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Einzelausstellung: Julian Faulhaber - Catalogue (vorbei)

27 April 2013 bis 1 Juni 2013
  Julian Faulhaber
Julian Faulhaber
construction#I
24 x 30 cm, Pigmentprint, framed
2011
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


Zehn Jahre lang hat er uns irgendwie im Unklaren gelassen, den Verdacht geschürt. Nie wussten wir wirklich, wo wir uns befinden. Die Motive so abstrakt, die Orte so neutralisiert, die Räume so aufgeräumt, dass scheinbar alles Leben aus ihnen verschwunden war oder noch gar nicht eingekehrt. Geschweige denn, dass wir in den Fotoarbeiten jemals jemandem begegnet wären. Menschenleeres, lebloses Terrain, so schien es jedenfalls.

Jungfräuliche Räume, virginöse Unberührtheit, schön glatt und beängstigend unmenschlich. So viel Sauberkeit, so viel Oberflächenglanz, so perfekt in Form gebracht, wie es sonst nur die Werbeindustrie kann. Eine Welt ohne Makel, ohne Schrammen, ohne Dreck, gephotoshopte, inszenierte Realität - scheinbar, denn keines der Motive ist künstlich in Szene gesetzt, kein Raum wurde besonders gereinigt, in besonderes Licht gesetzt - nicht die Interieurs, nicht die nächtlichen Straßenszenen, die sehnsuchtsvollen Tankstellen, die alle wie perfekte Kulissen auf Geschichten warten, aber keine erzählen.

Julian Faulhaber fotografiert, was er sieht, nicht was er, wie die Werbewelt, inszeniert. Das ist das Unglaubwürdige in seiner bisherigen Arbeit - er findet Räume, Szenerien, Details, Momente des Alltags, die wir nicht sehen - so jedenfalls nicht, wie er sie festhält.

Zehn Jahre hat er uns auf Abstand gehalten. In Abstand zu seinen Räumen, Abstand zur Gewissheit, zur klaren Erkenntnis und den konkreten Hintergründen seiner Motive. Er hat so durch die gewisse Leere die Imagination provoziert - beides, kontemplative Stille und Raum für wilde Spekulationen.

Mit der Ausstellung Catalogue lässt er uns erstmals hinter die Kulissen schauen und zeigt alles. Er nimmt uns mit auf eine Reise, die er bereits vor 15 Jahren begann als Fotoassistent bei Werbeshootings an der Küste von Kapstadt in Südafrika.

"Damals war ich mittendrin, jetzt bin ich wie ein Tourist zurückgekehrt. Ich habe meine Kamera herausgeholt und fotografiert, was ich gesehen habe. Die Alltagsroutine, Restaurants werden eröffnet, Männer säubern die Vorgärten, streichen Häuser, es gibt Baustellen und die Sets der Werbeindustrie. Hier wird mit Vorliebe Katalogware fotografiert. Ich wollte aber nicht die Menschen zeigen, nicht deren Emotionen, sondern alles wie Produkte sehen. Dabei habe ich mich bewusst von allem fern gehalten, um mich so vor zu viel Intimität zu schützen." Abstand halten. Möglichst abstrakt die Dinge betrachten, kein Voyeur sein, nichts bekämpfen, nichts lieben, kein Mitleid, keine Empathie. Das Abgebildete soll exemplarisch wirken, alles ist austauschbar, schemenhaft und folgt den gleichen Mustern. So funktioniert Werbung und ein großer Teil der Welt. Es werden Bilder produziert, die persönlichkeitslose Hüllen sind. Jeder kann hineinschlüpfen, wie er will. Schöne, leere, perfekte Welt - wie es scheinbar schon die LDPE Arbeiten von Julian Faulhaber suggerierten. Absolute, ideale Projektionsflächen, wenn sie nicht in ihrer Perfektion jenen stillen, schleichenden, schaudererregenden Zweifel wecken würden, dass hier irgendetwas nicht stimmt.

Und exakt hier beginnt die zweifelnde Expedition des Betrachters, der detektivisch das vermeintlich Abstrakte mit Konkretem, Lebendigem, Persönlichem zu füllen sucht, um schließlich festzustellen, dass dies nicht ein Bild der Welt ist, in der wir leben wollen.

Horst Brandenburg, Berlin, März 2013

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