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M/The New York Art World - Hommage an Seymour Boardman


Seymour Boardman - Untitled 1980

Anita Shapolsky Gallery
Von Joel Simpson

Seymour Boardman, der mit 84 Jahren im Oktober letzten Jahres verstarb, ist das Thema dieser Retrospektive, die in der Anita Shapolsky Gallerie gezeigt wird. Anita Shapolsky war eine langjährige Freundin des Künstlers und dessen künstlerische Repräsentantin. Obwohl die Anzahl der ausgestellten Werke nicht sehr groß ist, so stellt doch auch die kleinere Auswahl die Bandbreite der Stile vor, die der Künstler in seinen verschiedenen Lebensphasen malerisch verwirklicht hat, und davon sind hier einige seiner bedeutendsten Gemälde zu sehen. Die Ausstellung beinhaltet auch interessante Werke von Boardmans Freunden: Lawrence Calcagno, Perez Celis, John Hultberg, Burt Hasen, Richards Ruben, Robert Ryman und Nassos Daphnis.



Seymour Boardman - Untitled 2002

Boardman war ein in New York ansässiger, abstrakter Expressionist, der von 1946 bis 1948 in Paris und eine Weile im Studio Fernand Legers studiert hat. In den 50ern erhielt er erstmals breitere Anerkennung für sein Gemälde von eingekerbten Facetten, auf das man durch ein gefrorenes Glas zu blicken scheint, ohne scharfe Linien und in hellen Farben, bevorzugt Rottönen. Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, u.a. den John Simon Guggenheim Preis von 1973.

Das Außergewöhnliche an Boardman sind seine abrupten Stilwechsel. Für eine Weile malt er in einem bestimmten Stil und wendet sich dann plötzlich einer scheinbar unverbundenen anderen Richtung zu. Zum Beispiel: In den frühen 60ern schuf er einen Übergang von diesen reichfacettierten Gemälden der 50er, die Reichhaltigkeit und Vielfalt zu zelebrieren scheinen, zu einfacheren zwei- oder dreifarbigen Gemälden, die von einem parabelförmigen Bogen beherrscht werden, wo sich die zwei Farben treffen. Die Farben sind immer tief, oft gesättigt, wie Dunkelgrün und Schwarz oder Kastanienbraun und Kobaltblau. Die Ausdrucksbewegungen dieser Gemälde vermitteln eine einfache Gewissheit.
In den späten 60ern nahm Boardman einen anderen abrupten Wechsel vor und fing an, schwarze Gemälde mit einzelnen Zackenlinien auf unbearbeiteter Leinwand zu produzieren, die von einem oberen zu einem unteren Rand verlaufen; man könnte sie Wege durch unsichtbare Labyrinthe, oder vielleicht auch durch Meere der Unruhen, nennen. Aufgrund ihrer stark pessimistischen Stimmung scheinen sie gar nicht mit seinem früheren Werk in Verbindung zu stehen.



Seymour Boardman - Totem 1959

Es wird zwar immer gesagt, der Künstler sei apolitisch gewesen, nichtsdestotrotz lassen sich Wertigkeiten des Zeitgeistes zu diesen stilistischen Veränderungen feststellen. Es würde logisch erscheinen, wenn sich jemand, der zu Zeiten der Großen Depression aufwuchs und vom zweiten Weltkrieg in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen wurde, erregt fühlte angesichts der Möglichkeiten für Wachstum und Selbstausdruck in den 50ern, einer Dekade, die – bei all ihrem vorstädtischen Konformismus – noch die Beat Bewegung hervorbrachte, die Geburtsstunde von radikalen Losbrechbewegungen im zeitgenössischen Jazz erlebte und eine Reihe von Fachmännern seiner eigenen abstrakten Kunst versorgte. Die frühen 60er waren in dieser Hinsicht sogar eine noch hoffnungsvollere Zeit. Mit einem jungen John Kennedy als Präsident und dem soliden Fortschritt der Bürgerrechtsbewegung wechselt Boardmans Stil über zu einem Stil, der mit seinen einfachen Farben und Pinselstrichen von großem Vertrauen, ja vielleicht sogar Optimismus zeugt.



Als der Vietnamkrieg zunehmend die nationale Stimmung drückt – um es mal milde zu formulieren – und eine paranoide Nixon-Ära sich zu entfalten beginnt, scheint Boardmans Werk von Verzweiflung zu erzählen, von einem schmalen Zickzackweg durch Angst und Furcht. In einem anderen Teil der Kunstwelt wird der Postmodernismus geboren, der die Duplizität von öffentlichem Diskurs und Bild verspottet. Der abstrakte Expressionist Boardman aber, dessen Gemälde bisher Energie, Fülle, Vielfalt und Überzeugung zelebriert haben, entfernt kurzerhand das Bild.
Aber formgetreu bleibt er auch nicht an dieser Stelle stehen. Stets rastlos geht er in den 70ern dazu über, Rechtecke zu benutzen, gerahmt von linearen Rechtecken gegen einen kontrastierenden farbigen Hintergrund. Man denke sich einen Rothko, der sich über einen Mondrian erhebt. In den 80ern sehen wir wieder eine Rückkehr zu den gezackten Wegen; helle volle Farben ersetzen das Schwarz, und die Wege werden davon abgehalten, an den Rändern der Leinwand zu enden.
Sicherlich bleibt es rein spekulativ anzunehmen, bis zu welchem Grad das Werk eines Künstlers eine gegebene sozial-politische Umwelt widerspiegelt. Der Umfang und die Raffinesse des Boardmanschen Gesamtwerkes, wie es hier präsentiert wird, sind jedenfalls voll von versteckten Labyrinthen und Bedeutungsnuancen.

Übersetzung: Army Lee

Der Text wurde von M / The New York Art World zu Vefügung gestellt

www.thenewyorkartworld.com

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