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Gruppenausstellung: Nature in Photographie (vorbei)

25 April 2001 bis 25 Mai 2001
 
 
  Galerie nächst St. Stephan - Rosemarie Schwarzwälder

Galerie nächst St. Stephan - Rosemarie Schwarzwälder
Grünangergasse 1/2
1010 Wien
Österreich (Stadtplan)

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tel +43-(0)1-512 12 66
www.schwarzwaelder.at


Als "Zeichenstift der Natur" definiert 1840 Henry Fox Talbot, der Erfinder des photographischen Negativs und der Photographie auf Papier, das neue Bildmedium. Mit der Photographie eröffnete sich erstmals eine Relation von Bild und Natur, die scheinbar ohne pikturalen Code quasi eine Autopräsentation per se ermöglicht: Im Zeitalter der Transformation von "Natur" in ein technisches und heute gentechnologisches Ambiente tritt damit ein Medium auf den Plan, das dem Betrachter einen puren, unvermittelten (Bild-)Zugang zur Natur suggeriert(e). Dieses neue referentielle Vermögen einer Wiedergabe von Naturwirklichkeit ließ sie nicht nur zu einem privilegierten Instrument einer puren Erblickbarkeit von Natur werden, sondern situierte sie selbst zu einem Phänomen, das eine Amalgamierung von Bild und Natur zu bewerkstelligen scheint: Anschauung ohne (visuelle) Übersetzung.

Die Ausstellung "Nature in Photography" spürt anhand von sechs verschiedenen Positionen dem gegenwärtigen Diskurs von Photographie und Natur nach, indem sie vor allem als spezifisches Medium die Übersetzung von Natur als Bild diskutiert und reflektiert. Robert Adams (geb. 1937, lebt in Longmont, Colorado), einer der wichtigsten zeitgenössischen Photographen Amerikas, thematisiert in umfassender Weise Landschaft als elementare Wahrnehmungserfahrung, die in großformatigen, exzellenten Photoprints der klassischen Photographie verpflichtet sind. In ihrer formalen Komposition und Klarheit evozieren sie Natur als Unendlichkeit. Axel Hütte (geb. 1951, lebt in Düsseldorf) sieht Landschaften mit einer fast meditativen Haltung, in der die Sujets Berge und Himmel eine motivische Kontinuität bilden. In der Form ihrer Ausschnitthaftigkeit beinhalten die Photographien einen dramatisierenden Akzent, mit dem Natur immer wieder als Urgewalt imaginiert wird. Die 1998 und 1999 entstandene Bildserie aus Gröndland von Mette Tronvoll (geb. 1965, lebt in Paris) beeindruckt durch ihre Konzentriertheit und Stille. Die Landschaftsaufnahmen entfalten in ihrer Darstellungsweise ein Wechselspiel von Natürlichem und Künstlichem, von Natur als Kulisse und der Kulisse als Natur.
Es geht um die Auslotung dieser Schnittstellen und Grenzbereich von Natur und Kultur, wobei es auch um die Frage der romantischen Erhabenheit von Natur geht.

James Welling (geb. 1951, lebt in New York) lotet mit einem ambivalenten Bilddiskurs die Verzahnungen von Natur und Industrie aus. Architektur und Landschaft, Technik und Natur gerinnen zu einer harmonisierenden Ästhetik, die immer wieder das Moment der aufgehobenen Zeit betont.
Jörg Sasse (geb. 1962, lebt in Düsseldorf) reflektiert Natur als Hybridität, indem er Photographien mit digitalen Bildbearbeitungsprogrammen bearbeitet und transformiert. Im Zentrum seiner Überlegungen steht die Frage nach dem möglichen Realen der Natur bzw. ihre Darstellbarkeit durch das Medium.
Die Betonung, daß nicht wesentlich ist, was, sondern wie etwas dargestellt wird, führt nicht nur zum neuralgischen Punkt der heutigen Wahrnehmungsweisen von Natur, sondern auch zu Aspekten ihrer bildlichen Operabilität. Plastiken, Filme und Echtzeitvideoübertragungen sind die Medien, mit denen Darren Almond (geb. 1971, lebt in London) die Unwägbarkeiten von Zeit und Raum angesichts der Industrialisierung und Technologisierung diskutiert. Die devastierten Landschaften vor allem etwa in Osteuropa und die biographischen Erfahrungen des Künstlers mit ihnen beinhalten emotionale Potentiale mit der Konfrontation von (zerstörter) Natur, die das Subjekt in den Vordergrund der Auseinandersetzungen rückt.

Natur in der Photographie wird in allen Werken als komplexer medialer Transfer verstanden und ihre medialen Konstitutionsbedingungen werden ebenso einbezogen wie auch deren photographische Übersetzung als künstlerische Aneignung eines Autonomieprozesses von Darstellung und Dargestelltem, von Natur und Kultur.

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