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Einzelausstellung: David Link - Das Herz der Maschine / Machine Heart (vorbei)

2 Juni 2012 bis 18 September 2012
  David Link - Das Herz der Maschine / Machine Heart
David Link, LoveLetters_1.0 (Detail), 2009, teletype print on paper
 
www.alexanderochs-galleries.com ALEXANDER OCHS GALLERIES BERLIN | BEIJING

ALEXANDER OCHS GALLERIES BERLIN | BEIJING
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10969 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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Die Installation des deutschen Künstlers David Link (*1971) ist Teil seines Projektes LoveLetters_1.0, an dem er seit 2009 kontinuierlich arbeitet. Sie mutet an wie eine Schaltzentrale mit Laborcharakter, die Ästhetik ihrer Präsentation scheint zeitlich entrückt zu sein: Über einem Tisch mit Tastatur flackern grüne Schriftzeichen auf Röhren, ein alter Fernschreiber druckt in bestimmten Abständen mechanisch und geräuschvoll Texte auf Papier. Es sind Liebesbriefe, die hier entstehen, und hinter alldem steht ein Computerprogramm, das scheinbar ohne menschliches Zutun agiert.

Zum einen gibt es hier also die Maschine, die ,unmenschliche Technik'. Zwar wurden Computerprogramme einst von Menschen geschrieben, sollen aber idealiter alleine arbeiten und auf diese Weise menschliche Intelligenz imitieren. Das ist notwendig und gewollt, gerade für auf Rationalität und Effizienz ausgerichtete wirtschaftliche oder militärische Zwecke. Doch dann gibt es den Menschen, mit all seiner Irrationalität, seinen Gefühlen der Hingabe und der Liebe, seine zärtlichen Empfindungen und das Bedürfnis, diese auszudrücken. Für ihn ist Effizienz allenfalls ein Ideal, und jeder Drang, zur ,biologischen Maschine' zu werden, wird nicht zuletzt an solchen Begrifflichkeiten scheitern. In LoveLetters_1.0 trifft beides aufeinander.

Freilich ist es auch eine Referenz an die frühe Computer-Geschichte, an den ,Ferranti Mark I', dessen erster Prototyp 1948 gebaut wurde. Liebesbriefe tauchten in diesem Zusammenhang in den frühen fünfziger Jahren an der Universität von Manchester auf, generiert mit einem 1952 entwickelten Programm, unter Zuhilfenahme eines Zufallsgenerators. David Link hat wesentliche Teile der Hardware, die im Original nicht mehr erhalten ist, und das Originalprogramm rekonstruiert. Nicht nur eine akribische Recherche aller notwendigen funktionalen Aspekte war hierfür notwendig. Eine wesentliche Antriebsfeder waren für Link auch eigene Spekulationen darüber, welche Beweggründe den Urheber des Programms getrieben haben könnten.

Mit seiner Installation vollbringt David Link die Überführung in eine Ästhetik, die der Wechselseitigkeit von Mensch und Technik mithilfe des heutigen, wissenschaftlichen Blickes einen bemerkenswerten Tiefgangverleiht. Dafür verwendet er zwar originale Bauteile, ändert jedoch mitunter ihre ursprüngliche Funktion. So waren etwa die Röhren, in denen jeweils ein Kathodenstrahl auf eine Phosphorschicht geschossen wird und so das grüne Flackern erzeugt, ursprünglich ein Speichermedium, ­- nun dienen sie auch der Projektion oft schwülstiger Texte.

Die Liebe, so zitiert der Künstler Johann Wolfgang von Goethe, sei durch Projektion charakterisiert, durch jene Projektion, die die Vorstellung anfacht. Solche Vorstellungen können auch die Ausdrucke einzelner Ergüsse der wortgewaltigen aber allzu simplen Poesie hervorrufen, die gerahmt an den Wänden hängen und ebenfalls Teil dieser Ausstellung sind.

Sie sind das Ergebnis einer experimentellen Archäologie, die mit künstlerischen Mitteln der Funktion von Sprache und dem Phänomen von Nähe und Distanz des Menschen zu neuer Technik nachspürt. Dadurch, dass Link für die Generierung dieses reduktionistischen Blickes auf die Liebe gerade eines der frühesten Computersysteme zum Ausgang nimmt, gelingt ihm die Schaffung jener Distanz, die für eine zeitgenössische Reflexion dieses Phänomens notwendig ist.

David Links Computerkunst-Installationen und Performances wurden u.a. bereits im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM), Karlsruhe, bei der V2-Organisatie, Rotterdam, bei Arnolfini, Bristol sowie im Millennium Art Museum, Peking und im Centre Pompidou, Paris, gezeigt. Link ist teilnehmender Künstler bei der diesjährigen dOCUMENTA (13) in Kassel. Im Zentrum seiner derzeitigen Forschung steht die Entwicklung einer Archäologie algorithmischer Artefakte.

RÖFFNUNG
Freitag, 1. Juni 2012 | 19-21 Uhr
David Link ist anwesend.

PERMANENTE INSTALLATION
@ SALON | 2. Juni - 18. September 2012

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