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Die fernöstliche Welt zeigt uns die Richtung: Fokus Japan


Chihiros Reise ins Zauberland, Hayao Miyazaki

Japan, ein Land mit einer aussergewöhnlichen Gesellschaft und Bräuchen, dass sich seit mehr als ein Jahrhundert basierend auf das abendländische Weltbild modernisiert, hat seinen eigenen umfassenden Stil. Die japanische Kultur begeistert mehr und mehr, da sie einzigartig ist. Unter Mitwirkung der verschiedenen künstlerischen Stilmittel will das Land für seine wahre Natur anerkannt und nicht, wie in der Vergangenheit üblich, mit Stereotypen bedacht werden.
Der enorme Erfolg sowie der weltumspannende Export von «Chihiros Reise ins Zauberland» und anderen animierten Filmen von Miyazaki ist nur eine Konsequenz der bahnbrechenden Darbietung, die den Zuschauer in blankes Erstaunen versetzt. Aber die Fotografie, die Malerei, Grafik und Architektur sind ebenfalls nicht vergessen.

Auf der Website www. how-to-bow.com (siehe Link am Ende des Artikels) von Nora Krug wurden realitätsnahe Lektionen, illustriert durch amüsante Animationen, dargestellt, um den Japanophilen die Möglichkeit der Kontaktaufnahme in Arbeits- oder Privatbeziehungen mit Heiterkeit und Wissen zu begegnen. Diese Web Seite bietet damit ein essenzielles Werkzeug, um der vermehrt in Erscheinung tretenden japanischen Kultur zu begegnen.

Der Welterfolg des animierten Films

Die populärste Form des künstlerischen Ausdrucks, und wahrscheinlich bei Kindern und Erwachsenen die Eingängigste, ist zweifellos der animierte Film, der ein Symbol des japanischen Know-How darstellt. Der animierte Film wurde in den 50er Jahren geschaffen, entwickelte sich weiter und erneuerte seinen Stil in den 80ern mit Filmen wie «Akira» von Katsuhiro Otomo, der eine ganze Generation beeinflusste, «Ghost in the Shell» von Mamoru Oshii und «Die letzten Glühwürmchen» von Isao Takahata welche alle visuelle Gemeinsamkeiten aufweisen. 1997 wurde der Erfolg des japanischen animierten Films durch die amerikanischen Abendkassen bestätigt und konkurriert direkt mit den Disney Studios.
Aber warum hat der japanische animierte Film einen solchen Erfolg erfahren? Erstens, die Japaner haben ein neues Genre erfunden, dass sich als komplizierter und reicher als das der amerikanischen Produktionen herausstellt. Die Themen haben wirklichen Tiefgang und sind originell. In «Mononoke-Hime» (in Deutschland bekannt als Prinzessin Mononoke/ Hayao Miyazaki) wird der Konflikt zwischen der Natur und der Menschheit behandelt während in «Sen to Chihiro no kamikakushi» (in Deutschland bekannt als Chihiros Reise ins Zauberland / Hayao Miyazaki) die geistig intellektuelle Bildung eines kleinen Mädchen zum Ausdruck gebracht wird. Darüber hinaus ist die künstlerische Dimension aussergewöhnlich. Die Illustrationen basieren zur Freude der Betrachter auf eine ungewöhnliche Detailfülle und Subtilität.
In letzter Zeit sind Probleme aufgetaucht, die die Studios mit unbarmherzigen Wettbewerb und schmalen Budgets konfrontieren. Diese Entwicklung könnte die künstlerische Entwicklung und neue Talente behindern. Wie es auch sei, der animierte Film erhält seine Qualität und damit die Anerkennung des weltweiten Publikums aufrecht.

Zeitgenössische Kunst: Eine langsame Entwicklung aber eine zuverlässige Qualität

Die zeitgenössische Kunst ist nicht so populär wie der animierte Film aber nichts desto trotz von hoher Qualität und langsamer Entwicklung. In dieser Kunst können wir verschiedene Genres und verschiedene Techniken (Fotografie, Grafik, Skulptur) ausmachen. Die angewandte Technik reflektiert die Sichtweise des Künstlers auf die Welt, seine Gedanken über Form sagt mehr als der Inhalt an sich. Zum Beispiel Takashi Murakamis Zeichnungen werden als „flach“ oder „superflach“ bezeichnet. Diese Bezeichnung stammt von der von ihm benutzen Technik ab: er bearbeitet seine Leinwand zuerst mit Hilfe eines Computers auf der er zwei Dimensionen simplifizierter farbenfroher und dickumrandeter Formen aufträgt. Superflach evoziert andere Verflachungen oder Auslassung, so wie die Unschärfe existierender Grenzen zwischen etablierter Kunstgattungen und zwischen der Massen- und der Hochkultur. Der japanische Künstler Kyoichi Tsuzuki nutzt die Fotografie, um mit sozialen Modellen in Berührung zu kommen. In seiner letzten Ausstellung im Centre National de la Photographie in Paris präsentiert er urbanes Leben in Tokio und im Besonderen seine Modeopfer in einer Art Werbefotografie betitelt mit den Namen großer Luxusmarkenartikel. In derselben Art und Weise studiert der Künstler Ryuji Miyamoto japanische Realität. Mit einer Serie von Fotografien machte er eine großartige Dokumentation des Erdbebens in Kobe von 1995.
Die Erstellung zeitgenössischer Kunst hat verschiedene Intentionen zur Folge: Hiro Yamagata fokussiert auf die Technik wie auf die Physik. Mittels eines Lasers als Mittel zur Expression sucht er nach Möglichkeiten der Expression – immerwährend suchend nach einer neuen Technik zum experimentieren. Konsequenterweise ist seine Absicht die Wissenschaft an sich. Dadurch haben seine Werke sich zum Ziel gesetzt eine neue Technik, die oft futuristisch ist, zu präsentieren. Derzeit ist im Hafen von Yokohama eine Installation von haushohen mit holiografischer Folie bestanter Kuben zu bestaunen (siehe auch www.hiroyamagata.com). Im Gegensatz zu Yamagata, der die moderne Gesellschaft bejaht, kritisiert der japanische Fotograf Tsuzuki die heutige Gesellschaft in scharfer Weise. Der Fotograf ist durch den untypischen Lebensstil von Modeopfern, der durch die Konsumgesellschaft diktiert wird, erstaunt und erschreckt zugleich. Für den Künstler sind Konsum und Sklaverei zugleich getrennte und gemischte Begriffe.

Japanische Pop Art

Das auftreten japanischer Pop Art ist eine signifikante Entwicklung der allgemeinen Kunstszene. Sie steht für die Unschuld, Angst, Wut , das Erstaunen und all die dazwischen liegenden Aspekte. Diese Form der Kunst ist in der ganzen Welt bekannt. Der bekannteste Künstler dieser Pop Art Bewegung sind Yoshimoto Nara und Takashi Murakami. Beide finden Ihre Inspiration in der Manga Kultur.

Naras Zeichnungen haben manchmal einen bitteren Nachgeschmack, sind verrückt und zeigen eine deliriöse Seite der japanischen Pop Art. Sie reflektieren die ganze Breite der Emotionen wie Angst, Schrecken, Unsicherheit, Freude und Vertrauen. Die Charaktere kommen aus einer traumgleichen Welt in der Kinder den Betrachter mit einem aggressiven Blick und Tiere den Betrachter mit einem zärtlichen Blick provozieren. Wenn Naras Arbeiten betrachtet werden, erwecken sie die Kindheit des Betrachters sowie dessen Bedenken als Erwachsenen. Durch Bilder, die vielleicht naiv erscheinen, transportiert der Künstler eine dunkle schmerzliche Seite des Lebens, die unseren Verstand und Gefühle durcheinanderwirbeln. Dennoch appelliert der Künstler durch Hoffnung an eine optimistische Seite. Andererseits erhält Murakami seine Inspiration durch die traditionelle und populäre Kultur, um deren Einfluss auf das heutige Leben zu analysieren. Er betont die wundervolle und süsse Welt der Kindheit und ihr Einfluss auf die Kunstszene. Seine Leinwände sind bunt koloriert und entbehren vorsätzlich den inneren Gehalt der Figur und sind damit qualifiziert als „Superflach“.
Japanische Pop Art ist durch Themen aus der Mangawelt wie zum Beispiel "Kindheit plus einem Schuss Ironie" charakterisiert

Zeitgenössische Kunst aus Japan: ein nicht geschenktes Geschenk

Obwohl es keinen Zweifel an der Qualität der japanischen Künstler gibt entwickelt sich die zeitgenössische japanische Kunst eher langsam. Gewiss ermangelt es dem Land an spezialisierten Strukturen, um Kunstwerke zirkulieren zu lassen. Die Verteilung der Kunst wird konsequent im privatwirtschaftlichen Feld vorgenommen dadurch wird die Organisation grosser Ausstellungen verhindert. Es gibt nur einige wenige private und institutionelle Förderer und ihre Mittel sind verständlicherweise beschränkt. Als Konsequenz wird die japanische Kunst weitestgehend von fremden Ländern gefördert. Trotzdem gibt es zur Zeit auch andere Strukturen, wie zum Beispiel das Artist-in-Residence (AIR) Projekt. Das AIR unterstützt künstlerische Aktivität durch eine materielle Unterstützung zur Realisierung von Projekten. Beheimatet in den Aussenbezirken von Tokio hat sich AIR zum Ziel gesetzt, die Kommunikation zwischen Künstlern verschiedener Nationen und zwischen Künstlern und der lokalen Population zu verbessern. Das AIR Projekt wurde 2001 gegründet und hat bereits die japanische Produktion stimuliert. Obwohl die Strukturen sich nur langsam verändern, gibt die japanische Gesellschaft der japanischen Kunst die Möglichkeit sich rasant zu entwickeln. In einem Umfeld, dass feindlich seiner eigenen Kunst gegenüber steht, entdecken wir eine sich verändernde Gesellschaft, die von einer starren Trägheit weit entfernt ist.



Text by: Johanna Eschbach

johanna@artfacts.net

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