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Alternative Ausstellungsarten




Maha Maamouns Werk an der Busseite, courtesy "Going Places"


Zwei Projekte mit unterschiedlichen Hintergründen aber mit einem bemerkenswerten gemeinsamen Merkmal: nämlich die besondere Art, Kunst vor dem Publikum nahe zu bringen. Beide Ausstellungen spielen mit der sich schnell ausgebreiteten Vorstellung eines weißen Kubus, der im 21. Jahrhundert zu einem Nicht-Ort zwischen normalen Menschen wird, in öffentliche Räumlichkeiten eindringt und endlich frei von physischen Wänden ist.
Das erste Projekt kommt aus Ägypten und findet vom Oktober 2003 bis März 2004 auf den Nahverkehrbussen in Kairo statt. Die Idee ist sehr einfach. Es geht darum, Kunstwerke an den in der Regel für Werbung freigehaltenen Seiten öffentlicher Busse auszustellen. Weshalb? Um durch die Kunst eine ironische Tendenz anzuprangern, die mittlerweile in der ägyptischen Hauptstadt zur traurigen Gewohnheit geworden ist: Die öffentlichen Räume sind von firmen und institutionalisierten Kräften okkupiert, und der einzige Weg zur Nutzung öffentlicher Räume ist durch das Private. Der Titel des Projekts lautet „Going places: a project for publich buses“.





Maha Maamoun, das Mugamma, courtesy "Going Places"

Die vier jungen Künstler, die in Kairo leben und am Projekt teilnehmen, haben zweidimensionale Werke ausgestellt, die einfach nicht unbemerkbar bleiben können. Für das Projekt hat Iman Issa mit Werbung gearbeitet (und damit, wie diese neue, irreleitende und opulente Werte erzeugt), indem er mit dem Computer ein fiktives Gebäude in vermeintlich paradiesischer Umgebung geschaffen hat. Hassan Khan hat einen unbekannten, gemeinen Mann porträtiert, der das Publikum stört, einfach weil er es ernst anschaut. An einem gewöhnlichen Ort wirkt der Unbekannte plötzlich außergewöhnlich, und aus diesem Ort, wo die Kommunikation immer nur in eine Richtung funktioniert (von den Werbespots zu den möglichen Verbrauchern), scheint er zur Wechselwirkung einzuladen. Maha Maamoun hat das Mugamma, ein in Kairo wohl bekanntes, imposantes Gebäude aus der sozialistischen Zeit fotografiert, und es mit digitalen Techniken so sehr manipuliert, dass ein monströses, extrem großes Gebäude entsteht, das in der Umgebung keinen Platz für etwas anderes lässt, nicht einmal mehr für den Himmel. Gerade im grauen Himmel schwebt die von Basim Bagdy fotografierte Montgolfiere, die die Botschaft trägt „Superman wird uns retten“.

Das zweite Projekt wird von dem Museum in Progress, einem privaten Kunstverein ausgeführt. Dieser Kunstverein wurde 1990 in Österreich mit dem Ziel gegründet, „neue Forme für die Darstellung von zeitgenossischer Kunst zu schaffen“. Der Verein stellt sich als eine flexible Organisation vor, die darauf abzielt, zeitgenossische Kunst in das alltägliche Leben einzubeziehen. Die unumgängliche Bedingung für die Erzielung dieses Vereinszweckes besteht in der Unabhängigkeit von künstlerischen Entscheidungen. Der Verein hat bereits mehrere Projekte vollgezogen, die die unterschiedlichsten Künstler involviert und sich deswegen als extrem interessant erwiesen haben.





Thomas Bayrle, ´Safety Curtain` 6, courtesy Museum in Progress

Das letzte Projekt des Vereins heißt „Safety Curtain“ und beschränkt sich auf den Bühnenvorhang des Wiener Opernhaus. Das Projekt hat 1998 begonnen und sollte bis zur Saison 2007-2008 laufen. Der aktuelle Vorhang, 176 qm groß, wird vorübergehend als Ausstellungsort für zeitgenossische Kunst benutzt. Eine internationale Jury (Daniel Birnbaum, Akiko Miyake, Hans Ulrich Obrist) wählt die besten Vorschläge aus. Es gab bereits fünf Vorhänge, jeweils von Kara Walker, Christine und Irene Hohenbüchler, Matthew Barney, Richard Hamilton und Giulio Paolini. Der letzte wurde von dem deutschen Künstler Thomas Bayrle gestaltet, welcher den ganzen Vorhang mit der schwarz-weiß Luftaufnahme einer Stadt in Anspruch genommen hat. Darauf zu sehen sind anonyme Straßen, Wagen, Gebäude, Kreuzungen, die in langweiliger Sequenz nacheinander folgen. Aus der Stadt heraus taucht das überdimensionierte Bild von einem Christus auf, der den klassischen Darstellungen zufolge am Kreuz hängt. Wenig klassisch ist aber seine Haut, die aus kleinen, sich wiederholenden Details der Stadt selbst besteht und den Eindruck weckt, Christus sei nichts weiteres als die bloße Wiederspiegelung des Hintergrunds. Der einzige Vorwand gegen das Projekt besteht nur darin, dass man eine teuere Eintrittskarte bezahlen muss, um es sehen zu können.

www.cairobus.com (für´Going Places`)
www-mip.at/en/werke/589.html (für ´Safety Curtain`)

Text: M. Cecchinato
E-mail: micaela@artfacts.net
Übersetzung: Viviana Chilese
E-mail: viviana@artfacts.net
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