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Fotografie in Portugal

Zum Beginn der neuen Kunstsaison im Norden Portugals liegt der Schwerpunkt auf der Fotografie. Unter dem Titel Metamorfoses do Real (Metamorphose der Realität), der 17. Encontros da Imagem (Begegnung der Bilder), kommen Künstler, Kunstkritiker, Kuratoren und Galeristen zusammen um das Reale und Unreale durch fotografische Produktion zu transportieren. Als Teil des Programms sind sieben Ausstellungen und eine große Anzahl von Konferenzen und Workshops geplant.
In den vier Einzelausstellungen und den drei Gruppenausstellungen, die über 50 Fotografen nach Braga führen, sind verschiedene Betrachtungsweisen zum Thema Metamorfoses do Real zu finden. Trotz allem, stechen die Themen Identität, menschliche Beziehungen und Landschaften, entweder durch die Nutzung von technischer Manipulation oder durch die einfache Anwendung von Ambivalenz der Wahrnehmung, als Mittelpunkte heraus.



Patrick Tosani, Masque n°16, 2000, 110x140cm

Das Themengebiet der persönlichen Identität wurde schon auf viele verschiedene Weisen bearbeitet. Patrick Tosani zeigt sechs seiner Werke aus der Serie Masks (Masken). Er untersucht dabei Drei-Dimensionalität bestimmter Objekte, in diesem Fall von einer Hose, und die Bewegung des Betrachters rundherum. Er ändert, durch diesen neuen Winkel des Sehens, die gegebene Bedeutung: Die fotografierte Hose wird zum anthropologischen Symbol menschlicher Erkenntnis: Masken. Durch die Nutzung der Projektion dreidimensional Parameter auf ein virtuelles Gesicht, dem Bewegung und interaktive Fähigkeiten gegeben wurden, anstelle der Nutzung einer räumlichen Skulptur, ermöglichen Catherine Ikam und Louis Fléri zwei Dinge mit ihrer Serie Portraits. Réel/Virtuel: Die Bedeutung des Gesicht als exklusives Attribut eines jeden Individuums und gleichzeitig die physikalische Präsenz als Anwesenheit darzustellen.
Zur Hauptausstellung des Festivals wird Cousin, eine Ausstellungdes jungen Iraners Ali Mahdavi, gezeigt. Sie ist ein Infragestellen körperlicher Schönheit. Diese sehr persönliche Arbeit ist ein verwandeltes Portrait des Fotografen, der nach medizinischer Behandlung langsam alle seine Haare verlor und danach den Prozess bis zum totalen Verlust menschlichen Aussehens durch zuwachsende Haare dargestellt. Die Arbeiten von Pierre et Gilles und Nancy Burson repräsentieren zwei visuell gegensätzliche Positionen. Die ersten Werke sind Fotografien, die mit Farbe nachgebessert wurden um einen unwirklichen, erhabenen, kinematografischen Zauber der Perfektion und Schönheit zu schaffen. Nancy Burson, die für ihre Erfindung der Human Race Machine (Menschliche Rassemaschine) oder für die Entwicklung der Morphing Technologie bekannt ist, hat seit den 80er Jahren Schönheit studiert und somit gleichzeitig auch ihr Gegenstück, die Entstellung. Die Serie Craniofacial( Schädel- und Gesicht) ist das Ergebnis dieser Studien und zielt darauf ab, Belege der Gemeinsamkeiten anstelle der Unterschiede der Menschen zu kreieren.



Dita pepe, untiteld, series sefl portrait, 1995-1998

Die Visualisierung der Spannung innerhalb menschlicher Beziehungen, die wir normalerweise nicht wahrnehmen können, zeichnet dieses Festival besonders aus, in den Reportagen als auch in den dargestellten Situationen. Die Ausstellung Real, too Real wurde aus Reihen von drei Künstlern zusammen gestellt, die kürzlich in Prostitution, Drogenmissbrauch und Drogenhandel gearbeitet haben: Infertile Madonas (Unfruchtbare Madonnen), von dem Franzosen Jean-Christian Bourcart, Sehsüchtig Sehnsüchtig, von dem Deutschen Peter Hendricks, und Meeting Place (Treffpunkte), von dem Dänen Johnny Jensen. Diese drei Reihen sind drei Perspektiven der selben Realität: scharlachrote Eindrücke, von Bordellen in Frankfurt; Fotografien von toten oder sterbenden Frauen, bleiben. Dita Pepe zeigt uns einen anderen Ansatz zu unseren Beziehungen zu anderen in der Individualausstellung Self Portraits (Selbstportraits). Sie konzipiert die Möglichkeit jemand anderes zu sein, die unterschiedliche Identität anzunehmen, an Plätzen, die nicht ihre eigenen sind. Sie positioniert sich selbst wie eine Chamäleon-Schauspielerin an die Seite von denen, die sie fotografiert.
Ort, Zeit und Erinnerung bleiben aber weiterhin wichtige Themen in der Produktion zeitgenössischer Fotografie. Encontros da Imagem zeigt einige Autoren, die in Verbindung mit diesem etwas veralteten Moment in der Geschichte der Fotografie stehen. In der Einzelausstellung Paisagem Artificial (Künstliche Landschaften) zeigt Didier Massard erneut, in konstruierten und in seinem Studio fotografierten Landschaftsmodellen, den Weg der Romantiker die Realität zu sehen. Andreas Gefeller, der auch dafür bekannt ist, die Gegensätze von Tag und Nacht sowie von Licht und Schatten in seinen Stadtansichten durcheinander zu bringen, zeigt zum ersten Mal die Reihe Supervisions. Diese besteht aus Bildern von oben fotografierter städtischer Szenen, die dadurch in Pläne verwandelt werden und unsere Erkenntnis fotografischer Realität verzögern. Angela Mendes Arbeiten in Retratos Pintados (Gemalte Portraits) geht noch über die Frage der Identität hinaus. In der Technik als auch in der Ästhetik. Sie ruft die Momente hervor, in denen man Klänge und Geschichten durch das Bild einer stillen Person hervorbringt. Die Verdichtung des Sinnes eines historischen Gedächtnisses ist in Mi Souvenir, in Fotografien gesammelter Miniaturfernseher, von Joan Rabascall genauso präsent wie in Doris Frohnapfels Fotografien des ehemaligen Nazi-Flughafens in Herdla in Norwegen.



Andreas Gefeller, supervisions

Während der letzten 16 Fotografie-Festivals, haben die Veranstalter - die Photography and Cinema Cultural Association of Braga - eine zusammenhängende Arbeit fotografischer Dokumentationen über die Stadt Braga entwickelt. In den letzten vier Jahren wurden einige Künstler dazu eingeladen, ihre Memórias da Cidade (Erinnerungen an die Stadt) zu konstruieren. Unter diesem Titel wurden die Arbeiten auch veröffentlicht. In diesem Jahr wurde aus finanziellen Gründen dahingegen nur ein Künstler zur Teilnahme eingeladen: die Ungarin Ágnes Szabics. In den Arbeiten, die sie für das Tibães Kloster gemacht hat, führte sie ihren eigentümlichen Stil fort: sie fotografiert keramische Kacheln und fügt ihr Bild dann an den Ort ein, wo sie fotografiert wurden.
Die Wiederkehr des Festivals, nach der Sperrung letzten Jahres aus finanziellen Schwierigkeiten, schafft, aus diesem und anderen Gründen, nur relativen Optimismus für die Zukunft portugiesischer Fotografie-Festivals. Obwohl letztes Jahr die erste Ausgabe der Fotobiennale LisboaPhoto gefeiert wurde, darf man nicht vergessen, dass das Coimbra Pionierprojekt Encontros de Fotografia aus mangelnder Finanzierung schon seit vier Jahren gesperrt ist.

Text: Paula Januario
Übersetzung: Anja Zinke
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