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Einzelausstellung: Oliver Boberg - Nacht-Orte / Night Sights (vorbei)

7 September 2002 bis 19 Oktober 2002
  Oliver Boberg - Nacht-Orte / Night Sights
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


Video Still from Wald/ Forest, 2002

Mit dem Namen Oliver Boberg verbinden sich die Bilder von Orten. Es sind Orte, die jeder aus seiner Alltagswelt kennt, und die emblematisch für die Unwirtlichkeit moderner menschlicher Ansiedlungen sind: das Parkdeck und die Unterführung, der Hinterhof, das Flachdach, die Hofeinfahrt. Das Geheimnis von Bobergs Bildern besteht darin, dass keine Möglichkeit besteht, diese Orte in der Wirklichkeit aufzusuchen: Es sind gebaute Modelle, die fotografiert werden. Bobergs Orte verkörpern in gewissem Sinn die Idee des Hinterhofs oder der Unterführung, denn alles, was charakteristisch für sie ist, wird im Modell rekonstruiert: Beton, der schon nasse Flecken hat, spärliche kleine Pflanzen, die in den Ritzen wachsen, abblätternde Farbe. Die Illusion ist deshalb so vollkommen, weil es Boberg immer gelingt, die spezifische Atmosphäre, die an solchen Orten herrscht, in seinen Bildern zu erzeugen. Boberg ist ein Atmosphären-Spezialist.

Die neuen Arbeiten mit dem Titel Nacht Orte – Night Sites, die die L.A. Galerie im September 2002 zum ersten Mal zeigt, stellen auf den ersten Blick eine Zäsur zu allen früheren Arbeiten dar. Boberg wechselt das Medium. Die sieben auf DVD übertragenen 16mm Filme, die mit einem Videobeamer an die Wand projiziert werden, zeigen nächtliche Szenerien: den Blick in einen Wald, wo zwischen Baumstämmen Nebel aufsteigt, eine Landstraße im strömenden Regen oder eine hohe Klippe, wiederum im Nebel. Bereits die Titel („Landstraße“, „Wald“...) lassen aber erahnen, dass Bobergs Interesse an den Orten nicht nachgelassen hat.

Wieder findet sich der Betrachter mit scheinbar Vertrautem konfrontiert. Solche Szenerien und solche Einstellungen kennt man aus Filmen, und die Atmosphäre latenter Bedrohung, die von jedem der in blaues Licht getauchten Orte ausgeht, ist, etwa von Hitchcock-Filmen, vertraut. Die Nacht in Bobergs neuen Arbeiten ist die „blaue Nacht“, die, entsprechend den in Hollywoods Filmstudios verwendeten Verfahren, durch die Beleuchtung der aufwendigen, modellartigen Studiokulissen mit blauen Scheinwerfern entsteht. Boberg übernimmt die ästhetische Sprache filmischer Fiktion und Illusion. Das Vertraute, das beim Betrachter unmittelbar die Erwartung einer Handlung weckt, ist das absolut Künstliche.

Zunächst stimmt alles: die Kameraeinstellung auf den typischen establishing shot, die blaue Nacht, das körnige Filmmaterial, die Tonspur, die die erwarteten Geräusche liefert.
Doch die Handlung, deren Teil die Einstellung zu sein scheint, ereignet sich nicht. Nichts rührt sich im “Wald«, nur der Nebel zieht langsam zwischen den irreal beleuchteten Baumstämmen von links nach rechts. Jede Sequenz dauert ca. 5. Minuten, beginnt aber in einem Endlosloop vom Betrachter unbemerkt immer wieder von vorne. In dieser unendlichen Einstellung ist das Bild von seiner Funktion innerhalb einer sich vollziehenden Geschichte befreit. Je länger die statische Einstellung andauert, desto größer wird die Distanz, die sich zwischen Bild und Betrachter auftut. Immer weniger identifiziert man sich mit dem was man sieht, entdeckt vielmehr Inkonsistenzen, wie die offensichtlich künstlichen Lichtquellen oder die Kulissenhaftigkeit des Raumes. Das unendliche Ausdehnen des Augenblicks, der eigentlich eine Handlung einleiten soll, legt offen, wie der illusionistische Apparat funktioniert und was er auslöst. Was Bobergs Bilder – die Filme wie die Fotografien – schließlich in Gang setzen ist die Reflexion auf die Prädispositionen unserer Wahrnehmung.

Oliver Boberg ist seit diesem Sommer in der Sammlung des Museum of Modern Art, New York, vertreten.

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