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SCHLUSSBERICHT - Überaus erfolgreiche ART COLOGNE 1999

Ein Regen roter Punkte

Internationaler Kunstmarkt mit Optimismus ins neue Jahrtausend

Gute Stimmung. Zufriedene Gesichter. Einhellig positiv beurteilte die überwiegende Mehrzahl der 264 teilnehmenden Galerien die 33. ART COLOGNE, die am Sonntag, 14. November 1999, nach achttägiger Dauer zu Ende ging. Einschließlich Schätzungen für den letzten Messetag kamen rund 70.000 Besucher zu der inter-national beachteten Kunstschau mit Teilnehmern aus 18 Ländern.

Der Erfolg spiegelt sich, charakteristisch auch für eine Kunstmesse, an den beachtenswerten Umsätzen mit Kunstwerken eines augenscheinlich vielschichtigen und vielseitigen Angebots. Nach Jahren der Stagnation und der Zögerlichkeit „sind die Leute wieder verstärkt bereit, ihr Geld für Kunst auszugeben“, konstatierte der Düsseldorfer Galerist Hans Mayer. Die Sammler legten in ihrem Kaufverhalten erstaunlich viel Spontaneität an den Tag. Vor allem bei Entscheidungen im Hochpreis-Segment waren sie schnell gewillt, sich rare Stücke zu sichern.

So bei Inge Baecker (Köln) zwei Objekte des unlängst verstorbenen Fluxus-Artisten Wolf Vostell für jeweils einen sechsstelligen Betrag, bei Michael Werner (Köln) eine Degas-Skulptur für 100.000 DM, bei Gmurzynska (Köln) eine Picasso-Skulptur für 550.000 DM, ein Manzoni-Relief für 140.000 DM und mehrere Feininger-Blätter für je 100.000 DM, bei Karsten Greve (Köln) eine Bourgeois-Skulptur für 500.000 DM und ein Twombly-Bild für 800.000 DM, bei Hans Mayer (Düsseldorf) eine Longo-Bronze für 100.000 DM, bei Annely Juda (London) zwei Papier-
arbeiten von Matisse (180.000 DM) und Malewitsch (185.000 DM), bei Orangerie-Reinz (Köln) ein Nay-Bild für 400.000 DM, bei Michael Schultz (Berlin) ein Lüpertz-Bild für 130.000 DM, ein Leinwand-Konvolut von Helge Leiberg für 300.000 DM so-wie zwei Penck-Arbeiten zu 80.000 DM und 130.000 DM, bei Jay Jopling (London) eine Tisch-Skulptur von Damien Hirst für rund 500.000 DM, einige Bilder zwischen 180.000 DM und 240.000 DM, zwei Skulpturen von Marc Quinn für 120.000 DM und 240.000 DM, bei Vömel (Düsseldorf) eine Schneider-Skulptur für 120.000 DM, bei Thomas (München) ein Fritz Winter-Bild für 155.000 DM und ein Münter-Bild für 285.000 DM, bei Gunzenhauser (München) zwei Münter-Bilder für 100.000 DM und 165.000 DM und ein Jawlensky-Bild für 130.000 DM, bei Sacksofsky (Heidelberg) ein Itten-?ild für 215.000 DM, bei Fahnemann (Berlin) ein Knoebel-Relief für 135.000 DM, bei Davidson (New York) ein Rickey-Mobile für 220.000 DM, bei Art & Public (Genf) ein Wool-Bild für 110.000 DM.

Das Gros der Abschlüsse, in geradezu beeindruckender Häufigkeit, lag unterhalb des 100.000 DM-Limits. „Das ist derzeit der Bereich, den die Sammler als absolut risikofrei erachten,“ meint der Düsseldorfer Galerist Hans Strelow, der unverkäufliche Bilder des soeben verstorbenen Informel-Vertreters Emil Schumacher in einer wun-derbaren Zusammenstellung zeigte. Ungeklärte Nachlass-Fragen gestatten mo-mentan keine Bilder-Verkäufe. Dagegen ist Schumachers Vermächtnis, die Illustrati-on der Genesis als Edition in Siebdrucktechnik für den Markt verfügbar. Strelow setzte fünf Exemplare der Vorzugsausgabe zu je 60.000 DM und 20 signierte Exem-plare zu je 24.000 DM ab.

"Sammler machen kaum Unterschiede zwischen Gemälden und Papierarbeiten", sagt der Münchner Galerist Bernd Klüser, der auf dem Editionssektor engagiert tätig ist und kostbare Auflagen-Projekte mit Künstlern erarbeitet. "Sammler schauen auf Qualität und Signifikanz, beides wird von einem guten Künstler in jeder Art von Technik eingelöst", ergänzt Klüser. Scullys Joyce-Alben zum Stückpreis von 11.000 DM erfreuten sich bei ihm reger Nachfrage, ebenso ein Katz-Multiple für 15.000 DM, Bilder von Ryan Mendoza zwischen 12.500 DM und 13.800 DM. Klüser fand zudem Käufer für eine Cragg-Plastik (58.000 DM) und ein Sarmento-Bild (52.000 DM).

Es regnete rote Punkte fast ausnahmslos über alle Kojen der Messe. „Ich bin über-rascht über die Sammelkultur und Sammellust des rheinischen und Kölner Messepu-blikums. Das ist einmalig auf der Welt“, schwärmt der Berliner Galerist Michael Schultz. Er und seine Kollegen hatten allen Grund zur Euphorie. Die Zahlen spre-chen für sich:

Bei Schultz sechs Papier-Arbeiten von Lüpertz zwischen 4.500 DM und 28.000 DM, fünf Bilder von Cornelia Schleime von 16.000 DM bis 24.000 DM, acht Polyester-Bilder von Amador zwischen 1.600 DM und 22.500 DM; bei Guy Bärtschi (Genf) neun Objekte von Boetti zwischen 4.500 DM und 45.000 DM; bei Chosun (Seoul) drei Bilder von Park Kwang Sung zwischen 2.200 DM und 15.400 DM, eine Skulptur von Jinmo Kang für 15.000 DM; bei Onrust (Amsterdam) sechs Bilder von Fons Haagmans zwischen 8.500 DM und 16.000 DM; bei Eigen+Art (Berlin) zwei Bilder von Nicolai à 11.000 DM, vier Bilder von Neo Rauch à 7.000 DM; bei Strelow (Düs-seldorf) zwei Bilder von Tadeusz zu 24.000 DM und 42.000 DM, zwei Bilder von Horst Münch à 9.000 DM; bei Hilger (Wien) eine Papier-Arbeit für 60.000 DM, eine Hrdlicka-Skulptur für 40.000 DM; bei Löhrl (Mönchengladbach) ein Richter-Bild für 24.000 DM, eine Polke-Gouache für 46.000 DM, drei Amador-Bilder von 8.000 DM bis 9.000 DM, eine Balkenhol-Skulptur für 54.000 DM und eine Rückriem-Skulptur für 40.000 DM.

Art & Public (Genf) verkaufte eine Bleiarbeit von Förg für 55.000 DM, eine Fleury-Skulptur für 40.000 DM, einige Mori-Foto-Objekte alle um 55.000 DM; Holtmann (Köln) drei Bilder von Andre Belag zwischen 8.500 DM und 22.500 DM, zwei Roth-Blätter zwischen 24.000 DM und 36.000 DM, ein Polke-Bild für 36.000 DM, eine Beuys-Zeichnung für 55.000 DM, Förg-Gouachen für 38.000 DM, ein Spoerri-Objektkasten für 24.000 DM, Orangerie-Reinz (Köln) ein Uecker-Relief für 85.000 DM, ein Mack-Mobile für 55.000 DM, ein Piene-Bild für 58.000 DM, zwei Clément-Reliefs zwischen 9.000 DM und 24.000 DM, mehrere Braque-Blätter zwischen 10.000 DM und 30.000 DM; Galleria Continua (San Gimignano) drei Bilder von Ma-nuela Sedmach à 12.000 DM, drei Sense-Zeichnungen zwischen 10.200 DM und 25.000 DM; Sacksofsky (Heidelberg) fünf Itten-Blätter zwischen 19.000 DM und 36.000 DM.

Fahnemann (Berlin) veräußerte ein Knoebel-Relief für 40.000 DM, ein Förg-Bild für 75.000 DM, fünfzehn Grafik-Mappen von Knoebel à 5.500 DM, sechs Bilder von Ni-cola Stäglich à 4.500 DM; Mark Müller (Zürich) ein Zoderer-Relief für 20.500 DM, ein Marioni-Bild für 70.000 DM, Daniel Buchholz (Köln) zwei Genzken-Skulpturen zwi-schen 35.000 DM und 45.000 DM, ein Peyton-Bild für 24.000 DM; Michael Werner (Köln) mehrere Zeichnungen von Lüpertz, Immendorff, Baselitz, Kirkeby zwischen 8.000 DM und 38.000 DM, ein Penck-Bild für 20.000 DM; Karsten Greve (Köln) acht Schmersal-Bilder à 15.000 DM, zwei Ikemura-Blätter à 3.000 DM, mehrere Grou-mellec-Bilder zwischen 4.000 DM und 20.000 DM; Meyer-Ellinger (Frankfurt) eine Rinke-Zeichnung für 80.000 DM, ein Antes-Bild für 24.000 DM, eine Serra-Grafik für 17.000 DM, eine Marden-Zeichnung für 45.000 DM, eine Chillida-Gouache für 46.000 DM.
Als Verkaufsclou erwiesen sich die in der Abteilung „Köln Skulptur“ platzierten Expo-nate. „Diese Schau gibt dem Medium Skulptur noch einmal einen kräftigen Schub,“ kommentierte Heike Curtze (Wien) diese seit vergangenem Jahr mit großer Reso-nanz erprobte Idee. Curtze hatte mit sechs Skulpturen (4.500 DM bis 12.000 DM) von Paul Wallach Erfolg bei Sammlern. Ähnlichen starken Widerhall fanden auch andere Bildhauer mit ihren Werken: Armando mit drei Skulpturen (11.000 DM bis 32.000 DM) bei Willy Schoots, Eindhoven; Nicolas Dings mit zwölf Skulpturen (2.500 DM bis 15.000 DM) bei de Vreeze und Living Stone, Amsterdam-Den Haag; Yoshihi-sa Sankawa mit fünf Wandarbeiten (3.500 DM bis 75.000 DM) bei Peter Zimmer-mann, Mannheim; Manuel Sanoja mit drei Skulpturen bei Félix, Caracas; Peer Ve-neman mit einer Skulptur (25.000 DM) bei Onrust, Amsterdam; Klaus Geldmacher mit zwei Licht-Skulpturen (8.500 DM bis 9.000 DM) bei Leuchter und Peltzer, Düs-seldorf; Horst Antes mit vier Boden-Skulpturen (9.000 DM bis 120.000 DM) bei
Orangerie-Reinz, Köln.

Einen breiten Raum nahmen Fotografien auf der ART COLOGNE ein. Einer ihrer engagiertesten Vertreter, der Berliner Galerist Bodo Niemann, gleichermaßen Für-sprecher der klassischen als auch zeitgenössischen jungen Fotografie: „In diesem Medium kann jeder preiswert einsteigen. Und ich merke es an den vielen jungen Käufern, die sich dafür begeistern. Für die klassischen Blätter sind die Leute bereit, maximal 10.000 DM auszugeben. Darüber hinaus gibt es in Deutschland keine Sammler.“ Innerhalb dieses Segments lief bei Niemann das Geschäft wie ge-schmiert: Konvolute von Herbert Tobias (3.000 DM bis 6.500 DM), Mona Kuhn (1.400 DM), Zoltan Jokay (1.500 DM) oder Jock Sturges (1.900 DM) fanden Interes-senten.

Bei Lothar Albrecht (Frankfurt) waren Blätter von Tracey Moffatt (12.000 DM bis 15.000 DM) die Renner. Dazu verkaufte er in renommierte hiesige und ausländische Kollektionen Fotografien von Oliver Boberg (1.750 DM bis 10.750 DM) und von Ha-takeyama (8.500 DM je Blatt). Bei Galleria Continua (San Gimignano) waren Farb-Fotografien von Loris Cecchini (8.000 DM) gefragt, bei Mai 36 (Zürich) mehrere Fo-tos von Harald F. Müller (à 14.500 DM), bei Daniel Buchholz zehn Fotos von Wolf-gang Tillmans (1.800 DM bis 4.000 DM), bei Stefan Röpke zwei Schwarz-Weiß-Stilleben von Robert Mapplethorpe (18.000 DM bis 30.000 DM).

Die ART COLOGNE 2000 findet von Sonntag, 5. November, bis Sonntag 12. November statt.

© Presseteam ART COLOGNE der KölnMesse
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