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Einzelausstellung: Ken Lum (vorbei)

7 April 2012 bis 30 Juni 2012
  Ken Lum
Ken Lum
Danny‘s Shoe Renue
Plexi, powder-coated lacquer, aluminium, enamel paint., Flexible letters, approx 198 x 162cm
2001
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


Grant Arnold: Das hinterfragte Subjekt

Seit er Ende der siebziger Jahre begann seine Kunst auszustellen, hat der in Vancouver lebende Künstler Ken Lum eine komplexe Menge von Arbeiten entwickelt, wie Performance im öffentlichen Raum, Skulpturen aus gemieteten Möbeln, fotografische Studioportraits die mit künstlichen Firmenlogos verbunden sind, Gemälde mit unverständlicher Sprache, Irrgärten aus Spiegeln mit gravierten Texten und Arbeiten, die Werbetafeln in billigen Einkaufszentren imitieren. Mit jeder dieser ver- schiedenen Formen, setzt sich Ken Lum mit den Strukturen, den Systemen und Torturen auseinander, die unsere alltäglichen Erfahrungen und unsere Positionen als soziale Subjekte formen. Oft beinhaltet seine Strategie die Manipulation der Mittel, die entwickelt wurden, um die Aufmerksamkeit der Konsumenten zu erlangen, indem er eine unerwartete persönliche oder politisches Aussage auf einer kommerziellen Werbetafel verwendet, oder wenn er Angstgefühle und Widersprüche artikuliert, die soziale Orte auszeichnen, in denen desolate Traditionen mit der moder- nen globalisierten Welt zusammenprallen oder mutieren.

Immer wieder beschwört er die kleinen Dinge, die Gesten, Äußerungen, Spannungen, und den oft banalen Austausch, die den durchschnittlichen öffentlichen und privaten Raum im Alltagsleben kennzeichnen. Oft zeigt er etablierte Konventionen des Portraitierens; seine Arbeiten zeigen das Umfeld der Individuen, die er anschaulich darstellt, als Subjekte deren Sehnsucht nach Autonomie im Widerspruch zu ihrer sozialen Stellung steht. Ken Lums Lebenserfahrung als Kanadier chinesischer Abstammung hat die Art geformt in dem er abwägt, wie Individuen in der zeitgenössischen Kultur benutzt werden. Dies hat in seiner künstlerischen Praxis eine große Rolle gespielt; seine Arbeit erklärt nicht einfach "Ich habe diese Ethnizität", sondern er stellt die Frage, was das heißt und welche Rolle es spielt wenn er eine Identität für den Betrachter schafft.

Lums Arbeit bekam ab den achtziger Jahren eine größere Aufmerksamkeit In dieser Zeit war er eng mit der einflußreichen Gruppe von Künstlern wie Ian Wallace, Jeff Wall und Rodney Graham verbunden, die eine zentrale Bedeutung hatten, um die Fotografie als wichtigen Teil der zeitgenössischen Kunst zu positionieren und sie wurden bekannt als "die Vancouver Schule". Wie Wallace sagte, arbeiteten diese Künstler in einem Kontext "der typisch ist für regionale Zentren, in denen die Kombination eines schwachen Marktes und die Präsenz einer informierten künstlerischen und akademischen Gemeinschaft, sektiererische Gruppen und das Publikum animierend, jedoch mehr oder weniger selbstzufrieden aber niemals in sich geschlossen. In dieser Umgebung waren sie aneinandergebunden durch eine "gegenseitige Anziehungskraft der Avantgarde-Negativität, sie identifizierten sich mit der Geschichte seiner Verletzung und dem Chiffre für eine kampflustige, feindliche und manchmal sogar öffentlichkeitsscheue und melancholische Antwort auf die Mängel der Welt."1

Obwohl die Arbeiten von Ken Lum, Graham, Wall und Wallace unbestreitbar eine Bindung an die kritischen Tradition der Moderne und die Befragung der Autonomie des künstlerischen Objektes in der Konzeptkunst gemeinsam haben, hat das geografisch entstandene Markenzeichen, welches ihrer Arbeit zugeordnet wird, manchmal die Unterschiede in ihrer Produktion verdeckt.2 Was Ken Lums Arbeiten auszeichnet ist die direkte Orientierung am Alltag, der ironische Humor und besonders die Nutzung der Formen, die Genres und die Motive der populären Kultur im doppeldeutigen Bereich zwischen Kunst und Nicht-Kunst.

Ken Lums Arbeiten stellt ständig die Grenzen des guten Geschmacks in Frage und er positioniert seine Kunstwerke in einer Art unsicheren Beziehung zu der großen Tradition der westlichen Kunst und den Institutionen (im weitesten Sinne des Begriffs) durch welche diese Tradition entstand. Wie der Künstler und Historiker Robert Linsley einmal beobachtete, Lum "setzt eine alte und wichtige Tradition fort, eine die kritisch ist mit den bedeutenden Themen, wichtigen Aussagen und der philosophischen und politischen Allgemeingültigkeit der "großen" Kunst in den Museen. Diese Tradition ist nicht Anti-Kunst, aber es ist Anti-Establishment-Kunst und hat immer die populären Formen besetzt."3

Aus dem Buch "Ken Lum" publiziert für die Ausstellung Ken Lums von der Vancouver Art Gallery, Grant Arnold ist Kurator des Museums, ISBN 978-1-55365-498-8

1 Ian Wallace in "Rodney Graham, Ken Lum, Jeff Wall, Ian Wallace", (New York: 49th Parallel Centre for Contemporar Canadian Art, 1985)
2 See William Wood: "The Insufficiency of the World" in Interdial: Vancouver Art and Artist Antwerp and Vancouver: Museum van Hedendaagse Kunst, 2005)
3 Robert Linsey from the catalogue: "Ken Lum: Recent Works" (London: Camden Arts Centre, 1995

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