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Die Sydney Biennale - Mein Körper ist mein Haus

Isabel Carlos ist die Kuratorin der Sydney Biennale, welche dieses Jahr unter dem Thema Verstand und Gefühl (Reason and Emotion) veranstaltet wurde. Die Sydney Biennale basiert auf der Arbeit des portugiesischen Neurowissenschaftler Antonio Damasio. Laut Damasio sind Gefühle, Emotionen und Vernunft miteinander verbunden und untrennbar; Körper und Seele beeinflussen sich gegenseitig. Das Zitat der Künstlerin Lygia Clark "mein Körper ist mein Haus" fasst die Vorstellung der Biennale zusammen.



Jimmie Durham Still Life with Stone and Car (maquette), 2004. Car, granite boulder, acrylic paint

Verstand und Gefühl sind keine neuen Wörter oder Ausdrücke, sie sind mit dem postmodernen Denken verbunden. Das postmoderne Denken interpretiert den kartesischen Satz "ich denke, also bin ich" ( cogito ergo sum) in "ich fühle, also bin ich" wieder. Dieser Satz sieht den Körper, die Gefühle und die sensorischen Wahrnehmungen als eine Art Wissen und Lehre an.
Die Künste basieren seit langem auf Wahrnehmung und Emotion. Der Romantismus vom Sturm und Drang, die Eindrücke von Vincent Van Gogh in seinen Briefen an seinem Bruder Theo und die Fotos von Henri Cartier-Bresson über rituelle Tänze in Bali sind einige Beispiele davon. Laut postmodernem Denken gestalten Körper und Geist eine Wissenseinheit. Das Thema der Biennale aktualisiert es erneut und geht über die üblichen künstlerischen Grenzen hinaus. Die Ausstellung ist interessant und attraktiv dadurch, dass das Publikum sich mit den Kunstwerken zusammensetzen kann und aktiv teilnimmt.
Die Kuratorin bietet uns eine gewagte Ausstellung, auf welcher 51 junge Künstler aus 32 Ländern, unter anderen Jimmie Durham, Frank Thiel, die russische Gruppe AES+F, Susan Norrie, Bruce Nauman, Helen Almeida, Mario Rizzi, die Brüder MP&MP Rosado und Javier Téllez ausgestellt sind.



Javier Téllez Renée Falconetti as Joan D'Arc. Film still from Carl Th Dreyer's La passion de Jeanne D'Arc, 1927-1928

Körper und Wahrnehmung sind die Basis dessen, was man unter Verstand und Gefühl versteht. Eines der repräsentativsten Kunstwerken ist die Arbeit vom Venezuelaner Javier Téllez. Der Künstler fasst die Idee der Biennale mit La Passion De Jeanne d´Arc zusammen. Das Video ist vom Film von Carl Theodor Dreyer über Jeanne d'Arc inspiriert und ist eine intensive Vertiefung in die Welt der geistig Behinderten vom Rozelle Krankenhaus. Der Künstler übersetzt die von den Patienten empfundene mystische Erfahrung der Leidenschaft. Parallel dazu wird ein schwarz-weiß Stummfilm von Dreyer gezeigt, der mit den Stimmen und Bewegungen der Patienten kontrastiert, und das Publikum fast sprachlos lässt. Téllez studiert den Link zwischen geistiger Krankheit und Kunst. Seine Arbeit hat die Psychiatrie als Basiselement und prüft eingehend was er als äquivalent zwischen einer psychiatrischen Institution und einem Museum versteht.
Ein Beispiel, in welchem der Körper eine Basis für die Übertragung von Gefühlen darstellt, ist die Arbeit der portugiesischen Künstlerin Helena Almeida. Wie die kubanische Künstlerin Ana Mendieta, Almeida benutzt den Körper als Arbeitsmaterial. Sie kreiert eine Fotoserie als Sequenz und gibt den Eindruck einer Bewegung oder einer Performanz. Das Verhältnis zu den Farben betont die Wahrnehmung und fasziniert durch seine Einfachheit und Tiefsinnigkeit.



Mario Rizzi Untitled from, The Sofa of Jung, 2004

Der Italienische Künstler Mario Rizzi und seine Toneinrichtungen The Sofa of Jung beschäftigen sich eingehend mit dem Thema der Leidenschaft. Die Kunstwerke wurden speziell für die Eröffnung der Biennale kreiert. Rizzi hat das Studio des Psychiaters Carl Jung in zwei Räumen mit zwei verschiedenen Atmosphären neu gestaltet. Wörter aus dem Tagebuch von Sabina Spielrein, die eine Patientin von Jung war, sind Teil dieser Toneinrichtungen.
Die Ausstellung findet in mehreren Orten statt: die Art Gallery of New South Wales, das Museum of Contemporary Art, Artspace, das Museum of Sydney, die Royal Botanic Gardens, Sydney; und das Sydney Opera House, wo man die für die Eröffnung bestellte Performanzskulptur von Jimmie Durham Still Life with Stone and Car bewundern kann. Viele Programme sind für das Publikum geplant: Filme, Performances, Künstlergespräche und Konferenzen.
Der zukünftige Kurator der nächsten Sydney Biennale ist schon bekannt. Es handelt sich um Charles Merewether. Bisher hat er schon mehr als 20 wichtige Events in Europa, den Vereinigten Staaten, Latein Amerika und Australien organisiert. Sein letztes Buch Conditions of Uncertainty wurde kürzlich veröffentlicht. Im Moment leitet er eine Ausstellung über Japanische Kunst von 1951 bis 1970 im Getty Center in USA. Dies ist eine gute Gelegenheit, sich nicht nur Kängurus und schöne natürliche Landschaft anzuschauen, sondern auch zeitgenössische Kunst von hohem Niveau zu genießen.

Sydney Biennale: 4. Juni - 15. August 2004

www.biennaleofsydney.com.au

Text: Katerina Valdivia Bruch
E-Mail: katty@artfacts.net
Übersetzung: Karin zum Winkel
E-Mail: karin@artfacts.net
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