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Die Flick Collection - Wenn Kunst in einem ethisch-politischen Bereich gerät

Das Hamburger Bahnhof Museum in Berlin wird am 22. September die Ausstellung Flick Collection eröffnen. Der Millionäre Friedrich Christian Flick ist Enkel von Friedrich Flick, welcher sein Vermögen mit der Rüstungsindustrie und durch die Arbeit von jüdischen Zwangsarbeitern während der NS-Regierung gemacht hat. Diskussionen und Debatten haben wegen dieser Tatsache zwischen der jüdischen Gemeinde, der Presse, den Politikern und auch innerhalb der Flick Familie stattgefunden. Die Mehrheit unterstützt Aussagen wie "Blutreinigung" und viele sind der Meinung, dass der Sammler sich mit dieser Ausstellung von der Bezahlung von Steuern befreien will. Sogar seine Schwester, Dagmar Ottman, behauptet, daß die Ausstellung nicht eröffnet werden sollte, bevor nicht eine intensive Untersuchung über die Vergangenheit der Familie gemacht wird. In einem Brief an die Zeitung 'Die Zeit' hat sie erklärt, daß sie an diesem Projekt nicht beteiligt ist.



Nam June Paik - Robot K 456 (1964)
© Nam June Paik
Foto: S. Rötheli, Zürich

Der Kurator dieser Ausstellung, Eugen Blume, will Kunst vor allem öffentlich machen. Die Flick Collection soll gezeigt werden, anstatt sie im Lager zu lassen. Seiner Meinung nach bezieht sich diese Ausstellung jenseits der Skandale, auf die Kunst selbst, und konzentriert sich auf die ästhetische Ebene. Dem Publikum wird am Eingang der Ausstellung das Interview zwischen Eugen Blume und Friedrich Christian Flick, und komplementäre Information über die Vergangenheit der Familie, gegeben. Während der Ausstellung und in der Zeit, in der die Sammlung im Museum bleibt, wird über die Vergangenheit der Familie Flick recherchiert.
Die Ausstellungsfläche des Hamburger Bahnhof Museums ist, für diese Ausstellung, um die Fläche der Rieck Hallen vergrößert worden. Insgesamt sind es 13000 m², welche in Zukunft für wechselnde Ausstellungen genutzt werden. Die Sammlung wird sieben Jahre im Museum verbleiben und in bestimmten Etappen gezeigt. Bei dieser Ausstellung handelt es sich um mehr als ein Drittel des Gesamtbestandes. Fast 400 Stücke, die von Malerei, Installation, Video, Fotografie bis Bildhauerei gehen, werden gezeigt. Es sind Arbeiten von Künstlern der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und einige Werke der klassischen Moderne von Künstlern wie Francis Picabia, Alberto Giacometti and Marcel Duchamp. Die Sammlung, die noch nie veröffentlicht wurde, besteht aus Arbeiten von 150 Künstler. Für diese Ausstellung haben die Kuratoren 39 Künstler ausgewählt. Die Ausstellung ist in unterschiedlichen Themenbereiche gegliedert, wie "Raum und Architektur", "Körper und Sexualität", und sogar das Thema "Museum". Besonders bedeutend für den Sammler sind die Arbeiten von Bruce Nauman. Die deutsche zeitgenössische Malerei wird von Sigmar Polke, Gerhard Richter, Georg Baselitz, Blinky Palermo, Neo Rauch und Daniel Richter, vertreten, und auch der belgische Künstler Luc Tuymans wird repräsentiert. Künstler wie Paul McCarthy, Nam June Paik, Eija-Liisa Ahtila, On Kawara, Sol LeWitt, Dan Graham, and Marcel Broodthaers, sind auch mit ihren Werken in der berühmten Sammlung zu finden. Die Künstler Stih y Schnoch, die künstlerische Aktionen in öffentlichen Orten machen, haben Plakate in der Nähe des Museums geklebt, welche mit Sätze wie "Eintritt für ehemalige Zwangsarbeiter" eine Kritik gegen die Ausstellung darstellen.



Bruce Nauman - Double Poke in the Eye II (1985)
© VG Bild Kunst, Bonn 2004
Foto: A. Burger, Zürich

Andere parallele Veranstaltungen zu diesem Event sind die Vorträgen über Kunst und Sammler, und die Ausstellung im Prenzlauer Berg Museum Zwangsarbeit in Deutschland 1938-1945, welche das Beispiel Flick erwähnt. Die Flick Collection und die Ausstellung über die deutsche Terroristengruppe RAF in der Galerie KW-Berlin (Eröffnung Anfang 2005) sind Beispiele dafür, wie Kunst in den Bereich der Ethik und den allgemeinen Werten geraten kann. Beide Ausstellungen sind stark kritisiert worden. Die Kuratoren wollen, immerhin, Kunst außerhalb der ethisch-politischen Ebene zeigen und haben ein breiteres Publikum im Auge.
Die Flick Collection konfrontiert Deutschlands vergangene und aktuelle Geschichte, was Christina Weiss, Kultursenatorin in Deutschland, in einem Interview erwähnt. Kunst ist, in diesem Fall, der Moderator. Jenseits von Diskussionen bleibt Kunst weiterhin einen schöpferischen Ausdruck und ermöglicht Dialoge.

Text: Katerina Valdivia Bruch
Übersetzung: Katerina Valdivia Bruch

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