Language and login selector start
Language and login selector end

Documenta11 – Plattform 5
Samstag, 8. Juni – Sonntag, 15. September 2002


Yinka Shonibare, Diary of a Victorian Dandy, 1998 courtesy Stephen Friedman Gall

Dieses Jahr findet die 11. Documenta in Kassel statt. Die Documenta ist neben der Biennale di Venezia das kulturelle Ereignis der zeitgenössischen Kunstszene in Europa. Die letzte Documenta im Jahre 1997 besuchten 631.000 Menschen.

Für jede, der alle fünf Jahre stattfindenden Documenta Ausstellungen, wird von einer Jury ein neuer Kurator bestimmt. Der diesjährige Kurator ist, der in New York lebende Okwui Enwezor. Okwui Enwezor stellte der Kunstausstellung erstmalig zeitlich und räumlich getrennte Symposien zu gesellschaftlichen Themen der Zeit (sogenannte Plattformen) voran.

Das Konzept der Konfrontation einer Kunstausstellung mit drängenden gesellschaftlichen Fragestellungen, wurde von der vorherigen Kuratorin der Documenta 10 (dX) Catherine David unter dem Motto „100 Tage – 100 Gäste“ in ähnlicher Form realisiert.

Während sich die dX im geistigen Umfeld eines ausgehenden Jahrtausends wiederfand und in der Tradition des Gründers Arnold Bode ein Resümee der Kunst der vergangen 50 Jahre beinhaltete, reflektiert Okwui Enwezor über gesellschaftliche Probleme dieser Zeit aus einer nicht westlich geprägten Sicht. Themen wie Demokratie und Staatsbürgerschaft, Wahrheitsfindung und Gewalt, Identität und kulturelle Durchmischung, Urbanität und Armut wurden in Wien, Berlin, Neu Dehli, Lagos und auf St. Lucia auf vier verschiedenen Plattformen behandelt.

Dieses Konzept und die Person Okwui Enwezor wurden bisher durchaus kontrovers diskutiert. Okwui Enwezor ist 1963 in Nigeria geboren und aufgewachsen. Mit 19 Jahren zog er in die USA. In New Jersey studierte er Politikwissenschaften und gründete 1994 mit anderen die Zeitschrift Nka: Journal of Contemporary African Art, die an der Cornell University in New York veröffentlicht wird. Er war 1997/98 künstlerischer Leiter der 2. Biennale Johannesburg in Südafrika und ist seit 1998 Ko-Kurator für zeitgenössische Kunst am Art Institute of Chicago. Okwui Enwezor hat, obwohl in Nigeria geboren, ein britisches Internat besucht und die Hälfte seines Lebens in den USA verbracht. Die Tatsache, dass Okwui Enwezor afrikanischer Herkunft ist und zeitkritische postkoloniale Themen behandelt, gibt ihm auf den ersten Anschein den Nimbus eines Vertreters der Unterprivilegierten und der afrikanischen Kunst. Diese Missdeutung seiner Person aufgrund von Rasse und Herkunft schürt bei einigen eine unerfüllte Hoffnung auf Akzeptanz, die zwangsläufig zur Diffamierungen seines Ausstellungskonzepts als getarnten Vertreter eines imperialen anglo-amerikanischen Kultur-Establishments führt.

Seine Aussage, die Anzahl der ausgestellten Künstler überschaubar halten zu wollen und die konsequente Geheimhaltung der Namensliste der beteiligten Künstler, erhebt die diesjährige Documenta zu einen spekulativen Ereignis ersten Ranges.

www.documenta.de

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.