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Einzelausstellung: YANG SHAOBIN: THE TEN COMMANDMENTS (vorbei)

20 Oktober 2006 bis 4 Februar 2007
  YANG SHAOBIN: THE TEN COMMANDMENTS
 
www.alexanderochs-galleries.com ALEXANDER OCHS GALLERIES BERLIN | BEIJING

St. Matthäus-Kirche im Kulturforum
Matthäikirchplatz
10785 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)30 - 24 00 866 - 80
www.alexanderochs-galleries.com


Yang Shaobin: Die 10 Gebote

Das Altarbild

'Magnificent fecundation' verweist auf den Grund und Anfang des Lebens. In den Farben Gold, Rot und Schwarz wölbt sich eine Art Feuerball in die Bildmitte. Wer feuerspeiende Vulkane vor Augen hat, wird an feuriges Lavagestein denken, dass sich in Bewegung befindet. Wir sehen das Abbild einer hochenergetischen Verschmelzung. Uns wird nicht gezeigt, welche Energien da zu einander finden. Wir ahnen aber etwas von gewaltigen Umwälzungen, die sich da vollziehen.

Über dem Altar, dem zentralen Ereignisort einer christlichen Kirche verbindet sich das Bild unmittelbar mit dem Bedeutungshorizont seines Kontextes. Hier wird die Verbindung von Gott und Mensch in der Feier des Heiligen Mahles anschaulich; hier erfahren sich Menschen als eingeladen neu anzufangen, hier verdichten sich die religiösen Kräfte, die Menschen in die Freiheit aus falschen Bindungen und in die Verantwortung berufen. Die Malerei Yang Shaobins öffnet den Horizont für die Überprüfung unserer Sehgewohnheiten und Erwartungen, wenn wir eine Kirche betreten. So stellt sich das Bild Yang Shaobins der Befragung des Betrachters ebenso, wie es die uns unmittelbaren Fragen nach Urgrund und Quelle unseres Daseins offen hält.

Dem Altarbild korrespondiert am Eingang der Kirche die Arbeit 'Climax'.

10 Gebote

Während Yang Shaobin in seiner derzeit in Peking gezeigten Ausstellung 'Miners' sich mit der Realität der Bergarbeiter in Hebei und ihren extremen Lebens- und Arbeitsbedingungen auseinandersetzt, zeigt Yang Shaobin in der Bildfolge die 10 Gebote seine Auseinandersetzung mit den medialen, ihm in China zugänglichen Bildern.

Die Potenzierung des Negativen, üblich für kapitalistische Medien, wird auch von CCTV, dem staatlichen-chinesischen Fernsehen, das auf CCN-Bilder zurückgreift, übernommen.

Auf diese Art kommt Yang Shaobin zu seiner Interpretation der 10 Gebote, die ihm als Wertesystem natürlich fremd sind.

Das heißt, er interpretiert die 10 Gebote vor dem Hintergrund einer medial vermittelten Wirklichkeit, mischt diese mit einer fiktiven Filmszene und einer Video-Ausstrahlung der Darstellung entfremdeter Sexualität und transformiert diesen Kanon sensationsgeladener Inhalte in das Medium der Malerei.

Sensationen, Katastrophen, Konflikte bestimmen unser tägliches Leben, die Selektion der Themen erfolgt nach den Gesetzgebungen der Medien, die sich nach Einschaltquoten und Sensationsgehalt richten. Durch die wiederholte Ausstrahlung der ewig gleichen Bilder brennen sich diese in das kollektive Gedächtnis, so dass weder die Quelle noch Inhalte als auch der Wahrheitsgehalt hinterfragt werden.

In diesem bekannten Kontext, als abendliche Fernsehberichterstattung, sind uns die Bilder von Gewalt, Krieg und Bedrohung mehr als vertraut.

So entlässt uns der Künstler nur scheinbar aus der Verantwortung, wenn er vorhandene Bilder nutzt, uns bekannte Verbrecher und Täter zeigt, Ausübung von körperlicher Gewalt, überdimensionierte Waffen, Verlassensein des Menschen. In der erkennbaren Abwesenheit von Freiheit unter den Kennzeichen unserer Welt zwingt er uns vielmehr in die Verantwortung der Auseinandersetzung mit unserer Realität, unserem Leben.

Die Hoffnung, diese Bilder im Kontext eines sakralen Raums neu lesbar zu machen, als nicht hintergehbare Grenze des Abgründigen, erfüllte sich nicht. Mit unbändiger Wucht initiieren die Bilder eine konkrete Realität, die den Kirchenraum und seine Aura nicht unverletzt zurücklassen. Darum verzichten wir auf diese Bilder im Raum der St. Matthäus-Kirche. Dennoch aber zwingen sie uns in die Auseinandersetzung mit dieser Realität und damit zur Überprüfung unserer Existenz, die in der Anwendung der zehn Gebote als universelles Wertesystem einen Weg in die Freiheit beschreiten kann.

Der komplette Zyklus der Arbeiten wird im Januar 2007 in der Galerie ALEXANDER OCHS in Berlin zu sehen sein.

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