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Einzelausstellung: Micha Ullman - Gläser / Glasses (vorbei)

2 Juni 2012 bis 15 Juli 2012
  Micha Ullman - Gläser / Glasses
Micha Ullman, Bergwerk, Installation view, Lindenau-Museum Altenburg 2010
(Photo © Jürgen M. Pietsch, Spröda)
 
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Es geht um Geschichte, die nicht nur das Vergangene meint sondern auch die Gegenwart, und die gleichermaßen in die Zukunft weist: das Werk des israelischen Künstlers Micha Ullman (* 1939) kreist um das Thema einer gemeinschaftlichen Erinnerung. Die Mehrdeutigkeiten, die seine Werke implizieren, legen Denkprozesse offen, die auf sehr komplexe Weise lokale, politische, aber auch soziale Fragen aufgreifen oder neu stellen.

Ausgehend von Malerei und Zeichnung hat sich Ullman in seinen frühen Werken der 1970er Jahre mit verschiedenen Aktionen und Skulpturen der Land Art angenähert. Seine Motivation war es jedoch nicht, einer musealen Ausstellungskultur entgegenzutreten, auch romantisierende Bezüge spielten keine tragende Rolle. Mit dem Ausheben von Gruben und den Versatz des Aushubs bediente er sich der Erde als Material, das an Schöpfungsmythen anknüpft und ihren ,heimatlichen‘ Symbolgehalt nutzt. Doch auch die Leere, die der Aushub hinterlässt, ist in vielen der Werke Ullmans als Material im erweiterten Sinne zu verstehen, als Raum, den es mit Immateriellem zu füllen gilt. Neben Erde kommt in späteren Werken Sand (meist roter Sand aus Israel) hinzu, wie beispielsweise in der Skulptur Glas-Tisch (2012), die in dieser Ausstellung zu sehen ist und von dem ein früheres Werkexemplar heute Teil der Sammlung der Tate Modern in London ist.

Der Salzabbau der Kali-Bergwerke im thüringischen Dorndorf, aus dem seine Eltern einst emigrieren mussten, ist für den Künstler aus erinnerten Erzählungen zu einem Familienmythos geworden. Eine Ausstellung im benachbarten Lindenau-Museum aus Anlass der Verleihung des Gerhard-Altenbourg-Preises 2010 war für Ullman der Beweggrund, Salz und den ebenfalls dort geförderten Basalt für die Installation Bergwerk (2010/2012) zu verwenden, die in dieser Ausstellung gezeigt wird. Das helle Salz und der dunkle Basalt, unvermischt und in kreisrunden Schüttungen auf dem Boden arrangiert, treten in einen Dialog der Gegensätze von Tag und Nacht, von Himmel und Erde. Integriert in diese Installation, wie auch in die Skulptur Gläser (2012), sind Trinkgläser, – für Ullman ebenso wie Gruben – Container, die, gerade wenn es zwei oder mehr sind, als Zeichen energetisch aufgeladener menschlicher Gemeinschaft dienen. Glas als Material, das unter anderem aus Sand und Feuer hergestellt wird, stiftet in seiner Zerbrechlichkeit und Flüchtigkeit jene Bezüge zur Vergänglichkeit, die in der Natur der Erinnerung liegen und die für Ullmans Werk grundlegend sind.

Von Spuren des Vergangenen, Spuren einstigen menschlichen Beisammenseins zeugen in eindrucksvoller Weise Ullmans Aquarellzeichnungen auf Papier. Abdrücke von Trinkgläsern und anderem Essgeschirr zeichnen sich jeweils als blasse Fehlstellen auf dem Papier ab, das mehr als die Oberfläche eines Tisches nachbildet. Es wird erzählt von einer vielleicht plötzlich, fluchtartig aufgelösten Gemeinschaft, von dem, was fehlt, und von dem, was bleibt. In einem monatelangen Verfahren, vom Künstler nur zum Teil steuerbar, hat er hier neben dem Wasser auch das Element der Luft und die Verdunstung genutzt. Das Elementare in seiner Kunst bezieht sich, so zeigt sich, sowohl auf geologische und physikalische Phänomene, als auch auf das Zeichenhafte von Gegenständen gemeinschaftlichen Zusammenlebens: Gläser, Tische, häufig auch Stühle sind kulturübergreifend als solche Zeichen lesbar.

Bei allem Facettenreichtum seiner Werke verwendet Micha Ullman ein Formen- und Materialvokabular, das einfach bleibt aber gerade in seinen symbolhaften Bezügen auch auf Immaterielles und Irrationales verweist. Sein Spiel mit Aushub und Schüttung, mit Leere und Volumen, mit Präsenz und Absenz, mit Positiv und Negativ, nimmt dabei stets den Menschen als Maßstab, im eigentlichen und im übertragenen Sinne. Das Zukunftsweisende seines Werkes gründet sich wohl gerade aus dem universellen Anspruch des Künstlers, den er kraftvoll aber unprätentiös umzusetzen versteht.

Micha Ullman, der zweimalige documenta-Teilnehmer (1987 und 1992), ist in diesem Jahr mit frühen Werken in der Ausstellung Ends of the Earth. Land Art to 1974 im Museum of Contemporary Art in Los Angeles vertreten, die im Herbst auch im Haus der Kunst in München gezeigt wird. Ullman ist der diesjährige Träger des Max-Herrmann-Preises der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin.

ERÖFFNUNG
Freitag, 1. Juni 2012 | 19-21 Uhr
Micha Ullman ist anwesend

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