelt sich ein zwischen dem, was von der Geschichte verhaftet bleibt und dem was der Zeitgeist zu bieten hat. Wiesers Werktitel scheint in diesem Sinne nicht nur Programm für ihre spezifische Arbeit, sondern auch für die beiden Ausstellungen, die sich von unterschiedlichen Perspektiven aus mit Zeitphänomenen beschäftigen: Das Erwachen der Kunst - jetzt (2011).

Die Ausstellung 6 Künstler aus Basel x2 wurde kuratiert von Sandra Bradvic, Roos Gortzak und Adam Szymczyk.

Mit Unterstützung von Roldenfund.

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