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Einzelausstellung: Ren Xiaolin - Gärten der Lust (vorbei)

27 April 2006 bis 27 Mai 2006
  Ren Xiaolin
Ren Xiaolin
“From the paper Series”
“From the paper Series”, Oil on Paper, 80 x 55 cm
2002
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


L.A. Galerie Lothar Albrecht zeigt

Ren Xiaolin

Gärten der Lust


27. April bis 27. Mai 2006-03-21
Wir laden Sie und Ihre Freunde herzolich zur Eröffnung am Donnerstag, den 27. April um 19.00 Uhr ein. Der Künstler ist anwesend

Ren Xiaolin ist ein technisch versierter Maler, doch angesichts der Themen seiner Arbeiten verliert man als Betrachter das technische Raffinement leicht aus den Augen oder verdrängt es gar. Xiaolins Werk stellt eine außergewöhnliche Mischung von Fantasie, Erotik und Humanismus dar. In vielen seiner Ölbilder bilden Naturlandschaften einen verlockenden Hintergrund zu den intimen Liebesspielen und erotischen Posen im Vordergrund. Meisterhaft setzt er körperliche mit natürlichen Landschaften in Beziehung.

In Das wache und trügerische Land sind – mit deutlichen sexuellen Untertönen - auf Fels gewachsene Bäume mit winzigen rosafarbenen Knospen bespickt. Drei nackte (nicht als Mann oder Frau weiter gekennzeichnete) Figuren haben es sich auf den Ausbuchtungen eines Felsens bequem gemacht und vollziehen eine sexuelle Handlung; eine von ihnen dringt in eine andere von hinten ein, während die dritte auf dem Boden liegend ein Bein der vorderen Figur mit ihrem Kopf abstützt. In Landscape No. 1 lieben sich zwei Figuren vor dem Panorama einer Bergkette. Die hintere schaut sich nach einer dritten Figur um, die in der Nähe rittlings auf einer Bank sitzt, die Beine unmissverständlich gespreizt, und den anderen beiden aufmerksam zuschaut, was die Erotik des Bildes noch erhöht.

In der klassischen chinesischen Literatur steht der Garten oft als idealer Schauplatz von Liebesspielen und erotischen Fantasien. Chinesische Erotika sind eine Quelle großer ästhetischer Inspiration und Lust. Ren Xiaolin fügt den verschiedenen erotischen Geschichten seiner Werke Elemente aus der Natur hinzu, wie Felsen, Blüten, Wolken und Vögel. Diese Bilder sind an sich schon eine Augenweide und unmittelbar anregend. Jedoch sollte Ren Xiaolin als Künstler nicht dafür anerkannt werden, was er malt, sondern wie er es malt. Gesellschaftsfragen und Politik, beliebte Themen für viele zeitgenössische chinesische Maler, finden kaum Eingang in sein Werk. Er gerät auch nicht ins Philosophieren oder Fabulieren. Vielmehr stellt er normale Leute und Alltagsgegenstände dar und scheint mehr Genugtuung und auch ein gewisses Sendungsbewusstsein daraus zu ziehen, die Sprache der Ölmalerei zu ergründen.

Ren Xiaolins stilisierte Bildsprache, sein Farbgebrauch und die Struktur seiner Gemälde vermitteln viel mehr als bestimmte Bilder und Vorstellungen. In Fengshui No.1 (2004) löst sich das Dargestellte beinahe auf in einzelne Farbflecke aus verschiedenen lebendigen Farbtönen, ebenso wie die Figuren, von denen eine aussieht, als sei sie durch einen einzigen spontanen Pinselstrich entstanden. In seiner Serie von kleinen Papierbildern lässt er die Landschaft ganz weg und setzt einzelne oder Paare von Topfpflanzen oder Figuren mit konvulsiven Strichen und nur angedeuteten Farben in die Mitte des Blattes

Der ästhetische Reiz der Bilder Ren Xiaolins ist vielschichtig und entwickelt sich im Laufe seiner Karriere organisch immer weiter. In seinen frühen Arbeiten aus den Achtzigerjahren bilden schwere Blau- und Brauntöne den Untergrund für hellere Farbfelder und -punkte in orange, grün und rot. Sie strahlen eine massive Kraft aus. Später, Mitte der Neunzigerjahre, setzt der Künstler freundlichere Töne ein und fügt seinen Bildern unregelmäßig geformte Farbelemente hinzu anstelle der bisherigen pilzförmigen Fragmente und kieselsteingroßen Farbtupfer. Ebenfalls zu dieser Zeit erweist er Chagall die Ehre und übernimmt dessen charakteristische Farbfelder in seine Arbeiten, ohne jedoch dekorativ zu wirken.

Ren Xiaolins neuere Arbeiten (seit dem Jahr 2000) sind durch weichere Farbtöne wie zartes lila und hellgrün gekennzeichnet. Landschaft, Objekte und Figuren entstehen scheinbar mühelos allein durch die Farben, in Anlehnung an die Mogu- oder „knochenlose" Technik der traditionellen chinesischen Malerei, bei der die Formgebung ohne Skizzierung oder Konturzeichnung mit Tinte, also nur mit der Farbgebung erfolgt. Es sind relativ feine, freihändige Pinselarbeiten im impressionistischen Stil – Ölbilder, die eher wie Aquarelle sind, flüssiger, elastisch, lebhaft, transparent, gefühlvoll und ungehemmt. Von der leichten, zarten, feuchten und nebelhaften Qualität her erinnern sie an die mit Wassertinte gemalten Landschaftsbilder aus der Jiangzhe-Region (südlich des Yangtze-Flusses), insbesondere an die „knochenlosen" Bilder des Malers Yun Nantian aus der Zeit der Qing-Dynastie. Aber auch die Schule von Venedig schwingt in diesen Arbeiten mit ihrer erfrischenden Klarheit und ihren leuchtenden Farben mit.

Betrachtet man die Veränderungen der Werke Xiaolins im Laufe der Zeit, ist es beinahe so, als verfolge man die Entwicklung des Künstlers selbst, vom melancholischen Jugendlichen bis hin zu dem reiferen, liebenswürdigen und sanftmütigen Mann mittleren Alters, der er heute ist.

Carol Lu
(Übersetzung Simone Schede)

Pressetext als pdf-Datei 119 KB (englische Sprache)

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