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Nusser & Baumgart

Private Galerie
 
Frank GERRITZ - Breeze of Light (13.4.2011)
 
Sidewinder, 2008
Sidewinder, 2008
  Ein Hauch von Licht reicht aus, um die Wirkung der Arbeiten von Frank Gerritz (geb. 1964) zu verändern. Die schwarzen, mit Blei- oder Ölkreidestift gezeichneten Flächen reagieren unmittelbar auf die Situation des Raumes, indem sie das einfallende Licht und jede Bewegung in sich aufnehmen. Scheinen sie auf den ersten Blick flächig und geschlossen, öffnet sich dem Betrachter je nach Standpunkt eine undefinierbare Tiefe, in der die schemenhafte Spiegelung seines Antlitzes wie ein Anker fungiert. Der Betrachter wird sich nicht nur über seine Anwesenheit im Ausstellungsraum bewusst, da ist noch etwas, das ihn auf seltsame Weise anspricht, das ihn in Bann zieht, ihn nicht nur sehen und erkennen, sondern etwas spüren lässt.

Die Galerie Nusser & Baumgart freut sich, Frank Gerritz erstmals in den Galerieräumen in der Steinheilstrasse 18 zu präsentieren. Die besonderen Lichtbedingungen unserer Räume kommen der situativen Werkkonzeption des Künstlers besonders entgegen und laden dazu ein, die präsentierten Werke zu unterschiedlichen Tageszeiten zu entdecken. Neben Arbeiten auf MDF (mit Bleistift) und auf eloxiertem Aluminium (mit Paintstick) zeigen wir eine Zeichnungsserie auf Papier und eine für das Schaffen des Künstlers besonders relevante Skulptur aus den 1980er Jahren.

Als „humanist aspect“ (menschlichen Aspekt) beschreibt Christophe Duvivier in seinem Katalogtext - für die bis zum 5. Juni 2011 laufende Einzelausstellung von Frank Gerritz im Museum Musée Tavet Delacour in Pontoise - die leibliche Erfahrung, die Gerritz mit seinen Arbeiten ermöglicht. Der Betrachter spürt eine sonderbar körperliche Anziehung zu den schwarzen Flächen, die auf der ihnen zugrundeliegenden proportionalen Gestaltung basiert. Gerritz richtet die Maße seiner Gesamt- und Teilflächen am menschlichen Körper aus. Die Linien verlaufen häufig auf Augenhöhe des Betrachters und die gebildeten Teilflächen korrespondieren oft mit der durchschnittlichen Höhe des menschlichen Kopfes.

Nicht weniger anziehend ist der auf der Materialität der changierenden Oberflächen beruhende Effekt. Gerritz ist ein Meister im Umgang mit Materialien und ihrer jeweiligen Spezifität. Breeze of Light (2010) führt die Beschaffenheit des eloxierten Aluminiums sowohl unmittelbar in den 4 mm feinen, ausgesparten Linien, als auch mittelbar über den materialen Verbund von Träger- und Zeichenmaterial (Paintstick) vor Augen. Die Eigenheit des Aluminiums kehrt er zudem durch die Betonung der Plattenstärke hervor. Indem Gerritz die Striche des Paintsticks auf den Kanten weiterführt, betont er die Dreidimensionalität des Bildträgers im Kontrast zur Zweidimensionalität der gezeichneten Materialschicht. Dabei handelt es sich um Feinarbeit - das ist offensichtlich und führt die Präzision fort, mit der der Künstler auch die Vorderseite der Aluminiumplatte bearbeitet. Strich für Strich verdichtet sich die Zeichnung zu einer das Licht mal reflektierenden, mal absorbierenden Oberfläche.

In diesen, das Betriebssystem Kunst kritisch befragenden Arbeiten verdeutlicht sich der souveräne Umgang des Künstlers mit der Kunstgeschichte. Aber Gerritz entwickelt nicht nur institutionskritische Verfahren weiter, vielmehr modifiziert er ebenso die Strategien der Konzept und Minimal Art - ganz zu schweigen von den zahlreichen Bezügen, die seine Werke zu Künstlern wie Barnett Newman oder Ad Reinhardt und zur Abstrakten Kunst im Allgemeinen eröffnen. Auch hier, im kunsthistorischen Diskurs, bleiben die Arbeiten von Frank Gerritz nicht an der Oberfläche, sondern ermöglichen ein komplexes Gefüge aus unterschiedlichsten Referenz- und Gesichtspunkten zu spannen.


Text: Anne Vieth
 
www.nusserbaumgart.com
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