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Einzelausstellung: Lu Song - To one who has been long in City Pent (John Keats 1795-1821) (vorbei)

12 September 2012 bis 20 Oktober 2012
  Lu Song - To one who has been long in City Pent (John Keats 1795-1821)
Lu Song, Ruin, 2012, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm
 
www.alexanderochs-galleries.com ALEXANDER OCHS GALLERIES BERLIN | BEIJING

ALEXANDER OCHS GALLERIES BERLIN | BEIJING
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Wenn man mit der Melancholie ein Temperament in Verbindung bringt, das primär mit europäischen Konnotationen aus Literatur und Bildender Kunst behaftet ist, erscheinen die Bilder des chinesischen Malers Lu Song (*1982) befremdlich und einladend zugleich. Dies gilt sowohl hinsichtlich ihrer vielschichtigen Schönheit als auch ihres Tiefgangs.

Mit dem Titel, den Lu Song für diese Ausstellung gewählt hat, zitiert er ein Gedicht von John Keats, jenem Vertreter der englischen Romantik. Keats beschreibt dort die Empfindungen eines Menschen, der sich lange in der Enge der Stadt gefangen sah und nun die Schönheiten ländlicher Natur erlebt. Bei Lu geht es jedoch weniger um die pantheistischen Anschauung eines John Keats als vielmehr darum, innere Bilder zu schaffen, die innere Widersprüche zeigen. Solche inneren Widersprüche gründen sich vielleicht auf ganz persönliche Erfahrungen, die er in China gemacht hat und vor allem auch heute noch macht.

Die Motive seiner Bilder sind oft zunächst unscheinbar, gleichwohl erinnern sie auch an Darstellungen der Romantik. Lu Song kombiniert seine phantastischen Naturlandschaften aber auch mit Gebäudekomplexen, wie man sie heute in Peking vorfindet. Er malt Ansichten von Parkanlagen, die oft unwirklich erscheinen, - viele seiner Motive fand er im Berliner Tiergarten. In diesen Bildern verschmelzen Natur und Urbanität, ohne dass sich diese Dichotomie auflösen ließe. Figuren, ebenso wie die Gebäude von der Flora überwuchert, stehen einsam in der domestizierten Natur und tauchen Lu Songs Schauplätze in eine Melancholie, die gleichermaßen bedrohlich und anziehend ist.

Lu Song weiß in seinen Bildern diese romantisierenden Sujets durch malerische Mittel aufzubrechen: Jeder trügerische Schein der Idylle wird in massiver, gleichzeitig aber subtiler Weise nachhaltig gestört. Häufig bringt er Silikon auf die Leinwand auf, übermalt es, um es später durch Abschabung mit Rakeln wieder zu entfernen. Er verwendet extrem verdünnte Ölfarbe, die so flüssig ist, dass sie oft unmittelbar nach dem Auftrag vom Bildträger fließt. Es überdecken sich so Farbschleier, Schlieren laufen senkrecht aus dem Bild und geben die Textur der Leinwand frei. Mit diesen Verflüssigungen provoziert Lu Song die Unkontrollierbarkeit der Farbe und fordert die Eigenständigkeit der Leinwand heraus, - um im selben Moment dagegen agieren zu können.

Dieses Agieren ist entscheidend in jenem Prozess der Werkentstehung, in dem es keine absehbare Versiegelung der Leinwand geben kann, in dem Material geschichtet, entfernt, freigelegt und benetzt wird. Jedes Sujet bildet sich erst im Entstehungsprozess und in der Reaktion der Materialien heraus. Wenn er wüsste, sagt Lu, wie ein Bild am Ende aussähe, dann bräuchte er es gar nicht erst zu malen. Es ist also diese Herausbildung, die ihn antreibt, er folgt niemals einer antizipierenden Komposition.Der Prozess des Malens bleibt in erster Linie der Reaktion der Materialien und seiner eigenen Intuition verbunden.

Das schichtweise Auftragen der Malmittel und das Freilegen unterer Schichten bis hin zum Malgrund verraten viel über Lu Songs künstlerische Denkweise, die einen nachgerade psychologischen Ansatz vermuten lässt. Lu entlässt das Material aus seiner bewussten Kontrolle und überlässt ihm die Regie. Bemerkenswert ist auch, dass er keinen konkreten Bezug zur Lebenswirklichkeit in China herstellt sondern vielmehr (und durchaus melancholisch) auf die seelische Verortung in der Gegenwart zielt. Mit der Schaffung innerer Bilder nimmt sich Lu Song eine innere Freiheit, die vielleicht gerade für eine jüngere Generation chinesischer Künstler kennzeichnend sein kann.

Peer Golo Willi

ERÖFFNUNG
Dienstag, 11. September 2012 | 19-21 Uhr
Der Künstler ist anwesend.

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