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Das Dalí-Jahr: ein offener Blick darauf

Am 11. Mai, vor 100 Jahren, wurde einer der größten Surrealisten - Salvador Dalí - in Figueras (Katalonien, Spanien)geboren. Am Anfang seiner künstlerischen Karriere war er aktiv an der Modernisierung der spanischen Kunst beteiligt. In seinem eigenen Land wurde er schnell zu einer bekannten Avantgarde-Persönlichkeit und zusammen mit seinem Freund, dem Dichter und Dramatiker García Lorca, begann er das Fundament für den Surrealismus in Spanien in beiden Bereichen, Kunst und Literatur, zu bilden. Es war aber letztendlich in Paris und dank seiner Zugehörigkeit zu der surrealistischen Gruppe, die von dem Schriftsteller André Breton angeführt wurde, dass Dali in den Genuss von immer weiter anwachsendem internationalem Ruhm kam. Ausgestattet mit einer außergewöhnlichen Technik, einer Vorstellungskraft wie im Delirium und einem grenzenlosen Verlangen nach Provokation, war Dali eher eine kontroverse Persönlichkeit, die jedoch ein künstlerisches Erbe von unanfechtbarem Wert hinterlassen hat. Obwohl seine wilde Kreativität in vielen verschieden Bereichen und mit beachtlicher Begabung Ausdruck gefunden hat, blieb die Malerei dennoch der wichtigste Bereich seines künstlerischen Schaffens, der alles andere in den Schatten stellte.
Zum Gedenken des hundertjährigen Jubiläums seines Geburtsjahres organisiert die Gala - Salvador Dalí Stiftung, zusammen mit vielen regionalen spanischen Einrichtungen, das Dalí-Jahr 2004. Es besteht aus einem niemals endenden Terminplan von Ausstellungen, Symposien, Kongressen, Veröffentlichungen und anderen kulturellen Aktivitäten. Dieses Jahr ist darauf angelegt, Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, das Wissen über diesen Künstler zu vertiefen, als auch die Dinge bekannt zu machen, die der Öffentlichkeit bis jetzt noch verborgen waren.



Cover for Vogue. 1 April 1944
Courtesy MNCARS

Zwei internationale Hauptausstellungen sind für 2004 und 2005 angesetzt. Die erste, die Dali. Cultura de masas (Dalí. Massenkultur), findet noch bis zum 30. August 2004 im Nationalen Museum und Kunstzentrum Reina Sofía - MNCARS (Madrid, Spanien) statt und zieht dann weiter in das Salvador Dali Museum (St. Petersburg, Florida, USA) vom 10. August bis zum 12. Januar 2005 und danach in das Museum Boijmans Van Beuningen (Rotterdam, Niederlande) vom 5. März bis zum 12. Juni 2005. Die Ausstellung zeigt Ölgemälde, Zeichnungen, Filme und Skulpturen, alles in allem, mehr als 400 Stücke. Sie konzentriert sich auf Dalí `s Interesse an einem Bereich, in dem er sich großer Erfolge erfreuen konnte: Die sogenannte Massenkultur, d.h. Kino, Design, Mode, Werbung, Photographie und Presse. Seit dem Anfang seiner Karriere fühlte sich der Künstler von diesen Bereichen angezogen. Er hat es außerdem geschafft, die Hochkultur mit der Massenkultur zu vereinigen, eine Neuheit des 20.Jahrhunderts.
Die zweite Ausstellung, die Salvador Dalí, antológica (Salvador Dalí, zurückblickend), findet im Palazzo Grassi (Venedig, Italien) vom 12. September 2004 bis zum 1. Januar 2005 statt. Danach kann man sie vom 16. Februar bis zum 15. Mai 2005 im Philadelphia Museum of Art (Philadelphia, USA) besichtigen. Mit ihren mehr als 200 Ölgemälden ist diese Retrospektive die größte, die jemals organisiert wurde. Ihr Ziel ist es dem Publikum das größt-mögliche Spektrum von Dalís Arbeit (Malerei, kreatives Schreiben, Skulpturen, Gestaltung für Ballett und Ausstellungen, Kino, Theorie und Werbung) vorzustellen. Die Ausstellung geht, durch die Präsentation des Einflusses auf andere Kunstbewegungen und des Interesses an Psycho-Analyse und Wissenschaft, weit über den Surrealismus hinaus.



El gran masturbador, 1929 Courtesy MNCARS

Auf einer nationalen Ebene präsentiert das MNCARS eine weitere Ausstellung, die das Programm komplettiert. Huellas dalinianas (Dalianische Abdrücke) wird noch bis zum 18. Oktober 2004 zu sehen sein und wird dann in das ARTIUM Centro - Museo Vasco de Arte Contemporáneo (Vitoria, Baskenland, Spanien) weiterreisen. Diese Ausstellung folgt den Einflüssen Dalís auf die spanische Kunst zwischen 1927 und 1939, also bis zum Ende des spanischen Bürgerkrieges. 104 Kunstwerke (Malerei, Zeichnungen, Skulpturen, Photos und Collagen) von 40 Künstlern verdeutlichen, welche Auswirkungen Dalí auf den spanischen Surrealismus hatte.
Viele andere Ausstellungen laufen gerade; sie konzentrieren sich auf viele verschiedene Aspekte seines Lebens und Schaffens: auf seine Arbeit als Illustrator des Don Quichote, auf merkwürdige Photos von ihm selbst, auf das Manifiesto Amarillo oder Manifiesto antiartístico catalán (Gelbe Manifest oder Katalanisches Anti-Kunst Manifest), welches der Künstler zusammen mit den Kritikern Sebastiá Gasch und Lluís Montanyà 1928 unterschrieb, auf Zeichnungen und auf ein sehr langes Etcetera.
Was seine Biographie angeht, überfluten gerade Veröffentlichungen speziell für diesen Anlass den Markt. Unter ihnen sind vor allem die Texte, die von dem Künstler selbst geschrieben wurden, erwähnenswert. Eigentlich ist die bedeutendste Leistung dieses Dalí-Jahres die, dass die Öffentlichkeit erfahren hat, was für ein außergewöhnlicher Schriftsteller er war. Lorca, persönlich, hatte seinem Freund eine brillante Zukunft als Schriftsteller vorausgesagt. Tatsächlich überraschte Dalí einmal mehr sein Publikum mit originellen, experimentellen Stücken voll von unbestreitbarem Geist. Seine gesamten Arbeiten werden bald in acht Volumen veröffentlicht; es wird autobiografische Texte, Zusammenarbeiten mit anderen Autoren, Gedichte, Kinoskripte und Fiktionen enthalten. Ebenfalls zum ersten Mal wird Dalís einziger Roman Rostros Ocultos (Versteckte Gesichter), 1943, unzensiert in Spanien erscheinen. Biographien, Monographien, Memoiren und Interviews, Aufsätze und Texte über Gala, Fotobücher und zahlreiche Kataloge sind weiterhin im Angebot. Unter ihnen ein Highlight: der durchdachte Katalog über Dalís Malerei, welcher von der Gala - Salvador Dalí Stiftung herausgegeben wird. Er kann auf der Website kostenlos eingesehen werden.



Salvador Dalí - Busto de mujer retrospectivo, 1933
Courtesy MNCARS

Nicht einmal die darstellenden Künste wurden von Dalí unversucht gelassen. Unvergessen ist seine Mitarbeit für das Kino bei wichtigen Produktionen, wie zum Beispiel für seinem Freund Luis Buñuel (Un perro andaluz, 1929, und La edad de oro, 1930), für die Marx-Brüder, Hitchcock (Dalí entwarf die Dekoration für Ich kämpfe um dich, 1945) und Walt Disney. Für das Ballett und das Theater arbeitete er oft an Bühnenbild und Kostümen. Zum Anlass des Dalí-Jahres entschied sich das Festival Castillo de Peralada (Katalonien, Spanien), einige ihrer Stücke aufzuführen: die Ballettstücke El sombrero de tres picos and El café de Chinitas (18. August 2004) and Dalidance, welches sich gerade auf Tour durch Spanien befindet. Der spanische Choreograph Ramón Oller nahm drei Stücke von Dali zum Vorbild: Bacchanale, Labyrinth und Mad Tristan (alle das erste Mal in New York zwischen 1939 und 1944 aufgeführt) und, durch den Künstler selbst mit all seiner Leidenschaft, Besessenheit und seinem Symbolismus inspiriert, kreierte eine außergewöhnliche Show im reinsten Dalí Stil.
Die oben erwähnten Ereignisse sind nur einige wenige unter den besonderen. Sogar in dieser Phase bindet das offizielle Programm immer noch neue Initiativen ein. Nach Montse Aguer, der Kuratorin, ist das Dalí-Jahr als ein offener und vielseitiger Blick auf den Künstler als auch auf das Publikum, dass sich seine Kreationen anschaut oder ließt, gedacht. Das Dalí-Jahr bietet uns die ausgezeichnete Möglichkeit, uns allen Aspekte und Werken des vielseitigen zeitlosen Künstlers anzunähren. Seit seiner Geburt sind hundert Jahre vergangen und immer noch ist das Interesse an seinen Arbeiten lebendig und nimmt zu. Einmal mehr wird Genie nicht von der Zeit gezügelt. Ist das also vielleicht das versteckte Geheimnis seiner fließenden Uhren?

dali2004.org
salvador-dali.org

Text: Patricia Blasco
Übersetzung: Anja Zinke
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