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Moebius und Miyazaki: zwei Künstler, deren Bilder anfangen zu leben


Totoro(1988)© Ghibli/Buena Vista International

Aus 300 originalen Zeichnungen, die zum größten Teil aus der persönlichen Sammlung der Künstler stammen, aufgebaut, verfolgt die Ausstellung Miyazaki, Moebius: deux artistes dont les dessins prennent vie (Miyazaki, Moebius: zwei Künstler deren Zeichnungen zum Leben erweckt werden) das Ziel, eine Parallele zwischen dem Werk dieser zwei großen Männern des Comics und des Trickfilms zu ziehen.

Hôtel de la Monnaie de Paris. Der erste Saal der Ausstellung bietet dem Besucher ein vollständiges Panorama der Arbeiten und der wichtigen Etappen im Leben der beiden Künstler. Hayao Miyazaki (Tokyo, 1941), großer Meister der Japanimation (Conan, der Sohn der Zukunft für TOEI; Nausicaa, 1984; dann, nach der Schaffung seines eigenen Studios, Ghibli, Porco rosso, 1992; Prinzessin Mononoke, 1997; Die Reise des Chihiro, 2001) und Moebius (Jean Giraud, Nogent-sur-Marne, 1938), Illustrator, prominenter Mitarbeiter bei Blueberry (unter seinem richtigen Namen, und nach einem Szenario von Charlier), aber vor allem Wunderkind der Sciencefiction (L'Incal, Arzach und Die Herren der Zeit sind seine bekanntesten Comics; Dune, Alien, Tron, Das 5. Element seine bekanntesten Arbeiten beim Film). In diesem ersten Saal werden sowohl Originalzeichnungen gezeigt, als auch über Bildschirme ausgestrahlte Interviews mit den Künstlern, Animationskulissen der Ghibli-Studios und zahlreiche Arbeiten Moebuis' beim Film. Eine die Ausstellung weiterhin bereichernde Idee der Organisatoren war es, ein Treffen zwischen Moebius und Miyazaki in den Ghibli-Studios zu organisieren (wo unter anderem das Plakat der Ausstellung entstanden ist) und dieses Treffen durch Photos und Filme zu dokumentieren.
Der Rest der Ausstellung soll dem Besucher die Parallelen zwischen den Werken der beiden Künstler vor Augen führen. Dank einer ausgeklügelten Präsentation - man bedient sich kreisförmiger Schilder, auf deren Seiten je einer der Künstler vorgestellt wird - springen diese Parallelen schnell ins Auge: der Leitfaden der Ausstellung - obwohl man das, bei zwei Künstlern aus so verschiedenen Kulturkreisen zu Beginn nicht angenommen hätte - wird durch diese Art der Präsentation stark betont.



Moebius,Arzach,épisode Rhapsody © Moebius/Buena Vista International France

Jeder einzelne Raum ist einem spezifischen, den beiden Künstlern gemeinsamen Thema gewidmet. Zum ersten, der Faszination für menschlichen Blicken entzogene Welten, eine Faszination, die sich im tiefen Animismus Miyazakis und im spirituellen Inhalt der Zeichnungen Moebius' zeigt. Ein an der Wand angebrachtes Zitat Moebius' erläutert diese Thematik: "Eine Zeichnung ist das Bild eines inneren Lebens, ist aber auch nur ein Bild. Früher verschmolzen die Originale der Zeichnungen mit dem Film. Heutzutage sieht man sie sich an, wie man sich eine einzige Note einer Symphonie anhören würde, die man trotzdem schön findet. Sie zu isolieren, heißt ihr die Ehre zurückzuerstatten, als Einzelteil geschaffen worden zu sein." Miyazaki seinerseits bestätigt: "Natürlich glaube ich an die Existenz anderer Welten als der unseren! Wenn es sie nicht gäbe, wäre es uninteressant, daran zu glauben. Es ist wie die Liebe: man sieht sie nicht, aber doch gibt es sie... weil wir daran glauben! Alles ist eine Frage des Glaubens." Der nächste Saal studiert die Tiergeschichten der beiden Künstler, zeigt die ihnen gemeinsame Liebe zu schillernden Heldenfiguren und fantastischen Monstern. Moebius' Personenstudien weisen eine sehr interessante Vorgehensweise auf: in sie legt der Zeichner alle körperlichen und moralischen Charakteristika der Personen, ja geht sogar so weit, den Geruch, der von ihnen ausgeht, zu beschreiben. Ebenfalls gemeinsam sind den beiden Künstlern ökologische Bedenken: man siehe einerseits die üppige Vegetation der Zeichnungen Miyazakis, andererseits Moebius' steinerne Mondlandschaften.



Hayao Miyazaki,Laputa,the castel in the sky(1986) © Ghibli/Buena Vista International France

Ein anderes immer wiederkehrendes, vielleicht etwas unerwartetes Detail in den Zeichnungen der beiden ist die ihnen gemeinsame Faszination für die Aeronautik. Die Sciencefiction Moebius' strebt immer in Richtung der unergründlichen Weiten des Weltraums. Hayao Miyazaki seinerseits ist von den Lüften fasziniert, wie es Titel wie Das Luftschloss zeigen. Außerdem dirigierte sein Vater, Katsuji Miyazaki während des II. Weltkrieges das Familienunternehmen Miyazaki Airplane. Von Flugzeugen fasziniert, entwickelt Hayao eine seit seiner Kindheit nicht mehr abflauende Leidenschaft für alles Fliegende - die er in den aeronautischen Zeichnungen für Porco rosso voll auslebt. Die Ausstellung endet mit einem Video, welches zugleich Bilder aus den wichtigsten Arbeiten Miyazakis und Moebius' sowie aus Filmen, an denen Moebius mitgearbeitet hat, zeigt. Dieses Video weist noch einmal auf die Parallelen zwischen den Welten der beiden Künstler hin, da die Montage die visuellen Links zwischen jeder Szene zeigt.

Moebius und Hayao Miyazaki lassen den Betrachter nun seit beinahe 25 Jahren erfolgreich an ihren Traumwelten teilhaben (ein sowohl künstlerischer wie ökonomischer Erfolg). Ein weiterer Beweis ihres Erfolgs ist diese Ausstellung, Echo eines populären Kults, der sich um zwei Künstler spinnt die es fertig gebracht haben, das Publikum an sich und an ihre Welten zu binden.

Text: Maxime Olivier
Übersetzung: Anne Krier

Miyazaki, Moebius: deux artistes dont les dessins prennent vie. Vom 1. Dezember 2004 bis zum 13. März 2005 im Hôtel de la Monnaie de Paris.

www.miyazaki-moebius.com

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