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Gruppenausstellung: IB6621 (vorbei)

15 September 2012 bis 20 Oktober 2012
  IB6621
 
  Mai 36 Galerie

Mai 36 Galerie
Rämistrasse 37
8001 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 1 261 68 80
www.mai36.com


Als "Tropical Depression" bezeichnet man in der Meteorologie eine Wetterkonstellation in den tropischen Gebieten, die nichts anderes bedeutet als Sturm und Blitze unter einem durchgehend bedeckten Himmel. Gleichzeitig schwingt natürlich auch eine psychologische Bedeutung mit. IB 6621 verweist auf einen Flug von Madrid nach Havanna und schafft die Verbindung zwischen Kuba, der Alten Welt und der Ausstellung. Die Praxis künstlerischer Bildproduktion und die Vorstellung von sozialer Wirklichkeit war auch das Thema der 11. Biennale Havanna, 2012. Die Erwartungen, Vorurteile und der Blick auf das eigentlich Sichtbare sind denn auch Aspekte der drei Künstler der Ausstellung.

Flavio Garciandía (geb. 1954 in Caibarièn, Kuba) hat aus "Tropical Depression" den Begriff "New Tropical Abstraction" nicht ohne Ironie entwickelt. Er gilt als einer der Väter der mittel- und südamerikanischen Konzeptkunst und ist in vielen wichtigen Ausstellungen zum Thema vertreten. Die Kultur Kubas stellt sich für ihn als eine Fusion verschiedenster Einflüsse und Bezugssysteme dar. Die Identität ist sehr vieldeutig und dabei meist durch einen aufoktroyierten Blick bestimmt. Garciandía amalgamiert aus dieser seiner Sicht virtuos seine Arbeiten aus dem Fundus fast aller moderner malerischen Stilmöglichkeiten und setzt in dieser postmodernen Manier speziell auf die offenen Möglichkeiten der Malerei.

Auch den Gemälden von Raúl Cordero (geb. 1971 in Havanna, Kuba) liegt ein konzeptueller Ansatz zu Grunde. Der Film als ubiquitäre Erscheinung heutiger Gegenwartswahrnehmung und dessen Bedeutung in der Geschichte, denkt man nur an die filmischen Dokumente der verschiedenen Revolutionen, ist wichtiger geworden als einzelne "statische" Dokumente. So gerinnen bei Cordero filmische Sequenzen zu unscharfen Stills und werden mit Zeichen und Chiffren belegt, manchmal mit realen Gegenständen (z.B. einer Brille) oder auch einem vermeintlich fremden Text. Sein Interesse, wann nun ein Werk seinen Anfang nimmt und durch welche Prozesse und Ideen es seinen Weg zu einem Kunstwerk nimmt hat seinen Ausdruck auch in der Bezeichnungen, Schichtungen und Referenzen an und aus anderen Medien und fremden Kunstwerken, die das Bezugssystem seiner Arbeiten in den Bildern noch erweitern und vervollständigen.

Michel Pérez El Pollo (geb. 1981 in Manzanillo, Kuba) ist der jüngste Künstler der Ausstellung IB 6621. Seine Bilder haben einen vermeintlich kindlichen und naiven Ausdruck. Doch geht es ihm mehr um die Vermeidung detailtreuer Genauigkeit zugunsten eines universalen Ausdrucks. Als Vorlagen dienen aus Plastilin gefertigte Figuren und Formen, die im Malvorgang eine starke Vergrösserung und Überhöhung erfahren. Perez Interesse gilt Grundkonstellationen menschlicher Existenz und Zusammenwirkens und nicht eine allenthalben populäre und zunehmend leerlaufende Sozialkritik.

Alle drei Künstler der Ausstellung unterlaufen die angesagten Kunstströmungen der auch profitabel eingesetzten Krisenbeschwörungen einer "Pintura Tropical" und zeigen in ihrer Malerei die Kunst der eigenen Vergewisserung und Zeitgenossenschaft in bewegter Zeit über die politischen Systeme hinweg. (Text: Axel Jablonski)

Wir freuen uns, Sie in der Galerie zu begrüssen und danken Ihnen für Ihr Interesse.

Mai 36 Galerie
Victor Gisler

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