Language and login selector start
Language and login selector end

Glänzende Billiardkugeln und alles über Christie




Yellow Curve, Cedric Christie, courtesy Rocket Gallery


Artfacts.Net traf Cedric Christie zum ersten Mal auf dem Art Forum in Berlin. Er war dort, als ausstellender Künstler der Rocket Gallery mit Sitz in London. Schon damals beeindruckte uns sofort sein beruflicher Hintergrund und die Kunst, die daraus geworden ist. Während der Frieze Art Fair in London, hielten wir es für eine gute Idee, uns mit ihm und der Galerie in Verbindung zu setzen. Offen gestanden erwarteten wir nicht so einen warmen Empfang vom Künstler selbst.
Cedric Christie wurde 1962 in London geboren und lebt noch da. Sein Arbeitsplatz befindet sich in Hackney, genauer gesagt im unteren Teil, ungefähr in Hoxton. Der Bezirk begann vor ein paar Jahren ein „hot spot“ für Künstler zu werden. Dennoch ist diese Vorstellung eines Christies in Hoxton irreführend. Man würde es sich einfach machen, wenn man meint, dass Christie sich schon immer nach dem Rummel gesehnt hat, aber es ist nicht der Fall.
Christie war ein Schweißer, der sich auch mit Autos befasste und fühlte sich wohl damit. Nur jemand, der sich so viele Jahre in diesem Gewerbe aufgehalten hat, kann gründlich verstehen, was einen Kunden zufrieden stellt: nämlich nur eine völlig perfekte Arbeit. Aus diesem Grund sollte es niemanden überraschen, dass er, bei einer der Touren mit seiner Freundin durch die Kunstausstellungen in Hoxton, eine schlechte Metallschweißarbeit in einer Café-Galerie entdeckte. Plötzlich funkte etwas bei ihm und er begann sofort Hand ans Werk zu legen.





Station of the Cross (installation), Cedric Christie, photo by Jonathan Stephenson, courtesy Rocket Gallery


Die Ergebnisse seiner Perfektion sind jetzt schon in der internationalen Kunstszene ziemlich bekannt. Snookerkugelskulpturen, monochrome Porträts auf Aluminium, Backsteine mit eingravierten Sätzen, Gerüststangen kombiniert mit Schraubzwingen gehören zu seiner Kunstwerken. Er benutzt Materialien, die viel mit seinem vorherigen Beschäftigung zu tun haben. Er spielt in geschickter Weise mit ihren Formen, sucht intensive Farben für sie aus, kombiniert sie sorgfältig zusammen, um außerordentlich kräftige abstrakte Objekte zu schaffen. Sie sind alle geistreiche Werke, die vielleicht seine Haltung zur Kunstwelt darstellen, eine Welt, die erst neulich seiner eigenen geworden ist.
Freundlicherweise zeigte er uns sein ruhiges Atelier. Dort fanden wir seine alten Werke und einige, die seine neuen sind. Manche seiner Neoninstallationen zogen unsere Aufmerksamkeit an sich. Sie erinnerten uns an einigen Kunstwerke Dan Flavins. Dennoch während Flavin direkt mit den Glühbirnen beim Anmalen und Einschalten spielte, können die Neonlichter Christies nicht eingeschaltet werden und es ist auch nur die Fassung bemalt worden. Wir fragten ihn, wie kann er weiterhin eigenständige Kunst machen, wenn jeder Journalist ihm mit irgendwelchem Künstler vergleicht. Er antwortete, er versucht so viele Ausstellungen wie möglich zu besuchen, nicht nur um zu wissen, sondern um zu lernen.





Station of the Cross (installation, detail), Cedric Christie, photo by Jonathan Stephenson, courtesy Rocket Gallery


Er führte uns dann zu seinem ’Raum zum Denken’. Dieser Raum ist eine typische, englische Kirche aus großen, hellen Backsteinen und dunklen Ecken – wegen der Verschmutzung und Feuchtigkeit in London. Christie gab uns die Gelegenheit einzutreten, weil er über den Schlüssel verfügte. Als das Haupttor geöffnet wurde, hießen Kreuze uns willkommen. Fast so groß wie ein Mensch und aus glänzenden Snookerkugeln, hängten sie an der ganzen Umfassungsmauern der Kirche. Sie haben durch das besondere Farbspiel ein eigenes Tempo. Die Metallkreuze sind mit vielen weissen und vier roten Kugeln gefüllt. Bei jedem neuen Kreuz rutschen die roten Kugeln von innen nach aussen um eine Position weiter. Das ’Kreuztempo’ findet beim letzten völlig rotem Kreuz ein abruptes Ende. Es war unnötig danach zu fragen, die Installation gehört natürlich ihm. Er hatte große Pläne für sie, aber es gelang ihm nur in St. Peter´s Kirche, de beauvoir (Rd. Hackney), die Kreuze zu montieren. Die Kirchengemeinde konnte nicht für die Installation bezahlen, was ihm scheinbar überhaupt nicht stört. Für Christie wäre es die größe Belohnung -in ein paar Jahren-, auch seinen Kinder diesen Schlüssel zu geben.
Unser Tag mit Cedric Christie war fast vorbei. Wir trauten uns, ihn eine letzte und harte Frage zu stellen: was wäre, wenn die Kunstwelt kein Interesse mehr an seinen Werken hätte? Offenbar war sie ihm leicht zu beantworten. Er würde einfach zu seinem alten Beruf zurückkehren, als Schweißer.

www.rocketgallery.com

Text: M. Cecchinato
E-mail: micaela@artfacts.net
Translation: Patricia Blasco
E-mail: patricia@artfacts.net
  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.