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RON MUECK ODER WIE EIN HANDWERK KUNST WERDEN KANN




Work in progress from 'Untitled (Mask IIt)', 2002, Ron Mueck.

© Ron Mueck, Courtesy Anthony d'Offay, London


Man braucht nur ein paar Minuten im Internet zu suchen, denn sobald man auf "Ron Mueck" geklickt hat, wird jede Suchmaschine das gleiche Ergebnis produzieren: Tausende von Dokumenten. Braucht man ihn dann noch vorzustellen? Er ist Australier mit deutschen Eltern, verreiste in die U.S.A., ließ sich in London nieder, hatte im wahrsten Sinne des Wortes nichts mit Kunst zu tun. Sein Lebenslauf ist geprägt von wichtigen Erfahrungen im Fernsehen für Kinder. Er realisierte spezial Effekte für Filme und Werbung. Er beherrschte die Nutzung von Silikon und Acryl. Diese Technik ist für ihn nicht neu sondern ein Handwerk, dass er schon bei Filmen wie ´The storyteller` und ´Labyrinth` von Jim Henson anwendete. Er entschied sich möglicherweise zwischen 1996 und 1997 seine Fähigkeiten irgendwo anders zu verwenden. 1997 schlug er durch die Teilnahme an den Ausstellungen ´Sensations: Works of art from the Saatchi Collection` in der Royal Accademy in London und im Hamburger Bahnhof in Berlin in die Kunstwelt wie eine Bombe ein. Seine aktuelle Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof schickt das Publikum zurück in seine alte Filmwelt mit figürlichen Skulpturen, denen es nur an dem Atem des Lebens fehlt. Ist das alles? Reicht es aus nur Kunsthandwerk in höchster Qualität als Kunst zu erstellen, um so gemischte aber immer eindeutige Reaktionen vieler Besucher hervorzurufen? Wir glauben, da ist mehr als reine Realität mit ihren rohen Imperfektionen (Pickeln, unangenehme Haare, schlecht geschnittene Nägel und kaputte Adern), was in diesen menschlichen Körpern so real aussieht. Alle diese fast lebendigen Skulpturen sind verletzbar. Und nicht wegen aller diesen Imperfektionen, sondern weil sie private Momente darstellen, in denen sich jeder im Mittelpunkt stehende, schämen oder peinlich vorkommen würde. Schwangerschaft in ihrer letzten geschwollenen Phase, Nackheit oder die Entdeckung des eigenen Körpers vor dem Spiegel beim Altern. Mueck könnte die Figuren sehr einfach verletzen. Aber er tut es nicht. Er beschützt sie mit ihrer eigenen Würde und Integrität. Schockieren, beleidigen, verletzen ist irgendwie einfach. Menschen (sogar wenn sie, wie in diesem Fall, dank eines fruchtbaren Geistes nur fiktiv sind) in solchen Momenten und in so einer delikaten Weise zu behandeln, ist schwierig.





Rineke Dijkstra, Forte de Casa, May 20, 2000
Courtesy Rineke Dijkstra und Marian Goodman Gallery, New York
© Rineke Dijkstra



Während des Besuchs der Ausstellung und mit allen diesen Information im Kopf, wagten wir uns an die Photos von der holländischen Fotografin Rineke Dijkstra zu denken. Sie fotografierte Leute gleich nach aufwühlenden Momenten (Stierkämpfer nach ihrem Auftritt, Frauen mit ihrem Babies nach der Geburt). Die Herstellungsweise der Kunstwerke hätte nicht unterschiedlicher sein können: Dijkstra macht Fotos (Herstellungszeit etwa eine Mikrosekunde), Mueck macht Skulpturen (eindeutig ein längerer Prozess). Sogar das Objekt des Diskurses ist total anders: sie fotografiert lebendige Menschen, er denkt sich seine eigenen Menschen aus. Dennoch, die Art und Weise in der sie sich den Menschen in ihren privaten, heiklen Momenten annähern und Kunst daraus machen hat die gleiche nicht zu übersehende und unbestreitbare Intensität.


RON MUECK, vom 10. September bis 2. November 2003. Hamburger Bahnhof, Berlin (Deutschland)


(für Rineke Dijkstra)
-Girls Night Out-, vom 14. September 2003 bis 25. Januar 2004. Orange County Museum of Art, New Port Beach, CA (USA)
-Cruel and Tender: The Real in the 20th-Century Photographs-, vom 6. Dezember 2003 bis 18. Februar 2004. Ludwig Museum, Köln (Deutschland)


www.hamburgerbahnhof.de
www.dehallen.com
www.ocma.net
www.museenkoeln.de/ludwig


Text: M. Cecchinato

E-mail: micaela@artfacts.net

(27.10.2003)

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