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Langer Bericht über die cige, Peking 06


Tian Yuan (White Space Beijing) vor einem Wang Yin Bild

Die "China International Gallery Exposition 2006" fand in den üblichen Ausstellungshallen des "China World Trade Centers" in Peking statt. Die diesjährige Ausgabe der cige war im Vorfeld umstritten. Es gingen die Gerüchte um, dass der Manager das Unternehmen verlassen habe und die messeleitende Firma übernommen wurde. Wir beschlossen, diesen Gerüchten auf den Grund zu gehen und uns nach Peking zu begeben.
Der erste Eindruck der Messe war gut. Wir bemerkten eine zusätzliche Halle, einen Projektraum. Es schien, als hätte sich die Messe positiv verändert. Die unangenehme Überraschung war nur, dass sich das neue Managing Team der Messe an der Rezeption als wirklich streng erwies, so dass viele nicht an der Messe und der Eröffnungsfeier teilnehmen konnten.
Es gelang uns, einige interessante Personen zu interviewen. Ganz egal, was andere behaupten, wir halten daran fest, dass die cige eine lohnenswerte Messe ist, und dass Peking eine große Zukunft als eine weitere dynamische Hauptstadt für zeitgenössische Künste vor sich hat. Wir beginnen mit den Interviews und zitieren anschließend einige Kommentare von Galeristen:


Conversation between Mr Marek Claassen (Director of Artfacts.Net Ltd.) and Ms Wang Yihan (Executive Director of Beijing Art Exposition's Media Co., Ltd)

AfN: Wie ist Ihr Kontakt zu der Kunstwelt entstanden?

Ms. Wang: Ich bin Künstlerin und habe einen Master in alter Malerei und Kunsterziehung.

AfN: Haben Sie ein persönliches Motto oder einen Lebensspruch?

Ms. Wang: Was immer du auch tust, du solltest einen Traum haben und diesen Traum wahrmachen, um konstruktiv zu sein.

AfN: Dies ist die dritte Ausgabe der cige. Ist es die erste Messe, die Sie organisieren?

Ms. Wang: Ich habe als Supervisor an der ersten und zweiten Ausgabe mitgewirkt. Ich war allerdings nicht für die tägliche Organisation zuständig. Ich habe auch als Investorin gearbeitet und Kontakte hergestellt. Dieses Mal bin ich für alle Organisationsarbeiten verantwortlich. Ich wollte die cige in diesem Jahr erfolgreicher machen und habe folglich das Management übernommen.

AfN: Die cige ist in diesem Jahr gewachsen. Sie haben eine neue Halle, den "Project Space", eingeführt. Es wird gesagt, dass die Verkäufe sehr gut laufen. Haben Sie genaue Vergleichszahlen zum letzten Jahr in Bezug auf Besuchermenge und Verkäufe?

Ms. Wang: In diesem Jahr gibt es mehr Besucher. Insbesondere bei der VIP-Preview. Wir konnten viermal mehr Besucher verzeichnen.

AfN: Wieviele Galerien haben an der cige 2006 teilgenommen?

Ms. Wang: 98

AfN: Werden Sie im nächsten Jahr eine noch größere cige veranstalten?

Ms. Wang: Nein, es geht mir nicht um die Größe. Es geht mir um qualitativ hochwertige Galerien.

AfN: Etwa ein Drittel der teilnehmenden Galerien kommt aus China. Glauben Sie, dass dieses Kontingent die Zusammensetzung führender chinesischer Galerien widerspiegelt?

Ms. Wang: Alle Teilnehmer sind sehr gute Galerien. Die ein oder andere mag vielleicht fehlen, doch auch die hier anwesenden Galerien spiegeln die Situation des zeitgenössischen chinesischen Kunstmarktes angemessen wider.

AfN: cige ist die Abkürzung für "china international gallery exposition". Es ist aber beispielsweise keine Galerie aus Großbritannien anwesend. Werden Sie im nächsten Jahr mehr internationale Galerien einladen?

Ms. Wang: Ja.

AfN: Das Datum - zwei Wochen vor der goldenen Woche (1.Mai) - für die Veranstaltung der cige war gut gewählt. In diesem Jahr ist die cige sehr erfolgreich in Hinsicht auf Geschäfte mit asiatischen und chinesischen Sammler. Die zeitliche Nähe zwischen der Vienna Fair und der cige hat den österreichischen Galerien jedoch einige Schwierigkeiten bereitet. Was sind Ihre Pläne für das nächste Jahr? Werden Sie Ihre Termine besser mit denen anderer internationaler Messen und nationaler Feiertage koordinieren?

Ms. Wang: Im nächsten Jahr werden wir das tun. Wir werden nicht in der ersten Maiwoche eröffnen. Ich denke, im Vergleich zum letzten Jahr, haben wir dieses Mal eine bessere Terminwahl getroffen.

AfN: Die cige ist eine unkuratierte Messe (kein Auswahlkomitee). Internationale Kunstmessen konkurrieren gegeneinander und neigen somit dazu, sich in der Galerienauswahl zu spezialisieren. Haben Sie vor, es ihnen gleich zu tun?

Ms. Wang: Ich gebe zu, dass unsere Organisation zur Zeit noch nicht perfekt ist. Für die nächste cige werde ich ein Kunstkomitee für den Wettkampf organisieren. Zur Zeit haben die Auswahl an hochwertiger Qualität und deren Förderung in China Priorität. Es geht zunächst darum, ein größeres Publikum zu gewinnen und die chinesischen Sammler zu versorgen. Es ist ja erst das dritte Jahr. Es gibt keine Spezialisierung.

AfN: Glauben Sie, dass die Stadt Peking mehr als eine internationale Kunstmesse verkraften kann?

Ms Wang: Am Anfang war die cige keine professionelle Messe. Wir haben diese Messe nach 3 Jahren harter Arbeit schon etabliert. cige wurde zur führenden Kunstmesse in China. Ehemalige Kollegen werden eine neue Messe im Herbst eröffnen.
Meiner Meinung nach kann das nur in Peking funktionieren, wenn es den Sammlern möglich sein sollte, zweimal im Jahr nach Peking zu kommen. Und es ist auch möglich, dass es eine cige im Frühling und eine im Herbst in Shanghai geben wird. Für den Erfolg der neuen Messe sehe ich einige Schwierigkeiten. Ich habe die Organisatoren zur cige eingeladen und ihnen meine Kooperation angeboten, doch es gibt ein anderes Problem: Im Herbst wird auch eine Sammlerkunstausstellung, organisiert von dem Ministerium für die Kultur Chinas, stattfinden.

AfN: Ist der chinesische Kunstmarkt nicht groß genug, um diese Veranstaltungen zu verkraften?

Ms. Wang: Zur Zeit ist er für so viele Messen nicht geeignet. Der chinesische Sammler ist nicht so sachkundig.

AfN: Gibt es eine Möglichkeit, in Zukunft zu kooperieren, um eine größere Harmonie zu festigen und so eine positivere Situation für die zeitgenössische Kunst in China zu schaffen?

Ms. Wang: Wir wissen nicht, was mit den Kunstmessen der ehemaligen Kollegen sein wird.

AfN: In Berlin gibt es beispielsweise auch einen sehr schwachen Markt. Die Messen kooperieren, organisieren Shuttles und sprechen die Termine untereinander ab. Können Sie einen Zeitrahmen angeben, innerhalb dessen eine kooperative Situation auch in Peking etabliert sein könnte?

Ms. Wang: Es gibt ein chinesisches Sprichwort: Wenn man lang zusammen bleibt, trennt man sich. Aber wenn man für eine lange Zeit getrennt ist, hat man die Chance, zusammen zu arbeiten. Sollten unsere Ex-Kollegen eines Tages Hilfe brauchen, dann werden wir kooperieren.

AfN: Findet die nächste cige auch im April und am gleichen Ort statt?

Ms. Wang: Ich möchte den internationalen Galerien nur sagen, dass sie die Kunst, die sie in ihrer Heimat verkaufen, hier einmal vorstellen sollten. Wir hoffen, dass sie unseren Wunsch verstehen. Die chinesische Wirtschaft wächst sehr schnell, und viele Leute interessieren sich für zeitgenössische Kunst. Es gibt da eine Erfolgsaussicht für ein Land, mit einem anderen in Kontakt zu treten, eine Verbindung aufzunehmen. Die Chinesen werden das verstehen.

AfN: Glauben Sie, dass sich dieses Engagement letztendlich für die Galerien - im wahrsten Sinne des Wortes - auszahlen wird? Sie würden viel riskieren. Es heißt, man könne chinesische Kunst nur an chinesische Sammler verkaufen.

Ms. Wang: Die Sammler sind in der Regel sehr aufgeschlossen. China ist ein großes Land. Sie brauchen eine Chance. Für jeden Sammler möchte ich die besten ausländischen Galerien auswählen, weil diese in der Lage sind, die besten Kunstwerke nach China zu bringen.
Die jetzige Situation in China hat sich sehr verändert. Früher hat die chinesische Regierung noch sehr viel Druck ausgeübt. Das tut sie jetzt nicht mehr.

AfN: Ich danke Ihnen für das Gespräch, Ms. Wang.

Ms. Wang: Ich danke Ihnen.



(above old photo of Mr. Dong from the opening of cige 2004. The Interview is from April 14th 2006 in the Swiss Hotel Beijing between: Mr. Mengyang Dong (CEO, Beijing Artfair Culture Co., Ltd), Mr. Henry Sui (CEO, Beijing Artfair Culture Co., Ltd) and Marek Claassen (Director, Artfacts.Net Ltd)

AfN: Wie ist Ihr Kontakt zur Kunstwelt entstanden?

Mr. Dong: Im Jahre 1993 habe ich angefangen, Kunstmessen zu organisieren, und ich habe im Hauptfach Kunst studiert. Abgeschlossen habe ich das Studium in Geschichte an der Zentralakademie für Bildende Künste.

AfN: Die erste Kunstmesse im Jahre 1993? Das ist lange her. Hier in Peking?

Mr. Dong: Zu der Zeit gab es keine Galerie in China. Die Kunstmesse war so etwas wie ein Kunstverkauf.

AfN: Wie ein Bazar? Kunstverkauf in dem Sinne?

Mr. Dong: Die Beteiligten waren Künstler.

AfN: Eine Plattform, um zeitgenössische Kunst zu fördern und zu verkaufen?

Mr. Dong: Ja.

AfN: Wieviele Messen haben Sie schon organisiert?

Mr. Dong: 10 Messen.

AfN: Haben Sie ein persönliches Motto oder einen Lebensspruch?

Mr. Dong: Ich kann mich nicht an einen Spruch erinnern. [lacht] Wenn Sie wirklich darauf bestehen: Ich hoffe, meine Messe ist der beste Ort in der Welt, um Kunst zu sammeln und die besten Kunstwerke Asiens zu kaufen.

AfN: Sie sind weltweit dadurch berühmt geworden, dass sie die cige in den vergangenen Jahren organisiert haben. Haben Sie vor, zukünftige Kunstmessen zu organisieren?

Mr. Dong: Ja.

AfN: Wie wird Ihre neue Messe heißen?

Mr. Dong: Art Bejing.

AfN: Glauben Sie, dass Peking mehr als eine internationale Messe verkraften kann?

Mr. Dong: Eigentlich braucht China nur eine internationale Kunstmesse.

AfN: Führende Messen wie Art Basel, Frieze, Armory Show oder Art Forum etc. ziehen andere kleinere Messen an, zur gleichen Zeit an den gleichen Ort, um einen riesigen Anziehungspunkt zu schaffen. Wird sich das auch so in Peking entwickeln?

Mr. Dong: Ich denke, das gleiche wird auch in Peking passieren. Und ich denke, Peking ist nicht nur der Ort für Kunst in China, sondern in ganz Asien. Es wird zum Beispiel eine weitere Kunstmesse im Oktober stattfinden. Zudem Fang Lijun Solo-Ausstellung und andere Veranstaltungen.

AfN: Ich habe gelesen, dass der chinesische Kunstmarkt in erster Linie von klassischen Ölgemälden beherrscht wird. Ich meine den Markt als Ganzes. Wann erwarten Sie einen Durchbruch für die zeitgenössische Kunst?

Mr. Dong: In den nächsten zwei Jahren.

AfN: Ist die traditionelle Kunstrezeption der Hauptgrund für die unkuratierte Galerienauswahl auf der cige 2004 oder Ihrer letzten Messe, der cige 2005? Akzeptieren Sie irgendwelche Galerien, weil es nicht genug gibt?

Mr. Dong: Es gibt noch immer nicht genug zeitgenössische Kunstgalerien in China.

AfN: Es gibt relativ viele ausländische Galerien, die sich in Peking niederlassen. Lorenz Helbing, Brian Wallace, Meg Maggio, Alexander Ochs, Lothar Albrecht, um nur einige Beispiele zu nennen. Soweit ich weiß, gibt es nur einen Chinesen, der eine Galerie im Westen führt, und das ist Chris Mao aus Chambers, New York City. Wird sich dieses Ungleichgewicht verändern?

Mr. Dong: Ich denke nicht, dass sich diese Tendenz in naher Zukunft ändern wird, weil chinesische Kunstressourcen sehr verlassen dastehen, und die Förderungskraft - wie Galerien - in China nicht sehr stark ist. Dieser Markt braucht mehr ausländische Kunstgalerien, die in China die zeitgenössische Kunst fördern.

AfN: Im letzten Jahr fand die cige während der goldenen Woche im Mai statt. Das war aufgrund des Mangels an Sammlern ein Problem. Das läge angeblich daran, dass viele sich dann im Urlaub befänden. In diesem Jahr ist die cige sehr erfolgreich in Hinsicht auf Geschäften mit asiatischen und chinesischen Sammlern. Ich habe gehört, sie würden eine neue Messe im Oktober planen. Stimmt das?

Mr. Dong: Ja [lacht]. Diese Nachricht ist nicht sehr genau.

AfN: Der Schwerpunkt der Frage lag auf dem Aspekt, dass die cige in der Urlaubszeit lag. Und ob Sie denken, dass dies ein Problem gewesen sein könnte oder nicht.

Mr. Dong: Sie klingen eher wie ein Reporter als ein Journalist. Ich hoffe, Sie geben an die Außenwelt sehr genaue Nachrichten weiter.

AfN: Ich kann die Frage auch weglassen. Kein Problem.

Mr. Dong: Es ist eigentlich sehr schwierig, den Ort im Voraus zu beurteilen. Wir kurbeln die Kunstmesse erst mal an, dann entscheiden wir, sie zu bewegen, und dann vergleichen wir.

AfN: Liegt es daran, dass der Markt gerade erst anfängt zu wachsen?

Mr. Dong: Ja. Aber es ist zu früh für ein Urteil. Der Markt fängt gerade erst an zu wachsen. Man muss verschiedene Termine austesten. In der letzten Zeit hatte die Sotheby's Auktion einen großen Einfluss auf den chinesischen Markt, insbesondere für die zeitgenössischen Künste.

AfN: Wie wird die neue Messe sein? Können Sie sie beschreiben, die Art Beijing?

Mr. Dong: Zur Zeit ist es für europäische Kunstwerke unter den momentanen Umständen in China schwierig, einen Markt in diesem Land zu finden. Darum verlässt sich unser Markt zum Großteil auf chinesische und asiatische Galerien.
Vergleicht man die Art Beijing mit der jetzigen cige, dann lässt sich sagen, dass alle wichtigen asiatischen und chinesischen Galerien immer noch nicht zu dieser Veranstaltung gekommen sind, weil sie auf unsere Kunstmesse warten.
Auch einige Teilnehmer dieser cige werden an unserer Kunstmesse teilnehmen.

AfN: Im Oktober finden die Messen Fiac, Art Cologne, Frieze und Art Forum statt. Werden Sie bei Ihrer Terminplanung die Termine anderer Messen berücksichtigen? Oder denken Sie ausschließlich an Asien und vernachlässigen aus dem Grunde andere Messen und Veranstaltungen?

Mr. Dong: Wir berücksichtigen die Termine anderer Kunstmessen. Aber wir können nicht alle Kunstmessen berücksichtigen.

AfN: Aber zum Beispiel die Frieze?

Mr. Dong: Wir denken zur Zeit darüber nach, unsere Kunstmesse auf den September zu verlegen. Das wäre vielleicht besser.

AfN: Werden Sie ein Auswahlkomitee für die Galerien einberufen? Oder wer sucht die Galerien aus?

Mr. Dong: Es wird im allgemeinen kein Auswahlkomitee wie auf ausländischen Kunstmessen geben. Wir haben viele Kritiker und Kuratoren in unserer Organisation, die sich die Bewerbungen ansehen und die Qualität der Kunstwerke begutachten werden.

AfN: Planen Sie Sonderveranstaltungen, die die Messe begleiten werden? Oder wird es außer der Fang Lijun-Ausstellung noch andere Sonderveranstaltungen geben, die Sie erwähnen möchten?

Mr. Dong: Wir werden selbstverständlich eine ganze Reihe an Sonderveranstaltungen im Rahmen unserer Kunstmesse anzubieten haben. Es wird z.B. eine Gruppenausstellung geben mit dem Titel: "new sources, new direction or new trend".
[...] Es wird von Graduierten und Dozenten von Kunstinstitutionen organisiert werden. Einige von ihnen haben bereits einen Marktwert, andere sind noch unbekannt.

AfN: Innerhalb der Art Bejing?

Mr. Dong: Direkt draußen. Die Veranstaltung wird von BMW unterstützt. BMW ist auch unser Sponsor.

AfN: Wieviele Galerien werden auf der Art Bejing sein?

Mr. Dong: 100

AfN: Möchten Sie vielleicht noch einen persönlichen Kommentar abgeben?

Mr. Dong: Ich sagte es bereits: wir brauchen nur eine internationale Kunstmesse. Das heißt nicht, dass es nur eine in der Region gibt. Es gibt viele. Aber wir glauben, dass es nur eine geben kann, die sich in der führenden Position wiederfinden wird. Wir versuchen, dorthin zu gelangen, das zu erreichen.

AfN: Eine Art Frieze Asiens? Für zeitgenössische Kunst?

Mr. Dong: Sie meinen Basel?

AfN: Nicht Basel, vielleicht eher Miami Beach?

Mr. Dong: In Asien gibt es zur Zeit keine Kunstmesse wie Basel. Wir hoffen nur, dass die Sammler, die die beste Kunst aus Asien kaufen wollen, im Oktober hierhin kommen werden. Jedes Jahr.

AfN: Im Sommer, während der Art Basel, findet auch eine Asienmesse statt. Wissen Sie davon?

Mr. Dong: In Basel oder in China?

AfN: Basel.

Mr. Dong: [lacht] Keine Konkurrenz. Wir haben unsere Vorteile.

AfN: Die Art Basel hat übrigens zwei Teile: moderne klassische und zeitgenössische Kunst. Wird es bei Ihnen auch zwei Teile geben? Modern und zeitgenössisch?

Mr. Dong: Das liegt daran, dass Art Basel die Spitzenposition in dieser Industrie eingenommen hat. Wir sollten von Basel lernen. Auf unserer Messe haben wir auch einen Bereich wie "unlimited art".

AfN: Aber das ist nicht der neue Trend, über den Sie gesprochen haben. Das ist etwas anderes.

Mr. Dong: Das ist innerhalb der Messehallen, nicht außerhalb davon.

AfN: Gut, vielen Dank.

Mr. Dong: Wir brauchen für diese Idee viel mehr Zeit. Wir nähern uns dem Ziel schrittweise. Art Basel brauchte 36 Jahre.

AfN: 36 - das ist lang. Art Basel begann im Jahr '67!

Mr. Dong: 67, ja.

AfN: Sie werden genauso lange brauchen?

Mr. Dong: Nein, wir werden nicht einen so langen Weg beschreiten. Wir werden schneller an den Punkt gelangen als die Art Basel.

AfN: Vielen Dank, Mr. Dong.

Mr. Dong: Vielen Dank und auf Wiedersehen.



Statement from Brian Wallace (Red Gate Gallery, Beijing)

AfN: Mr. Wallace, wie gefällt Ihnen die Messe?

Mr. Wallace: Ich denke, diese Messe ist weitaus gelungener als die des letzten Jahres. Ich habe ein gutes Gefühl. Ich habe mehr verkauft. Es gab insgesamt mehr Händler. Aber wir warten noch auf die Sammler, und ich glaube, man sollte dafür mehr tun. Ich komme nächstes Jahr natürlich wieder, und ich denke, die alten Galerien des letzten Jahres werden auch wiederkommen.

Statement from Bärbel Grässlin, Florian Baron (Galerie Nagel) and Christian Nagel (Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt; Galerie Christian Nagel, Berlin)

AfN: Ms. Grässlin, Mr. Baron und Mr. Nagel, wie gefällt Ihnen die Messe?

Grässlin, Baron, Nagel: Das ist unser zweites Jahr. Ich denke, der Messe fehlen ein Auswahlkomitee und die guten Galerien wie Gagosian vom letzten Jahr. Wir würden uns für die ausländischen Galerien mehr Unterstützung von den örtlichen Galerien wünschen, so etwas wie ein asiatisches Sammlerprogramm, eine Künstlerversammlung, etc.

Statement from Deddy Irianto (Langgeng icon gallery, Jakarta)

AfN: Mr. Irianto, wie gefällt Ihnen die Messe?

Mr. Irianto: Das ist mein erstes Jahr hier. Die Messe ist soweit in Ordnung. Es gibt aber einen Mangel an Professionalität, an großen Künstlern aus China und Asien. Und es ist schon schade, dass diese Künstler fehlen, wo wir hier doch in Asien sind. Ich werde nächstes Jahr höchstwahrscheinlich wiederkommen. Für meine Künstler gab es viel positive Resonanz, insbesondere auf Agus Suwage reagierten Sammler aus Japan, Europa und Korea interessiert.

Above: Artworks from Manolo Valdés. Statement from Philipe Koutouzis (Marlborough Gallery, New York)

AfN: Mr. Koutouzis, wie gefällt Ihnen die Messe?

Mr. Koutouzis: Ich finde die Messe gut. Ein bisschen unorganisiert, aber dafür, dass ein neues Messemanagement das Ganze zum ersten Mal organisiert hat, muss man diesem Management schon ein Lob aussprechen. Es gab gute Presse. Die Willkommenszeremonie war kurz. Ich hoffe nur, dass der Stand im nächsten Jahr ein bisschen größer ausfallen wird. Ich glaube, dass die Asiaten sich auch für westliche Kunst interessieren. Es war also interessant dieses Mal eine westliche und asiatische Ecke zu präsentieren.

Statement from Dae-Hyung Lee (SUN contemporary, Seoul)

AfN: Mr. Lee, wie gefällt Ihnen die Messe?
Mr. Lee: Die Messe ist gut. Ich werde im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederkommen. Das Interesse an Asien wächst zur Zeit in allen Winkeln der Welt an. Ich habe zum Beispiel verschiedene Künstler mitgebracht, und es ist interessant zu beobachten, wer sich für welchen Künstler interessiert:

  • MyungSook Kim wurde von chinesischen und japanischen Sammlern bevorzugt

  • WooLim Lee wurde von europäischen Sammlern bevorzugt

  • Wohingegen SungMyung Chun für die nächste Busan Biennale ausgewählt wurde



Photo: Julia Raab. Statement from Ingrid Raab (Raab Galerie, Berlin)

AfN: Ms. Raab, wie gefällt Ihnen die Messe?

Ms. Raab: Wundervoll! Ich fand sie sehr interessant. Dies ist mein erstes Jahr auf der cige, und ich finde es interessant zu sehen, wie der Markt hier funktioniert. Ich würde im nächsten Jahr gern wiederkommen. Ich vertrete u.a. den Künstler Qin Feng. Ich erhalte ein tolles Feedback für diesen Künstler.

Statement from Alexander Ochs Galleries Berlin | Beijing

AfN: Mr. Ochs, wie gefällt Ihnen die Messe?

Mr. Ochs: Wir sind auf der cige eine der Galerien mit internationaler Erfahrung, im Gegensatz zu den meisten chinesischen, indonesischen, koreanischen Kollegen. Dies ist unsere zweite cige. Die cige hat internationale Galerien wie Gagosian und Krinzinger aufgrund des Vorbereitungsärgers verloren. Junge Kollegen wie Binz & Krämer, Cologne oder Spielhaus Morrison Berlin sagten in der letzten Minute ab. Im letzten Jahr haben wir Werke von Jörg Immendorff und Franz Gertsch gezeigt und kein Geschäft gemacht. In diesem Jahr zeigen wir chinesische Künstler und waren schon nach dem ersten Tag ausverkauft.
In diesem Jahr sind chinesische Sammler das Kernklientel. Sie leben in Peking, Shanghai, in Guangdong, Hong Kong und in Jakarta oder Taiwan. Als die Messe vorbereitet wurde, berücksichtigte die Organisation nicht die europäischen und westlichen Sammler. Für die Preview haben wir nur zwei Eintrittskarten erhalten. Wir konnten also nicht unsere Sammler einladen. In diesem Jahr hatten wir viel mehr chinesische Besucher, was ich auf die Terminverlegung zurückführe. Mr. Dong wurde von dem Kulturministerium verdrängt, und nicht von Ms. Wang. Mr. Dong wusste, dass die Künstler und ihre Kunst im Mittelpunkt einer Kunstmesse stehen müssen. Ms. Wang wusste das nicht und verweigerte 90% der Pekinger Künstler den Eintritt zur Eröffnung. Mr. Dong bereitet nun eine neue Messe vor, aber ich würde empfehlen, Mr. Dong die cige wieder zu geben. Das Datum für die Eröffnungsrezeption der neuen Messe (4. Oktober) erscheint mir sehr unvorteilhaft. Alle europäischen Galerien und Sammler sind dann bereits an Messen in Europa gebunden. Das gilt auch für Galerien, die seit mehreren Jahren chinesische Künstler vertreten wie etwa meine Kollegen Urs Meile und Lorenz Helbing (Shangart). Ich wurde empfehlen, den Termin auf den September 2006 zu verlegen und einen Termin zu verhandeln zwischen der cige und der ArtBejing im Frühling 2007. Die Stadt Bejing verdient mit ihrer lebendigen Kunstszene eine führende Messe, und wir müssen aufpassen, dass unsere chinesischen Freunde nicht wieder beschließen, sich als Insel zu isolieren. Langfristig kann es nur einen chinesischen Kunstmarkt geben, der in den internationalen Kunstmarkt integriert ist.

www.cige-bj.com

(15.4.2006)

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