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Nächste Woche im Deutschen Bundestag: Streit um die Kunst! Hans Haacke provoziert Widerspruch


Seit mehreren Jahren wird der Deutsche Bundestag in Berlin, das Reichstagsgebäude, mit Werken der bildenden Kunst ausgestattet - ausgesucht von einer Kunstkommission des Deutschen Bundestag - unterstützt von angesehenen Experten. Doch jetzt wird die vorgesehene Installation von H a n s H a a c k e, ein 21 x 7 Meter grosser, mit 669 Zentnern Erde gefüllter Holztrog heftig attackiert. Titel: "Der Bevölkerung". Nächste Woche steht nun ein Gruppenantrag von rund 150 Abgeordneten im Deutschen Bundestag zur Abstimmung, der dieses Kunstwerk verhindern will - zum Wohle der Bevölkerung oder der Politiker?

Schon jetzt steht fest: Das Kunstwerk in spe verführt die Politiker über die Fraktionsgrenzen hinaus zur Zusammenarbeit - zunächst zum Protest, denn: Bündnis90/Die Grünen und die CDU/CSU erstaunen insofern, als sie sich in der Ablehnung einig sind. Die Vorwürfe reichen von "Öko-Kitsch" (Antje Vollmer) bishin zur Verunglimpfung des Gibelfries des Reichtstages "Dem deutschen Volke". Dr. Lammert, CDU/CSU, sieht sich ganz einig mit dem Künstler, wenn er die Diskussion im Deutschen Bundestag fordert. Immerhin seien alle Abgeordneten aufgefordert mitzuwirken, indem sie Erde aus ihren Wahlkreisen für diesen "Kunsttrog" nach Berlin bringen sollen. Wenn sie als Abgeordnete aus dem Bundestag ausscheiden, sollen sie "ihr Stück Erde" wieder mit zurücknehmen. Es geht Haacke um Beteiligung und Bewußtwerdung!

Bedeutet dies, daß sich das Kunstwerk des Konzeptkünstlers Haacke auch dann realisiert, wenn es nach gründlicher Diskussion und Bewußtwerdung abgelehnt wird? Schließlich versteht sich konzeptuelle Konzept als "Gedanken-Kunst", die in letzter Konsequenz auch ohne Visualisierung auskommt. Konzeptkunst steht für die Dematerialisierung der Kunst! Wäre dem so, hätte der Deutsche Bundestag auf jeden Fall eine Werk von Hans Haacke - ob es jetzt als Kunsttrog aufgestellt wird oder nicht. Sollte es Hans Haacke gelungen sein, den Abgeordneten eine unentrinnbare Falle gestellt zu haben? Denn: die Kunst von Haacke realisiert sich auch dann, wenn der Deutsche Bundestag sie nicht kauft - solange er darüber diskutiert? Hans Haacke: Keine Kunst für Diskussionsmuffel und schweigende Geniesser!?

Hans Haacke hat sich dazu noch nicht abschließend geäußert. Auf jeden Fall setzt er sich für die Aufstellung des Erdtroges ein und hat das Gespräch mit den Kritikern im Deutschen Bundestag geführt. Auch der Bundestag steht vor der Entscheidung "Aufstellen oder nicht?". Es geht nicht um die Frage "Diskutieren oder Nicht-Diskutieren?" - sollte Hans Haacke die Fragestellung in einer informierten Mediengesellschaft westlich demokratischer Prägung verfehlt haben? Oder merkt hat Haacke, daß gerade in der Mediengesellschaft und Demokratie nur das auf Dauer diskutiert wird und im öffentlichen Bewußtsein ist, was sich manifestiert und präsentiert.

In der Tat führt Dematerialisierung in der Mediengesellschaft die öffentliche Meinung in die Bewußtlosigkeit. Dies sollten sich Politiker wie Künstler bewußt machen: Es gibt eine politische wie auch gesellschaftliche Pflicht, Themen in der Öffentlichkeit zu erleben und ihnen dazu Freiraum zur Manifestation einzuräumen. Politiker nehmen diese demokratische Errungenschaft für die eigene Arbeit oft in Anspruch. Würden sie diesen Freiraum, nicht auch anderen zu billigen, stellen sie ihre Legitimation als Politiker, als Repräsentation unserer Demokratie, in Frage.

Informationen über alle Kunst am Bau Projekte des Deutschen Bundestages gibt es auch im Netz

www.bundestag.de/berlin/kunst/kunst.htm

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