Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: Oliver Boberg - Seiten (vorbei)

19 Oktober 2006 bis 31 Dezember 2006
  Oliver Boberg
Oliver Boberg
Seite II / Page II
"Seite II / Page II", C-Print, mounted on aluminum and plexiglas , ca. 150 x 284 cm
2005
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


Prototypische architektonische oder landschaftliche Konstellationen sind seit langem der Gegenstand von Oliver Bobergs künstlerischer Arbeit. In aufwendig gestalteten Modellen baut er unspektakuläre, gewissermaßen am Rand der Wahrnehmung angesiedelte Orte und inszeniert diese Modelle in Fotografien, die zunächst wie Aufnahmen tatsächlich existenter Plätze wirken, ja sogar Wiedererkennungseffekte auslösen. Daß die Bildgegenstände vom Künstler konzipiert und gebaut wurden, erkennt nur, wer um Bobergs Arbeitsweise weiß. Zuvor würde man ihre Authentizität nicht in Frage stellen: Gerade, daß man an den Gebäudeteilen, Durchgängen oder Abstellplätzen, mit denen Boberg sich beschäftigt, alltäglich vorbeigeht ohne sie bewußt zu betrachten, daß man vielmehr eine bestimmte Anmutung mit ihnen verbindet, die Bobergs suggestive Bilder genau aufnehmen, führt dazu, daß man als Betrachter der Täuschung gerne erliegt.

In seinen früheren Arbeiten konstruierte Boberg bestimmte, hinsichtlich ihrer Funktion oder architektonischen Einbindung relativ festgelegte Orte, an denen die Zeit stillzustehen schien. Später trat die Frage nach dem narrativen Moment, nach Veränderungsprozessen, von denen die Orte erzählen, stärker in den Vordergrund: Abgerissene oder im Rohbau befindliche Gebäude und ein brachliegendes Gelände kamen nun hinzu (2003/04). Auch in Bobergs Filmen, die parallel zu den Fotografien entstanden, spielte er mit den Assoziationen, Erwartungen und Gefühlen, die durch kleinste Veränderungen ausgelöst werden.

Das Wort "Seiten", das Oliver Boberg für eine seit 2004 entstehende Serie mehrteiliger Bilder gewählt hat, hat im Deutschen mehre Bedeutungen. Nicht nur bezeichnet es die Seite eines Buches, einer Zeitschrift, eines Hefts; gemeint sein können auch bestimmte Aspekte einer Sache, die man von verschiedenen Standpunkten - Seiten - betrachten kann. Die bisher entstandenen Bilder der Serie heißen Seite I - IV. Anders als für seine früheren Arbeiten, die Titel wie "Garteneingang" ("Garden Gate" 2001) oder "Parkplatz" ("Parking Lot"1998) trugen, hat sich Oliver Boberg nun also für eine Benennung entschieden, die über die Bildgegenstände nichts aussagt, sondern die Form ihrer Darstellung thematisiert. Eine "Seite" enthält auf weißem Hintergrund nämlich immer ein großes und ein oder zwei kleinere Bilder, von denen man unwillkürlich annimmt, daß sie einen Kommentar zu dem Hauptbild oder eine weitere Ansichtsseite desselben darstellen. Diese Kombination erinnert an narrative Zusammenhänge wie Comics oder Photoalben. Bei genauerer Betrachtung aber stellt sich die Frage nach der Art und Weise in der die Bilder aufeinander bezogen sind. Handelt es sich tatsächlich um einen bestimmten Ort oder um eine Geschichte oder besteht überhaupt kein Zusammenhang im Sinn einer Beschreibung oder Erzählung? Zwischen den einzelnen Bildern einer Seite gibt es nämlich keine Anschlußmöglichkeiten; Elemente eines Bildes tauchen in den anderen nicht auf. Die Modelle, die Boberg für "Seiten" fotografierte, zeigen aber strukturell ähnliche Konstellationen. Auf "Seite I" ist im Hauptbild im Vordergrund ein heller Weg zu sehen, der nach rechts in einen Wald aus dünnen, laublosen Bäumen und Gebüsch einbiegt. Rechts davon sind übereinander zwei kleinere Bilder angeordnet: Das obere zeigt einen von niedrigen Stufen unterbrochenen Weg entlang einer hohen grauen Mauer, das untere einen von einem Geländer umgebenen Sandplatz, dessen Ausgang wiederum in eine Art Unterholz führt. Der Weg, der in die Tiefe und auf etwas Undurchdringliches zuführt, kommt in allen drei Bildern vor; es handelt sich aber deutlich nicht um denselben Weg. Auch in den drei "Seiten", die folgten, kommt der Blick an ein Ende, trifft auf hohe Mauern oder Wände. Deren Oberflächen werden zum eigentlichen Thema der Bilder: die Strukturen ihrer Verkleidungen, die Verwitterung des Betons, die Anbringung von Lüftungsklappen, die Übergänge zwischen den Gebäudeteilen. Der Aspekt des Malerischen tritt in den Seiten II - IV immer stärker in den Vordergrund: Boberg beschäftigt sich auch im Zusammenhang mit seinen neuen Arbeiten mit Strukturen und mit den Effekten einer immer freier werdenden, zum Informellen tendierenden Malerei.

Die Suche nach dem Zusammenhang zwischen den einzelnen Motiven führt immer wieder zu Irritationen und Brüchen; immer mehr vertieft sich der Betrachter in die Details und Strukturen. In gewissem Sinn haben die "Seiten" einen aufklärerischen Impetus: Sie führen zu einer Bewußtwerdung kleiner Details, die in ihrer Gesamtheit die Häßlichkeit, Lieblosigkeit und Hilflosigkeit bei der Gestaltung gegenwärtiger städtischer Umgebung und neuer Gebäude deutlich machen. Als Kompositionen aber bauen die "Seiten" zwischen der Abstraktion von zweckbestimmten Bauten und der Konkretion der Einzelheiten eine eigene, abgründige Spannung auf.

Bettina Schmitt

OLIVER BOBERG

Geboren 1965 in Herten, Deutschland

Lebt und arbeitet in Fürth, Deutschland

Ausstellungen (Auswahl)

(S) Einzelausstellungen

2006
Spectacular City, Netherlands Architecture Institute, Rottedam

2005
Perfect Places, Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco (S)
Duolun Museum of Modern Art, Shanghai (S)
Koldo Mixtelena Kulturunea, San Sebastian (S)
Acting Out: Inveted Melodrama in Contemporary Photography, Neuberger Museum of Art, Purchase, New York
A la recherche du paysage perdu, Casino Luxembourg
RE:Modern, Kunsthaus Wien
Alegoria Barroca na Arte Contemporanea, Centro Cultural Banco do Brasil, Rio de Janeiro; Museu de Arte Sacra, Salvador/Bahia
Multiple Räume (2/3), Kunsthalle Baden-Baden
Blank - Urbane Zwischenräume, Kunstverein Graz (Medienturm), Graz

Pressetest als pdf-Datei 142 KB



Preview

Messen


Art Cologne, Köln, 1. - 5. Nov. 06

Die L. A. Galerie zeigt Julian Faulhaber während der Art Cologne im Förderprogramm junger Künstler, New Talents (Förderkoje).

Arco, Madrid, 15. - 19. Feb.07

Ausstellungen

Oliver Boberg / Naoya Hatakeyama / Taiji Matsue: Spectacular City, Netherlands Architecture Institute, Rotterdam, 23. Sept. 06 - 7. Jan.07; NRW Forum Düsseldorf, 26. Jan. - 6. Mai 07

Oliver Boberg: Out of the Camera. Analoge Fotografie im digitalen Zeitalter, Bielefelder Kunstverein, 27. Okt. - 22. Dez. 06

Naoya Hatakeyama: Berlin-Tokyo/Tokyo-Berlin, Nationalgalerie Berlin, 8. Juni - 3. Okt. 06
Tunnel Vision, FotoMuseum Antwerpen, 29. Sept. 2006 bis 7. Jan. 2007

Tracey Moffatt: Das achte Feld. Geschlechter, Leben und Begehren in der Kunst seit 1960, Museum Ludwig Köln, 19. Aug. - 12. Nov. 2006

Susa Templin: Susa Templin. Berlin Barock, Berlinische Galerie, 20. Okt.06 - 21. Feb. 07

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.