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Einzelausstellung: Christoph Meier - Office (vorbei)

27 September 2012 bis 10 November 2012
  Christoph Meier - Office
 
  Nosbaum&Reding

Nosbaum&Reding
4, rue Wiltheim
2733 Luxemburg
Luxemburg (Stadtplan)

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www.nosbaumreding.lu


Auch wenn Musen und Modelle die Ateliers längst verlassen haben, der Kaffee noch so bitterkalt geworden ist, und das Telefon noch so smart klingelt, so werden KünstlerInnen noch nicht so schnell angeben, im Büro angekommen zu sein. Es war ja auch nur ein Ratschlag von einem von Meiers Kollegen gewesen, der Ausstellung den Titel »OFFICE« zu geben. So etwas kann man dann ja zumindest berücksichtigen, oder wie in diesem Fall auch einfach mal annehmen. »OFFICE« soll folglich nicht als ein Synonym für einen Ort des Grauens herhalten, sondern als gut gemeintes Wort, und als eine Klammer rund um Christoph Meiers Arbeiten dienen. Warum dann also noch, wenn man »OFFICE« im Sinn hat, an gleißend helle Reizüberflutung und ringelspielartigen Schwindel denken? Das Schöne am Bürospielen ist doch neben maximaler Satisfaktion, bei minimalen Kosten, der Gebrauch von Kommandos. Zwischen »Cut, Copy & Waste« erscheint mir ein Befehl, hier als besonders erwähnenswert: »Der Apfel und das Z« und mit ihm die Revidierbarkeit von Entscheidungen. Meiers Programm erlaubt solch rückwärts intendierte Kombinationen, wenngleich das in der Künstlerischen Praxis nicht immer, und noch weniger automatisch, einem Shortcut entspricht.

Meiers »OFFICE« bedient weniger die Vorstellung von Kippenbergers Büro oder Warhols Fabrik, als vielmehr die Idee und Spur einer wortgewordenen Begleiterscheinung seines Schaffens. Den Dingen, die Meier im oft unbetitelten Namen hin- und herstellt, ergeht es da ähnlich. Sind sie doch weniger Erzeugnis, als Zeugnis ihres eigenen Strebens in Richtung Skulptur. So gilt es als amtlich, dass Meiers Dinge brauchen, bis sie das auch werden. Zuerst müssen sie aber überhaupt erst einmal zum rentablen Ausgangspunkt und als Material auserkoren werden. Entsprechende Kandidaten zwingt Meier zu veritablen Funktionseinheiten oder auch in brüchige Teams. Solche Praktikanten müssen sich erstmal bewehren, bevor sie zur Skulptur befördert werden können. Meier arbeitet sich nur bedingt an den Objekten ab. Sein bevorzugtes Werkzeug ist die Entscheidung und so führen zwar viele der Spuren zu ihm, stammen aber gar nicht von ihm selbst. Ausgediente Hintergründe aus dem Transport Business und Untergründe aus dem Atelier-Wesen definieren Ebenen, welche diese Ausstellung hier offiziell einsockeln und sie zusammenhalten. Der Künstler hat sich derlei Güter als Ausgangsmaterial organisiert und somit einen guten Grund für malerische Themen gefunden. Als zerkratzte Schutzhüllen hatten die Sandwich-Platten auf dem Lastkraftwagen ausgedient, doch hier wirken ihre Furchen graphisch und ihre Motive, wie Zeichnungen aus dem Fahrtenbuch eines Transporteurs. Zum abgelebten Bild ihrer selbst, gesellen sich Abstraktion und mittels fotografischer Reproduktion unter anderen auch ein Oktopus und eine Orchidee. Auf selber Augenhöhe und frontal treten die Paneele an und gerieren sich zwischen Gemälde und Fenster zur weltweiten Welt. In entspannter Erwartungshaltung hüllt sich ein schlecht proportioniertes, aber reichlich ausgestattetes Plastik-Aktmodell in zauberhafte Folie. Sie bleibt die unschöne Unbekannte in der Ausstellung. Wo der semitransparente Untergrund herkommt, das lässt sich aus einem Art Begleitvideo in Erfahrung bringen. In Gestalt einer Schildkröte bewegt sich Meiers »Atelier-Co« Hugo Canoilas durch eine von ihm geschaffene, malerische Rauminstallation. Bei genauerer Betrachtung wird erst klar, dass es sich hierbei um eine Arbeitssituation, zumindest im Sinne der Folie handeln könnte. Meiers »OFFICE« ist gar kein Büro, ja noch nicht einmal ein Ort, könnte aber dennoch bezeichnend sein, für den Dunstkreis rund um seine Organisation in Materialien. Meiers Antrieb hält seine Objekte in prüfender Bewegung, er dreht und wendet, oder lässt sie baumeln, bis sie eben werden, was sie dann und wann schon sind: Selbstständig.

JAKOB NEULINGER

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