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Gruppenausstellung: Herbert Brandl / Markus Prachensky (vorbei)

24 November 2013 bis 11 Januar 2014
  Herbert Brandl / Markus Prachensky
Herbert Brandl
ohne Titel, 2010, Öl auf Leinwand, Schlussfirnis, 170x220
Foto: Jorit Aust
 
  Galerie 422

Galerie 422
An der Traunbrücke 9 - 11
4810 Gmunden
Österreich (Stadtplan)

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tel +43-(0)7612-62 668
www.galerie422.at


KURZTEXT ZUR AUSSTELLUNG

Bereits zu Lebzeiten von Markus Prachensky - dem wohl wichtigsten Vertreter des abstrakten Expressionismus und Informels in Österreich - gab es seitens der Galerie422 dieses Projekt, seine Arbeiten gemeinsam mit jenen von Herbert Brandl zu präsentieren.

Leider kam es damals nicht mehr dazu, Markus Prachensky verstarb 2011.

Umso mehr freuen wir uns, nun in der Galerie422 Arbeiten dieser beiden bedeutenden Künstler gemeinsam zeigen zu dürfen - in einer Ausstellung, für die Herbert Brandl speziell einige ganz neue Bilder geschaffen hat, die seine Beziehung zur Malerei von Markus Prachensky beleuchten.

KURZTEXTE ZU DEN KÜNSTLERN :

HERBERT BRANDL

Herbert Brandl (1959 in Graz geboren, lebt und arbeitet in Wien), nimmt eine prägende Position in der aktuellen Malerei ein. Seine Teilnahme an der documenta IX in Kassel 1992, der Biennale di Venezia 2007 sowie die Einzelausstellung in den Hamburger Deichtorhallen 2009 zeugen von seiner internationalen Präsenz. Brandls Frühwerk, das Anfang der 1980er-Jahren einsetzt, ist im wiederaufkommenden Neoexpressionismus zu verorten; seit Beginn der 1990er-Jahre ist eine im Duktus moderatere und im Farbauftrag lasierende Malerei charakteristisch.

Die Landschaft nimmt seit Brandls künstlerischen Anfängen einen wichtigen Stellenwert ein: Sie ist deskriptiv impressionistisch, eruptiv expressionistisch, sensitiv oder destruktiv angelegt. Dabei changieren die Bilder zwischen Abstraktem und motivisch Gegenständlichem; dieses Sowohl-als-Auch, diese Verschwisterung der entgegengesetzten Pole, findet vor allem seit 2000 eine deutliche Ausprägung, als der Künstler erstmals den Berg als konkretes Image in seine Bilderwelt integriert. Seither entstehen abstrakte Farbfeldmalereien und mächtige Gebirgsbilder nebeneinander.

Die aktuellen Gemälde sind vorwiegend von einer abstrakten Gesamtstruktur in greller, übersteigerter Farbgebung bestimmt. Geradezu prismatisch wird das Kolorit gebrochen und in unmittelbaren Pinselzügen auf die Leinwand gebracht. Diese Setzungen formieren sich zu einer dramatischen Flut, der der Betrachter ausgesetzt ist und die ihn in die Tiefen des malerischen Kosmos reißt.

Trotz aller Aktualität und Eigenständigkeit bekennt sich der Künstler zur großen Tradition der Malerei. Affinitäten zu den Alten Meistern, vor allem zu Altdorfer, Tizian und auch Rubens, sind deutlich erkennbar, jedoch ohne zitierenden Gestus. Es sind mehr atmosphärische Erinnerungsbilder, in denen jegliche Figuration und Narrativität beiseite geschoben werden. Brandl stellt elementare Fragen an das Tafelbild.

Herbert Brandls Œuvre ist stets ein Kaleidoskop des malerischen Handelns, das sich immer wieder selbst erneuert - unter dauerndem Risiko, das markierte Terrain zu verlassen und jedes Mal aufs Neue die Leinwand und mit ihr die Malereigeschichte zu meistern. Brandl sieht sich hierbei als Bergsteiger in der Felswand - beziehungsweise als »Bergseher« -, der der Gefahr ausgeliefert ist, abzustürzen, vom Gemälde »abgeworfen« zu werden oder doch den Gipfel (das in sich gestärkte Bild) heil zu erklimmen.

Florian Steininger

MARKUS PRACHENSKY

Markus Prachensky - am 21. März 1932 in Innsbruck geboren - studierte in Wien Architektur und Malerei und gründete 1956 gemeinsam mit den Malern Hollegha, Mikl und Rainer die Gruppe "Galerie nächst St. Stephan" - angeregt durch den engagierten Mentor und Förderer der künstlerischen Avantgarde in Wien, Monsignore Otto Mauer. Nach einer von Mondrian beeinflussten geometrischen Frühphase entwickelte Prachensky ab 1956 seine unverwechselbare tachistische, am internationalen Informel orientierte abstrakt-expressive Malweise. Die Farbigkeit ist auf wenige Farbtöne reduziert und erhält dadurch besondere Signalwirkung. Von dynamisch gesetzten, den Pinselduktus deutlich belassenden Farbbalken ausgehend, fand er zu immer freieren, kalligraphisch bestimmten Formationen. Entsprechend der formalen Expression setzte er jahrelang nur ein vehementes, zur Auseinandersetzung zwingendes Rot. "Rot ist ein Farbe des pulsenden Lebens, der feurigen Bewegtheit, ein Anzeichen des schäumenden Flusses von inneren Ereignissen, eine explosive Farbe, die Gefahr aus der Rasanz der Lebensvorgänge signalisiert", wie es Monsignore Otto Mauer treffend beschrieb. Während seines Paris-Aufenthaltes 1957 lernte er Künstler wie Soulages und Mathieu kennen, entwickelte aber dessen ungeachtet seine eigene künstlerische Identität weiter. Seit jeher hat Markus Prachensky in Zyklen gearbeitet. Reisen bildeten hierbei einen wichtigen Faktor für den Künstler, um stets neue ästhetische Eindrücke zu erhalten. Bis in die Mitte der siebziger Jahre war Prachenskys Malerei auf Rottöne konzentriert, bevor Eindrücke aus Süditalien - beispielsweise in der Serie Puglia Marina - zum Rot auch Schwarz und Gelb auf die rohe Leinwand brachten. Südliche Landschaften, die Farben und Formen Italiens, Felder in Sardinien, megalithische Dolmen, Tempel in Ägypten, Felsschichtungen, Insellandschaften etc. wurden während der achtziger und neunziger Jahre Kern seiner mehrfarbigen Zyklen. Arbeitsaufenthalte u.a. in Paris, Berlin, Stuttgart, Los Angeles, Italien, Ägypten, Asien sowie zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland brachten Prachensky - dem wichtigsten Vertreter des abstrakten Expressionismus und Informels in Österreich - internationalen Ruhm und Anerkennung.

Von 1983 bis 2000 lehrte er als Professor für Malerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste.

Markus Prachensky starb 2011 in Wien.

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG :
SAMSTAG, 23.11.2013
19.30 UHR

Zur Eröffnung spricht
Mag. Florian Steininger
Kurator Bank Austria Kunstforum, Wien

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