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GALERISTEN IM INTERVIEW - Gerd Harry Lybke, Director GALERIE EIGEN+ART

1983 gründete Gerd Harry Lybke, seine erste Galerie in Leipzig. Einige Jahre später eröffnete er seine zweite Niederlassung in Berlin und wurde zum "Global player", der einige der erfolreichsten deutschen Künstler wie Tim Eitel, Jörg Herold oder Neo Rauch vertritt, von deren Werke man sagt, es existieren Wartelisten...

Artfacts.Net: Herr Lybke, nicht viele Galerien feiern einen 23. Geburtstag. Was ist das Geheimnis? Was unterschiedet sie von anderen Galerien?
Gerd Lybke:
Einen wichtigen Unterschied haben Sie ja bereits genannt. Eigen+Art existiert seit über 20 Jahren und zählt dennoch zu den Galerien, die im Contemporary Bereich marktgebend sind. Und das nicht nur als Baldvermarkter, sondern wir führen Künstler langfristig. Das ist das Geheimnis. Wir sind sehr nachhaltig in unserer Arbeit mit unseren Künstlern. Die Mitarbeiter, das Team unserer Galerie, ist das zweite "Geheimnis". Das Team ist genauso nachhaltig und auch schon lange dabei. Die Galerie arbeitet für den Künstler und nicht die Künstler für die Galerie.

Artfacts.Net: Wie finden sie diese Künstler, die sie vertreten? Kommen diese zu Ihnen in die Galerie?
Gerd Lybke:
Man findet sich, ganz nach dem Motto "wir rufen sie an, rufen sie uns nicht an." Wir sind ja nun auch schon so lange im Geschäft und ich tue nichts anderes als in Ateliers zu gehen und mich umzusehen und auf Messen zu sein, d.h. also ich sehe die Dinge, die neu kommen, verfolge die Trends und versuche da die besten Sachen für mich herauszusuchen. Ich gehe auch zu Hochschulen, allerdings hole ich niemanden aus der Kunsthochschule heraus, sondern warte einige Jahre nach der Schule ab, um zu sehen wie sich der Künstler weiter entwickelt.



Birgit Brenner
"Installation "Die besten Jahre" in der Galerie EIGEN + ART Leipzig
Holz, Pappe, Print, Acryl, Marker, Wolle, Nägel
variabel, 2005
Foto: Uwe Walter
courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin


Artfacts.Net: Was für eine Beziehung existiert zwischen den Galerie und den Künstler?
Gerd Lybke:
Es vergehen fünf oder sechs Jahre ehe wir mit einem Künstler zusammenarbeiten. Wir schauen uns die ganzen Sachen sehr, sehr lange an, ehe wir wirklich den Schritt machen mit jemandem zu arbeiten. Dann bleiben wir aber auch mit dem Künstler zusammen und vertreten ihn exklusiv. Vom Geschäft her werden die Künstler exklusiv von der Galerie Eigen+Art vertreten. Ausstellungen haben sie natürlich in Museen und Kunstvereinen. Wir versuchen immer noch eine weitere Galerie in der Welt zu finden mit der wir zusammenarbeiten, aber nicht mehr als eine. Aber unabhängig davon mit wem wir zusammenarbeiten, bleiben wir die Exklusivvertreter des Künstlers, auch wenn wir mit einer anderen Galerie, Institution usw. zusammenarbeiten.

Artfacts.Net: Welche Rolle spielen denn die Messen?
Gerd Lybke:
Für mich sind alle Messen vorrangig ersteinmal Werbeplattformen für die neusten Arbeiten der Künstler. Es geht nicht unbedingt nur um den Verkauf. Wenn ich auf einer Messe bin muss ich eigentlich das Geld, was die Messe kostet, schon verdient haben - vorher, um dann auch mit so einer Messe locker umgehen zu können, also strategisch klug, indem ich nicht versuche, auf Teufel komm raus verkaufbare Waare mitzunehmen. Wichtig ist, dass ich von jedem Künstler die strategisch am besten positionierbare Arbeit zeige, wahrscheinlich auch die aktuellste oder eine von den aktuellen Arbeiten. Ob sie verkäuflich ist oder nicht ist eine ganz andere Frage. Ich mache ja Öffentlichkeitsarbeit damit. Ich zeige die Arbeiten einem großen Pool von Sammlern, Museumsleuten und Kuratoren und genau für die muss ein Messeauftritt zugeschneidert sein.



Jörg Herold,
Installationsansicht "Zeugnisse und Schriften der Reise eines Dokumentararchäologen", in der Galerie EIGEN + ART Berlin, 2005
Foto: Uwe Walter
courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig


Artfacts.Net: Sie sprechen jetz über den Kunstmarkt. Wie ist der Kunstmarkt in Berlin (und Leipzig!)? Stimmt es dass der Markt hier nicht so entwickelt ist, wie in London oder New York?
Gerd Lybke:
Der Markt an sich ist global, d.h. er ist überall gleich. Der einziege Unterschied ist, den es vielleicht zur Zeit gibt,dass es hier in Berlin beste Bedingungen für Künstler gibt, um hier zu leben - durch niedrige Mieten, und vielleicht auch durch die Politik die gefahren wird, ist hier eine liberale Situation fuer Kunst. Wenn man ein Global-player in Berlin ist, dann ist das eigentlich wunderbar. Der Markt ist global, man hat Anteil an allem und hat trotzdem noch diese sehr angenehme Situation in Berlin mit der Kunst. Wenn man kein Global-player ist, und nur in seinem kleinen Bereich der Stadt agiert, in der man angesiedelt ist als Galerie, dann ist Berlin zwar das Beste in Deutschland, aber nicht so gut wie New York, London, oder andere Städte. Dann muss sich die Galerie global positionieren.

Artfacts.Net: Der Markt ist global. Ist es aber effizient?
Gerd Lybke:
Die Information ist global. Der Markt ist global. Was man aber heutzutage kaufen will, dass sind die individuellen Unterschiede. Niemand will heute nur noch die Kunst kaufen, die richtig gemacht ist. Wie internationale Kunst aussehen muss, das interessiert überhaupt niemanden mehr. Sondern man will eigentlich die Kunst aus z.B. Mexico, wenn es geht auch von jemanden der aus Mexico ist, damit man nachvollziehen kann, warum derjenige der die Arbeit gemacht hat, die Arbeit so gemacht hat. Die Frage also nach dem Werk des Künstlers, die Frage nach dem Künstler selbst und seiner Biografie. Der Werkbegriff an sich ist heutzutage sehr wichtig und dann natürlich die Sicht des jeweiligen Künstlers auf die Welt. Der Künstler muss einen Standpunkt haben, er muss einen Ruhepol haben von woher er kommt. Er muss nachvollziehbar sein, die Kunst die er da macht, soll er aus sich heraus machen, sie soll individuell sein, rückführbar auf den Künstler - nur auf diese eine Person.



Yehudit Sasportas,
"Night recording, black ants", drawing, ink marker on paper, 158 x 200 cm, 2005
Foto: Uwe Walter
courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin


Artfacts.Net: Sie haben bereits gesagt dass die Information global ist. Aber ein Kritikpunkt der immer wieder laut wird ist, dass die Informationen nicht so einfach zu finden sind, dass viele Informationen nur für den Insider früh zugänglich sind. Glauben Sie, dass es an Transparenz fehlt?
Gerd Lybke:
Naja, das weiß ich nicht. Wenn wir eine Arbeit haben, dann bieten wir sie natürlich erst denen an, wo wir denken, dass sie wichtig sind, dass diese Arbeit auch in der oder der Sammlung landet. Man verkauft natürlich gezielt Arbeiten von Künstlern, wenn man in dieser wunderbaren Situation ist, dass alle diese Arbeit haben wollen und ich in der starken Position bin, um als Galerie mir aussuchen zu können, an wenn ich verkaufe. Ein Galerist, der über seinen eigenen Horizont hinaus denkt und an die Zukunft denkt, der muss auch schauen, wo er die Sachen hin verkauft. Also nicht einfach an jemanden der Geld hat und spekuliert.

Artfacts.Net: Welche Rolle spielt Internet, um Informationen über den Markt zu finden?
Gerd Lybke:
Ich denke, es ist gut, da man sich da jederzeit global informieren kann und Vergleiche anstellen kann, ähnlich wie bei einer Messe. Aber man muss sagen, dass das nicht ersetzen kann, das Werk zu sehen. Aber für einen Vergleich ist dieses Medium natürlich wunderbar.

Artfacts.Net: Was halten sie von dem Artfacts Artist Ranking, welches die Aufmerksamkeit die einem Künstler zuteil wird misst?
Gerd Lybke:
Man guckt schon gern mal hin, aber wenn man etwas entdecken möchte, dann ist das Ranking too late.

Artfacts.Net: Herr Lybke, Vielen Dank für das Interview.
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