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Gruppenausstellung: Simon Evans & Öyvind Fahlström - First we make the rules, then we break the rules / Seitenlichtsaal (vorbei)

15 Dezember 2012 bis 17 Februar 2013
  Simon Evans & Öyvind Fahlström - First we make the rules, then we break the rules / Seitenlichtsaal
 
  Kunsthalle Düsseldorf

Kunsthalle Düsseldorf
Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf
Deutschland (Stadtplan)

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www.kunsthalle-duesseldorf.de


Mit dem Blick ei­nes Rei­sen­den ent­wi­ckeln Si­mon Evans (*1972) und Öy­vind Fahl­ström (1928-1976) ei­ne je­weils ei­ge­ne Kar­to­gra­fie der Welt. Evans schafft vor al­lem psy­cho-geo­gra­fi­sche Kar­ten, die es ihm er­lau­ben, sei­nen ei­ge­nen Stand­punkt zu de­fi­nie­ren und sich selbst in sei­ner Um­welt zu veror­ten; vom Per­sön­li­chen aus­ge­hend legt er den Fin­ger auf all­ge­mein mensch­li­che Un­zu­läng­lich­kei­ten und Be­dürf­nis­se. Fahl­ström in­ter­es­sie­ren die Ge­set­ze des Kol­lek­ti­ven, die sich in pop­kul­tu­rel­len Bild­wel­ten und in der An­häu­fung po­li­ti­scher und öko­no­mi­scher Da­ten nie­der­schla­gen. Er kom­po­nier­te Ge­mäl­de und In­stal­la­tio­nen aus va­ria­blen Ele­men­ten und stell­te po­li­tisch auf­ge­la­de­ne In­for­ma­ti­on zu kom­ple­xen geo­po­li­ti­schen Land­kar­ten zu­sam­men, die scho­nungs­los glo­ba­le Un­ge­rech­tig­kei­ten of­fen­le­gen. Die Va­ria­bi­li­tät von Ele­men­ten, das Spiel als Grund­la­ge des Kunst­werks ver­deut­li­chen die grund­sätz­li­che Ver­än­der­bar­keit der Welt durch den ein­zel­nen. Fahl­ström wie Evans mo­ti­vie­ren den Be­trach­ter, sei­ne ei­ge­ne Po­si­ti­on zu über­den­ken, ob im glo­ba­len Macht­spiel oder im All­täg­li­chen. Bei­de be­die­nen sich in ih­ren Ana­ly­sen ei­ner ge­hö­ri­gen Po­si­ti­on Sar­kas­mus und Iro­nie, was zur Fol­ge hat, dass Evans von jeg­li­cher Form sen­ti­men­ta­ler Selbst­be­spie­ge­lung weit ent­fernt ist und Fahl­ströms Werk nicht in die Nä­he po­li­ti­scher Pro­pa­gan­da rückt. Auch der for­ma­le Er­fin­dungs­reich­tum der Künst­ler, die bei­de Tech­ni­ken der Col­la­ge und der Frag­men­tie­rung nut­zen, ist glei­cher­ma­ßen fas­zi­nie­rend. Fahl­ström ver­ar­bei­tet das Über­maß an vi­su­el­ler In­for­ma­ti­on in kom­po­si­to­risch dich­ten, la­by­rin­thi­schen Struk­tu­ren, kom­bi­niert an­ge­eig­ne­te Bil­der mit frei er­fun­de­nen For­men oder er­zeugt bei­nah trau­m­ähn­li­che Se­quen­zen, et­wa wenn die Fi­gu­ren beim Green Pool zu im­mer neu­en Kon­stel­la­tio­nen zu­sam­men­fin­den. Evans Wer­ke ha­ben - wie sei­ne as­so­zia­ti­ven Be­ob­ach­tun­gen - ei­nen na­he­zu ephe­me­ren und zar­ten Cha­rak­ter. So wie sich Au­ßen- und In­nen­welt in den Col­la­gen über­la­gern, über­la­gern sich auch die un­zäh­li­gen Text- und Bild­schich­ten. Kleins­te aus No­tiz­bü­chern aus­ge­schnit­te­ne Pa­pier­schnip­sel, All­tags­ele­men­te, Zeich­nung, Lö­schung und Über­kle­bung er­ge­ben ein dich­tes Netz mit­ein­an­der ver­wo­be­ner Ele­men­te. Die Spu­ren der Zeit, der Fluss der Ge­dan­ken so­wie das Be­wusst­sein um die Un­mög­lich­keit der Fest­schrei­bung spie­geln sich so auch for­mal in Evans Wer­ken. Gleich­zei­tig kon­ter­ka­riert er das si­tua­tio­nis­ti­sche Trei­ben mit kon­kre­ten Hand­lungs­an­wei­sun­gen, Fest­stel­lun­gen und Be­haup­tun­gen.

Die Idee, ei­ne Dop­pel­aus­stel­lung mit bei­den Künst­lern zu rea­li­sie­ren, ent­stand durch den Dia­log über ih­re Ar­bei­ten. Um­so frucht­ba­rer war die Ent­de­ckung, dass Fahl­ströms Werk für Si­mon Evans tat­säch­lich - wie zwei­fel­los für vie­le wei­te­re Künst­ler der Ge­gen­wart - ei­ne der wich­tigs­ten In­spi­ra­ti­ons­quel­len dar­stellt.

Die Aus­stel­lung kon­zen­triert sich auf ei­ne klei­ne Aus­wahl von Ar­bei­ten, die Kar­ten, Grund­ris­se und Spiel­fel­der zei­gen oder - im Fal­le von Fahl­ström - tat­säch­lich als Spie­le funk­tio­nie­ren. Die Künst­ler nut­zen die­se Ord­nungs­prin­zi­pi­en, um kom­ple­xe Zu­sam­men­hän­ge zu struk­tu­rie­ren: First we ma­ke the ru­les. Gleich­zei­tig bre­chen sie da­bei mit den ge­wohn­ten Ord­nun­gen, auch wenn sie sich for­mal ih­rer Me­tho­den be­die­nen: Then we break the ru­les - ei­ne Be­haup­tung, die Evans durch den ver­meint­li­chen Schreib­feh­ler auf Ein­la­dungs­kar­te und Ka­ta­log­co­ver so­wohl in sei­ner wört­li­chen als auch in sei­ner über­tra­ge­nen Be­deu­tung ein­löst.

Ku­ra­tiert von Elo­die Evers und Magda­le­na Holz­hey

Zur Aus­stel­lung er­scheint ei­ne Pu­bli­ka­ti­on im Ver­lag der Buch­hand­lung Walt­her Kö­nig mit zahl­rei­chen Farb­ab­bil­dun­gen, ei­nem Vor­wort von Elo­die Evers und Magda­le­na Holz­hey, ei­nem Ge­spräch zwi­schen Elo­die Evers und Si­mon Evans so­wie Es­says von Ra­pha­el Ru­bin­stein und Mai­b­ritt Bor­gen.

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