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M/The New York Art World - Gastbeitrag


Er spielte eine Schlüsselrolle darin, die Armory Show von einer alternativen Kunstmesse im Jahre 2001 in das Hauptereignis, das sie heute ist, zu verwandeln. Der ehemalige Geschäftsführer Timothy Hartley Smith sinniert hier nun über die Geschichte der Messe und die Auswirkungen für ihre Zukunft unter der derzeitigen Leitung.

Von Timothy Hartley Smith


Die Entstehung der Armory Show begann während einer Unterhaltung zwischen den New Yorker Kunsthändlern Pat Hearn, Colin De Land, Matthew Marks und Paul Morris zu Zeiten eines geschäftlichen Tiefs. Sie suchten gemeinsam nach einem Anreiz für die Steigerung der Ausstellungsmöglichkeiten ihrer Künstler und nach einer Starthilfe für den Kunstmarkt in New York. Das Ergebnis war eine Kunstmesse in einem Hotel, und so wurde die „Gramercy International Contemporary Art Fair“ dann im Mai 1994 eröffnet.



Timothy Hartley Smith - Managing Director of The Armory Show 2001 - 2005

Die neue, unkonventionelle Kunstmesse erwies sich als äußerst beliebt und nahm über die nächsten vielen Jahre ein solches Ausmaß an, dass das Hotel als Veranstaltungsort sich nicht länger als adäquat für die Ausstellung der Kunstwerke oder für die Unterbringung der wachsenden Menschenmengen erwies. Im Jahre 1999 wurde die Messe zu dem „Armory on Lexington“ und der „26th Street“ verlegt und übernahm anschließend einen neuen Namen „The Armory Show“ – mit Bezug auf die legendäre Ausstellung 1913, die an genau demselben Ort stattfand. Der Beginn der Armory Show fiel zeitlich mit einem allgemeinen Wiederaufleben der Popularität von Kunstmessen als Sammelplätze für Sammler, Kunstliebhaber und –händler zusammen.

Im Jahre 2001 verdoppelte sich die Größe der Armory Show und wurde ein weiteres Mal an ihren derzeitigen Veranstaltungsort, die „Show Piers“ am Hudson River, verlegt. Leider versäumten es die Messeinhaber vorauszusehen, wie ein geteilter Veranstaltungsort (z.B. zwei separate Piere) und eine verdoppelte Größe sich sowohl auf das Management als auch auf die Produktion eines ursprünglichen „Tante Emma“-Betriebs auswirken würden; die Organisation war mit nur zwei festen Angestellten und einem winzigen Aushilfspersonal beansprucht bis zum Äußersten. Vom Produktionsstandpunkt aus betrachtet war die Messe desaströs; sie fand ihren Höhepunkt in einer Petition, die von Dutzenden von teilnehmenden Händlern unterschrieben worden war, und die nach rollenden Köpfen und einer vollständigen Neuordnung der Messeleitung verlangte.

Zum Teil auch als Erwiderung darauf wurde ich kurz nach der Messe 2001 engagiert, um das Management zu unterstützen und eine Umrüstung der Organisation vorzunehmen. Ich richtete Strategien und Verfahrensweisen ein, die den Professionalismus des Betriebs erhöhten, den Namen als Marke verbreiteten und seine Position im Wettkampf mit Messen wie Art Basel, Art Basel Miami Beach, Frieze Art Fair und einer Anzahl an regionaleren Messen in Europa, Lateinamerika und Asien verbesserten. Ich habe meine Bemühungen darauf konzentriert, starke Beziehungen mit ausstellenden Galerien, Institutionen und privaten Sammlern aufzubauen. Ich richtete auch ein VIP-Programm ein, das überall einen Standard für Kunstmessen setzte - besonders im Hinblick auf Nebenveranstaltungen während und im Umfeld der Messe, wie vor allem ausgedehnte Besuche bei Privatsammlungen in New York. Ich habe zudem das erste förmliche Sponsorenprogramm für die Armory Show entwickelt – die Saat, die auch in Zukunft Früchte für die Organisation tragen wird.

Nach dem Tod der Gründer Pat Hearn und Colin De Land gab es einen deutlichen Verlust an praktischer, kreativer Mitwirkung unter den verbliebenen Inhabern. Matthew Marks hatte wenig oder auch gar kein Interesse an dem Geschäft; als er in der Presse über die Messe sprach, bezeichnete er diese angeblich als „ein nervtötendes Ärgernis“, und seine öffentlichen Kommentare wurden von einer anhaltenden Distanziertheit von der Geschäftsentwicklung getragen. Paul Morris ist nicht ein Mitarbeiter oder Neuerer. Mein Titel in der Organisation lautete zwar „Geschäftsleiter“ (Managing Director), aber es gab immer und es wird auch weiterhin eine Leiterin der Messe geben, nämlich Katelijne De Backer, die im Wesentlichen hinter den Kulissen bleibt. Es sagt vielleicht schon viel über die Leitung des aktuellen Managements aus, dass der Leiter der Messe im letzten Dezember nirgendwo in Miami zu sehen war, als sich dort die gesamte zeitgenössische Kunstwelt für die Art Basel Miami Beach versammelte. Einige Händler nahmen mich beiseite, um Entwicklungen an der Armory Show zu diskutieren, obwohl sie sehr wohl wussten, dass ich daran nicht mehr beteiligt war. Angesichts des steigenden Wettkampfes zwischen London und Miami ist es grundlegend, dass sich die der Messe verbliebenen Köpfe wieder darum kümmern, hervorragende Beziehungen zu allen Geschäftsinteressenten zu pflegen und aufzubauen. Heutzutage ist es schlichtweg nicht angemessen, sich lediglich auf den Ruf oder den Veranstaltungsort zu verlassen. Das alte Sprichwort „if you build it, they will come“(wenn du es erbaust, werden sie kommen), ist nicht länger ausreichend.

Die Messe hat im allgemeinen eine großartige Leistung vollbracht, als sie die besten Galerien für die Teilnahme ausgewählt hat – zum Großteil dank eines hervorragenden und unabhängigen Auswahlkomitees. Eine starke Führerschaft ist von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, die Weltbesten zu behalten und anzuziehen, und in dem Lineup der Armory Show 2006 vermisst man leider einige sehr entscheidenden Galerien. Meine Hoffnung besteht darin, dass dies einen sehr beanspruchenden Kunstmesse-Terminkalender und einen Fokus auf Märkte außerhalb von New York, und nicht einen Vertrauensverlust in die Zukunft der Messe, widerspiegelt. New York als das Zentrum der zeitgenössischen Kunstwelt verdient eine starke Weltklasse-Kunstmesse.


Übersetzung: Armi Lee

www.thenewyorkartworld.com

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