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Einzelausstellung: hello 65 - encounter with the future (vorbei)

31 Mai 2013 bis 28 Juni 2013
  hello 65 - encounter with the future
 
  BOEHMERS

BOEHMERS
Paul Lincke Ufer 33
10999 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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www.boehmers.eu


die epoche der alternden gesellschaft hat begonnen – und wir sind mittendrin. und werden jeden tag älter.
für den künstler enriko boettcher ist ‘alter’ vor allem eine bewusstseinsfrage. lange bevor trendsetter das ‘silver age’ als neue zielgruppe und marktlücke entdeckten begann er nach einer neuen dimension von ‘alter’ zu suchen. es ist eine reise in die zukunft. die zukunft von uns allen.
in seinen großformatigen aufnahmen porträtiertboett- cher leute ab 65 jahre und fokussiert sein auge auf das wesentliche beim alt-werden: den menschen. dabei lässt er klischees, die mit der kategorie ‘alter’ assoziiert und vom öffentlichen diskurs durch ang- strhetorik geprägt werden, gar nicht erst entstehen. die konstruktion von ‘alter’ wird in frage gestellt durch blickerweiterung auf das, was ‘alter’ sein kann – jen- seits von rente, gerontologischen untersuchungen und der diskussion um die vergreisung europas.
er setzt bekannte und unbekannte menschen in szene, beobachtet jede person mit stoischer genauigkeit, lässt nähe und distanz diffundieren, bis eine leben- digkeit von größtmöglicher authentizität erreicht wird. die abgebildeten personen sind von bestechender natürlichkeit, offen, selbstbestimmt.
jahrelang hat maria pache wurstbrote geschmiert und verkauft. sie sitzt im rollstuhl, von dem nur ein griff zu sehen ist, mit einem wurstbrot in der hand. sie beißt ab. die kargheit der inszenierung erzeugt eine spröde ästhe- tik. hier hört boettcher auf, die betrachter mit details zu füttern, und maria pache erzählt selber.
carlo del rocio sitzt an eine tafel gelehnt. eine gesichts- hälfte verliert sich fast im schwarzen hintergrund – aber nur fast. die konturen sind so stark, dass man ihn noch erkennen kann. faltige, fast furchige haut, verbraucht, wettergegerbt, sonnenverbrannt. die jahre haben das gesicht gezeichnet. zugleich sehen wir in ihm eine unbe- schreibliche jugendlichkeit, den knospenhaften beginn von etwas, eine ahnung von dynamik. und erfahren den biologischen prozess als täuschungsmanöver über unser denken.
gerade schiebt theresa menrath ihren busen hoch. sie sitzt auf einem sofa, hat ihren körper im griff, findet sich attraktiv, abenteuerlustig, lacht, reißt witze, kokettiert. die bewegungsunschärfe des moments ist unser auge, das sich nicht einstellen kann auf das, was es nicht sehen will.
boettchers blick ist keineswegs euphemistisch. der stren- ge und zurückhaltende duktus raubt jede illusion. die schwarz-weißen bilder sind präzise und reduziert, gleich- zeitig farbenfroh und ausschweifend in unserer fantasie. sie erzeugen eine kostbare intensität und konzentration – nichts lenkt den blick ab, die sehgeschwindigkeit verlang- samt sich, der wahrnehmungsrhythmus verändert sich. ein mann, josef reitmaier, und sein motorrad, an welches er sich aufstützen muß. den rücken gebeugt, sitzt er auf einem stuhl. irgendwie lässig. der einnehmende hinter- grund ist schwarz. totmatt. das dichte schwarz zieht die betrachter in den bann, saugt sie geradezu auf. dann erst erkennen wir oberlippenbart, brille und pantoffeln von josef reitmaier. erkennen, dass geschichte an menschen haftet, lebenslang, sie zu zeitzeugen macht und daran erinnert, dass die gegenwart unentrinnbar mit vergangen- heit und zukunft verknüpft ist.
dass alle personen eigentlich auch ‘alt’ sind, spielt keine rolle – sie sind mehr. die kategorie ‘alt’ ist eng und nicht mehr gültig. wie das projekt zeigt, ist ‘alter’ eine vielzahl von realitäten.
zum moralisieren oder mitleidheischen funktionieren boe- ttchers fotographien nicht, sie sind keine projektionsflä- chen für selbstbefindlichkeiten, ‘sie sind ein impuls, nicht mehr und nicht weniger’. ihm geht es vielmehr darum zu ‘zeigen, was ist’. in seiner arbeit verdichtet sich das qua- si-reale zum wesentlichen, die geschaffene konzentration transzendiert letztlich zur frage des seins.
das projekt hello 65 ist momentaufnahme und blick in die zukunft zugleich. enriko boettcher hat mit seinen portraits magnetfelder geschaffen, die uns mit der vollen wucht des lebens anziehen und abstoßen und anziehen ...

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