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Einzelausstellung: Zhao Nengzhi - Gesichter (vorbei)

1 Juni 2006 bis 24 Juni 2006
  Zhao Nengzhi - Gesichter
Ausstellungsansichten
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


L.A. Galerie Lothar Albrecht zeigt

Zhao Nengzhi
Gesichter


1. Juni bis 24. Juni 2006

Wir laden Sie und Ihre Freunde herzlich zur Eröffnung am Donnerstag, den 1. Juni 2006-03-28 um 19.00 ein.
Der Künstler ist anwesend.

"Die leeren Flächen des Körpers – Eine Analyse der Werke Zhao Nengzhis"
Von Li Xu

Aufgedunsene, verkrampfte Formen, zweideutige Gefühlsausdrücke, undeutliche, leere, graue Hintergründe, Verwirrungen und Verknotungen: so stellten sich die ab Ende der Neunziger Jahre entstandenen "Gesichtsausdrücke" des chinesischen Künstlers Zhao Nengzhi dar. In vielen verschiedenen Spielarten stellten diese Arbeiten immer nur die Ambivalenz und Unbestimmtheit menschlicher Gefühle dar, wie sie sich in Gesichtern widerspiegeln. Zur Erklärung solcher Emotionen wird oft die Erfahrung von Distanz und Absurdität der heutigen Zeit herangezogen. Interessanterweise hat der Künstler selbst ein solches explizites, wörtliches Verständnis seiner Arbeiten wiederholt abgelehnt.

In der reinen Kunst verschmelzen Inhalt und Form zu einem einheitlichen Ausdruck. In der Realität des Künstlers jedoch sind Körper und Geist oft auf geradezu absurde Weise uneins. Dieser Gegensatz drückt sich in Zhao Nengzhis Werk durch die wiederkehrenden hohlen, trostlosen Gesichtsausdrücke aus; unsere Körper mögen dem Schöpfer nachgebildet sein, doch im Geiste werden wir Gott nie auch nur ansatzweise nahe kommen – um diese Erkenntnis der Ungeschicklichkeit (Unmöglichkeit) der Schöpfung kommt man nicht herum. Sie bildet wahrscheinlich den Ursprung der Trennung von Körper und Geist.

Für den Betrachter, der zum ersten Mal mit Zhao Nengzhis Werk in Berührung kommt, zumal wenn er darauf aus ist, irgendeine realitätsbezogene Bedeutung darin zu erkennen, scheinen die Bilder möglicherweise monoton und langweilig. Es braucht ein gewisses sinnliches Verständnis für diese Art von Kunst. Versuche, Zhao Nengzhi als Künstler zu klassifizieren, können ebenfalls nur scheitern: Ist er ein Porträtist? Ein Realist? Man kann durchaus "Porträts" oder "Menschen" in seinen Werken ausmachen, und natürlich kann man Bilder als "Wolken" oder "Landschaften" zuordnen. In manchen Werken sind sogar die Striche als solche zu erkennen, oder man kann nachvollziehen, wie die einzelnen Striche zusammengenommen einen Kopf ergeben. Es ist aber eben ganz unwichtig, was gemalt wird; von Bedeutung ist vielmehr, wie es dargestellt wird.

Zhao Nengzhi ist ein ebenso rationaler und reflektierender Künstler wie er in seinen Arbeiten sinnlich ist. Eine seiner Aufzeichnungen lautet:
"Ich glaube, dass die Kunst unabhängig ist. Gemälde sind Gemälde. Sie dokumentieren nicht, kommentieren nicht und erzählen auch nicht. Es sind bildliche Zusammensetzungen aus Form, Farbe und Struktur, die Erinnerungen auslösen. In der Kunst geht es darum zu schauen und nicht darum nachzudenken; es geht um Sehen, nicht um Vernunft. Die Kunst zeigt, beschreibt aber nicht. Leicht definierbare Elemente und offensichtliche Bedeutungen lehne ich ab; stattdessen versuche ich die Vielschichtigkeit der Sprache einzufangen, die Ambiguität von Bedeutungen, das Potential, das in Wachstum und Veränderung steckt. Die Kunst sollte für die Schwierigkeit des Verstehens sprechen."
Worte wie diese zeigen deutlich, wie sehr es Zhao Nengzhi um das Bild an sich geht und er psychologisierenden und "soziologisierenden" Interpretationen zu entkommen versucht. In allen bisherigen Stadien seiner Entwicklung legt er große Bedeutung auf die Formen der Sprache. Seine starren, ausdruckslosen Gesichter sind nichts anderes als Elemente seiner Bildsprache, die mit ihren Farben und Schattierungen, Pinselstrichen und Strukturen die ganze Kreativität der visuellen Rhythmen und Melodien vor unseren Augen ausbreiten.
Trotz aller Veränderungen der Inhalte und Vorlagen bleibt die emotionale Grundlage dieser Werke doch dieselbe. Die Bilder wurden nicht dazu geschaffen, konkrete menschliche Figuren abzubilden. Sie sind nicht mehr die Gesamtheit der Pinselstriche, die für die Zeichnung eines Gesichts benötigt werden. Durch verzerrende Blickwinkel und die Vergrößerung und Verwischung von Details wirken Zhao Nengzhi's Menschenfiguren oft höchst befremdlich. Man mag sie noch als Portraits bezeichnen, aber es sind extrem abstrakte Menschen, ohne Körperwärme, ohne Atem. Die Körper, an denen sie befestigt sind, sind erodierte, unfruchtbare Flächen.

Mancher Betrachter der Bilder Zhao Nengzhis mag versucht sein, in den abgebildeten Menschenfiguren den Künstler selbst zu sehen und in den Emotionen, die von den Bildern ausgehen, die Gefühle des Künstlers selbst widergespiegelt zu sehen – Gefühle von Schmerz, Unterdrückung, Grausamkeit, Wut, Zurückgezogenheit und auch Perversion. Das ist auch nicht zu verurteilen, schließlich steht die Interpretation eines Kunstwerks nach seiner Fertigstellung jedem offen. Seine "Bedeutung" unterliegt dem Verstand und Gefühl eines jeden Betrachters. Doch Zhao Nengzhi ist schlau. Nachdem er die Rechte zur Interpretation seiner scheinbar simplen Bilder ausgehändigt hat, geben diese dem Betrachter eine Menge Rätsel auf.

Im Jahr 2004 löste sich Zhao Nengzhi von dem Grau, das ihn jahrelang begleitet hatte, und begann mit seinen Farbexperimenten auf Papier. Eine Serie von Werken mit gigantischen Ausmaßen, die seit 2005 entstanden sind, führen phänomenale Bildeffekte und bisher ungekannte Farben vor: die abstrakten Figuren werden immer konkreter, die einsamen und hysterischen Körper dagegen immer trostloser. Einige seiner jüngsten Arbeiten sind wie Standfotos aus Filmen. Eine Person wurde aus nächster Nähe fotografiert und dann vergrößert, alle Hintergrunddetails wurden gelöscht. Es bleibt ein eingefrorener Gesichtsausdruck, dessen Fassbarkeit oder Lebendigkeit sich sofort in Luft auflöst bei dem Versuch, ihn genauer zu ergründen.

Diese Körper Zhao Nengzhis sprechen immer noch dieselbe Sprache wie seit Jahren. Es sind nach wie vor kahle, verlassene Flächen, unabhängig davon, dass sie nun bekleidet sind, eine Identität zu haben scheinen und die Farben gewisse – obschon nicht wirklich eindeutige – Hinweise auf Zeit und Ort geben.

Seit den Achtziger Jahren sieht man besonders viele Bilder von menschlichen Gesichtern in der zeitgenössischen chinesischen Kunst. Nach Künstlern wie Geng Jianyi, Zhang Xiaogong, Fan Lijun, Yue Minjun, Zhen Fanzhi und Yang Shaobin hat nun auch Zhao Nengzhi seine Sprache gefunden und sein eigenes Lexikon erstellt. Sie alle zeichnen ein Portrait der chinesischen Gesellschaft und des chinesischen Zeitgeists zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

ZHAO NENGZHI Press Release als pdf-Datei 93,4 KB (englische Sprache)

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