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Red Home. Eröffnung Oficinas de Canarias Cultura en Red


'Red Home', courtesy by Francis Naranjo

Manchmal wird man von Politikern überrascht, weniger hinsichtlich ihrer Verwaltungsinitiativen als vielmehr hinsichtlich ihrer Entscheidung, einen wagemutigen Künstler mit einem öffentlichen Auftrag zu betrauen.

Wir sind an Aufträge gewöhnt, durch die der Machtapparat sich die Verbreitung seiner Ideen um jeden Preis erhofft; wir kennen seinen Enthusiasmus über Wertsetzungen, deren Gültigkeit die amtierenden Politiker zur Allgemeingültigkeit erhoben haben.
In Spanien ist diese Verhaltensweise – seit wir Spanier in einer Demokratie leben – schlecht angesehen. Die Politiker bevorzugen bei der Auftragsvergabe eines zeitgenössischen Kunstwerkes das Kurzweilige oder das Archaische. Sie gehen davon aus, dass es uns an Geduld dafür mangele, eine Statue zu akzeptieren, die ein neues Exempel an einem öffentlichen Platz statuieren könnte.

Es scheint so, als würden die Politiker allmählich beginnen, dies zu verstehen, und sich – dank dieser neuen Geisteshaltung – an den Lauf der Zeit anpassen. Und dementsprechend versucht die kanarische Regierung erneut unsere Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass die Kanaren in Sachen „spanische Kunst" schon immer Vorreiter gewesen seien. Aber da sie durch die Zeitverschiebung eine Stunde vor dem spanischen Festland leben, blieb uns diese Einsicht bisher verborgen. Man müsste nur, die Geschichte der zeitgenössischen, sowohl populären als auch hohen, Kultur überprüfen, um dies zu bemerken.

Und es ist nun erneut dazu gekommen, dass die Regionalregierung einen seltsamen Auftrag in Arbeit gab und den grankanarischen Künstler Francis Naranjo mit der Aufgabe betraute, einige Büros zu gestalten. Dieser Auftrag, der momentan umgesetzt wird, ruft große Erwartungen in der Kunstwelt hervor; man erhofft sich von seiner Realisierung, dass die Büros als Sitz einiger neuer künstlerischer Leistungen zur Verbreitung der kanarischen Kunst beitragen könnten. Und der Künstler Francis Naranjo hat es wie ein Stierkämpfer verstanden, den Auftrag anzunehmen, und doch dem Stoss des Auftrages auszuweichen und unverletzt den Platz zu verlassen.


"Red Home"
courtesy by Francis Naranjo


Wie man von der zeitgenössischen Kunst als vermeintliche Tochter der Originalitätspathologie weiß, versteht sie es schlecht, etwas zu erschaffen, das nicht dem persönlichen Interesse des Künstlers entspricht. Wenn man dies aus der Sicht der kollaborativen Kunst oder unter den Prämissen der relationalen Ästhetik diskutiert, so sind einige dieser Prämissen auch in der Bürogestaltung erkennbar, von der man sich erhofft, dass sie neue zukünftige Gestaltungen von anderen Künstlern nach sich zieht.
Das Werk von Francis Naranjo, welches ich – wenn nicht seit seinem Beginn, so doch spätestens seit seinem ersten Auftritt auf der Halbinsel – verfolge, hat in den letzten Jahren eine Richtung eingeschlagen, die eine tiefe Sorge um die Gesellschaft ausdrückt, unter der wir leiden. Es ist die Sorge um die Gesellschaft unter einem allseits eingesetzten Videoüberwachungssystem, – eine Sorge, die fast gleichzeitig mit dem Interesse für die Videogestaltung dieses Künstlers, der sich bisher bequem zwischen Skulptur und Fotografie bewegt hatte, begann.

Aber seine Werke blieben klein und vielleicht schweigsam gegenüber einer feindlichen Umgebung, die er allmählich entdeckte; Man könnte vielleicht behaupten, dass er wohl die Konsequenz erahnt haben muss, die ihm ein tieferes Eindringen in sein eigenes Werk abverlangt hätte – nämlich die Konsequenz einer Distanzierung von der Bevölkerung.
Was ihm insbesondere missfiel, war der Anblick einer Gesellschaft, die zunehmend eingeengt wird von einer omnipotenten technologischen Umgebung. Auf diese Weise – und wie ich meine, fast gleichzeitig – entwickelte sich sein Interesse für die Videogestaltung und für die Anklage der feindlichen Umgebung insofern, als die Videogestaltung in seinem Werk Überwachung, zum Großteil Videoüberwachung, ist.

In seiner Arbeit verwendet er häufig die Metapher der Überwachungsstation, die einen immer im gleichen Rhythmus von draußen nach drinnen befördert: Zuerst sieht man das, was draußen ist, das man selbst nicht ist – einen Ort, an dem man sich noch vor kurzer Zeit befunden hat (das heißt: ich folge deinen Schritten, weil ich weiß, woher du kommst). Dann sieht man sich selbst drinnen, in einem Mechanismus, und nimmt sich als Teil davon wahr (in einem ebenen Zwischenraum und von einem diagonalen Blickwinkel aus, so dass man sich als Teil einer Einheit betrachtet, als ein weiteres Glied in der Kette des Geschehens). Schließlich sieht man sich im äußersten Vordergrund (der einen gleichzeitig auslöscht und vorführt, ohne den geringsten Zweifel daran zu hinterlassen, dass man tatsächlich da ist). Diese ontologische Sequenz, die von der Umgebung ausgeht und zu einem selbst verläuft, erscheint in vielen der letzten Werke von Francis Naranjo, sowohl in der Photographie als auch in den Installationen von videographischer Atmosphäre, in denen er einen besonderen Eindruck von Unruhe vermittelt, betont durch ein alarmierendes Rot, das für sein Werk charakteristisch ist und ihn – wie ich glaube – seit seinen Anfängen begleitet.

In der dauerhaften Gestaltung, die er für die kanarische Regierung an der Fassade und im Eingangsbereich der neuen Büros „Oficinas de Canarias Cultura en Red" umsetzte, tauchen die oben genannten Gestaltungsmerkmale wieder auf: Wir sehen das Rot, sein Licht und seine Farbe, die so weitgehende Überwachung, dass man am Ende das eigene Gesicht als Teil des Büroeingangs wahrnimmt, die Textwarnungen (in den Textanzeigen mit roten Buchstaben) auf der Fassade, der Versuch des Eintauchens vom Eingang in eine Umgebung der sinnlichen Deprivation, so dass der Besucher sich schnell in das einfügt, was ihn erwartet. Und was ihn hier erwartet, ist die Erweiterung der kanarischen Kultur; es umgeben ihn Wände mit Photos von den sieben kanarischen Hauptstädten auf der jeweiligen Insel.
Seine Vorliebe für die Desorientierung findet darin Ausdruck, dass er den Boden und die Treppe des Eingangsbereichs mit künstlichem Gras bedeckt und auf diese Weise einen instabilen Boden erschafft, der die Sicherheit aus den Schritten nimmt und einen dazu zwingt, diese zu ändern und folglich mit einer gewissen Vorsicht das neue Büro zu betreten. So lässt sich abschließend sagen, dass diese Gestaltung von Francis Naranjo nicht einfach ein weiteres Kunstwerk in seiner Laufbahn, sondern den Erfolg darstellt, diesen Auftrag zu überwinden, den Auftraggeber zufrieden zu stellen und weiterhin das zu reflektieren, was ihn beschäftigt und ihm in letzter Zeit Sorgen bereitet.

Text: Nilo Casares
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