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Erbitterter Streit um die «Bauhaustreppe» von Schlemmer

Die spektakuläre Jahrhundert-Ausstellung in Berlin mit 620.000 Besuchern hat ein unschönes Nachspiel: den Streit um die «Bauhaustreppe» von Oskar Schlemmer. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hatte sich das wertvolle Gemälde des in der NS-Zeit als «entartet» abgetanen Bauhauskünstlers vom Museum of Modern Art in New York ausgeliehen und im Alten Museum in Berlin gegenüber dem Bundeskanzleramt bis Januar ausgestellt. Die Schlemmer-Erben erhoben Anspruch auf die Arbeit von 1932. Sie verlangten, das zu den Hauptwerken zählende Bild mit figurenhaften Gestalten in einem Treppenhaus nicht an die USA zurückzugeben.

Die einstweilige Verfügung kam jedoch einige Stunden zu spät. Einen Tag nach Ausstellungsende wurde das Gemälde nach Angaben der Veranstalter bereits am 10. Januar wieder dem Leihgeber ausgehändigt. «Sobald bei uns eine Ausstellung geschlossen ist, werden die Leihgaben ausgeliefert», erklärte ein Sprecher der Staatlichen Museen der AP. «Wir haben korrekt gehandelt.» Für die Klärung von Eigentumsfragen sei man in diesem Fall jedoch nicht zuständig.

Künstlertochter Jaina Schlemmer und die übrigen Erben des am 13. April 1943 in Baden-Baden verstorbenen Malers, Bildhauers und Bühnenbildners sind sauer, dass nicht sie das Bild bekommen haben. Dabei hatte es der Generaldirektor der Berliner Museen, Peter-Klaus Schuster, gut gemeint, auch den zur NS-Zeit verfemten Künstler in die Schau «Ein Jahrhundert Kunst in Deutschland» aufzunehmen. Die strenge, unpolitische Auswahl bestanden nur 200 Künstler. Unter den Erwählten waren neben Schlemmer auch Ernst Barlach, Arno Breker, Wilhelm Lehmbruck, Aristide Maillol, Georg Kolbe, Marc Chagall, Joseph Beuys und Andy Warhol sowie Kasimir Malewitsch, Wassily Kandinsky, Piet Mondrian, Jean Tinguely und Yves Klein.

Bei der Rückgabe der über 600 Exponate verlief bis auf das Schlemmer-Bild alles problemlos, heißt es beim Veranstalter. Wegen angeblich ungeklärter Eigentumsverhältnisse wollten in Italien lebende Schlemmer-Erben unbedingt verhindern, dass das Bild Deutschland verlässt. Dem Wunsch konnte jedoch nicht entsprochen werden, da sich das Bild nicht mehr am Ausstellungsort befand. Erben bezweifeln indessen, dass die Überprüfung, Verpackung und der Abtransport des «hochgefährdeten Gemäldes» in einer Schiebeklimakiste «innerhalb von 25 Minuten erfolgt sein soll».

Der Streit darüber, wem die «Bauhaustreppe» des am 4. September 1888 in Stuttgart geborenen Künstlers nun wirklich gehört, geht weiter. Die Auseinandersetzung müssen die Erben nun mit dem Museum of Modern Art führen. Dabei soll auch geklärt werden, wie genau das Bild aus Deutschland nach Amerika kam.

In der bisherigen Kontroverse geht man davon aus, dass der Sammler Philip Johnson das Bild «seinerzeit» von Schlemmer für 1.200 Reichsmark gekauft haben könnte. Johnson soll wiederum in einem Interview 1990/91 erklärt haben, er habe das Bild als Freund Schlemmers für etwa 100 US-Dollar bekommen. Ferner soll es laut Kulturberichten Unterlagen geben, wonach Johnson im Jahr 1933 Schlemmer angeboten haben soll, das Bild für 12.000 Reichsmark zu erwerben. Wie es genau gewesen ist, will man 77 Jahre nach dem Bilder-Wechsel klären.


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