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22. Ausgabe der Art Amsterdam


Julia Schrader Schraders Skulptur aus schwarzen Sonnen- blumenkernen vor Arbeiten von Svätopulk Mikyta, Walderdorff Galerie, Cologne


Die Art Amsterdam (ehemals kunstRAI) findet während eines sonnigen Wochenendes statt, das von Feiertagen noch zusätzlich verlängert wird: dem Totengedenktag (4.Mai) und dem Befreiungstag (5.Mai). Die öffentliche Stimmung ist dementsprechend entspannt, und ebenso ist auch die Messe: recht entspannt, aufgeschlossen, leicht. Nur der plötzliche Tod von Karel Appel legt seinen Schatten über die Messe. Doch auch das geschieht nur zum Teil, weil es sich hier um eine junge Messe handelt. Eine junge Messe in ihrer 22. Ausgabe. In den letzten Jahren befreite die neue Direktorin Anneke Oele die Messe von ihrem verstaubten Image. Das nachfolgende Interview mit ihr verschafft dem Leser einen Eindruck von dem derzeitigen Trend. Wir haben auch die Galerien nach ihrer Meinung gefragt. An diesen Tagen hoffen die meisten von ihnen auf schlechtes Wetter. . Zu den Galerienkommentaren

Anneke Oele
Interview mit Anneke Oele, Amsterdam RAI (KunstRAI/ArtAmsterdam)

AAfN: Wie ist Ihr Kontakt zu der Kunstwelt entstanden?

Frau Oele: Als Kind nahm mich mein Vater mit in die Museen. Ich habe alle Kirchen Frankreichs gesehen. Ich fing an zu sammeln, als ich 18 Jahre alt war.

AfN: Zeitgenössische Kunst?

Ms. Oele: Frau Oele: Zeitgenössische Kunst. Ich war in Arnhem und kaufte dort eine Radierung von Klaas Gubbels. Er ist heute eine bekannter holländischer Künstler. Ich kann nicht sagen, warum ich das tat. Es ist sehr eigenartig, ich habe es einfach getan. Ich habe nicht darüber nachgedacht.

AfN: Ging es nicht vielleicht um den Besitz? Darum, es zu haben?

Frau Oele: Jedes Mal dachte ich: Das will ich haben! Also ging es nur um den Besitz. Aber ich kann Ihnen nicht sagen, warum. Ich liebte es und musste es einfach haben. Dann ging ich zu einer Auktion in Vietnam.

AfN: Vietnam?

Frau Oele: Das ist lange her. Sie hatten da diese Auktion in Holland, um Vietnam zu helfen. Ich wollte etwas kaufen, aber es gelang mir nicht, weil es dort einen Händler gab. Es ging um etwa 100 Gulden. Er bekam alles für 105, weil ich keinen einzigen zusätzlichen Cent bei mir hatte. Und dann kam dieser Künstler zu mir und sagte: Kommen Sie doch mit in mein Atelier, wir werden Ihnen schon etwas finden. Das war sehr nett, ein guter Anfang. Und ich dachte damals, das sei ganz normal. Doch als ich dann eine Galerie besaß, dachte ich mir: Eigentlich war das doch ziemlich eigenartig.

AfN: Sie hatten also eine Galerie?

Frau Oele: Ja, ich studierte Kunstgeschichte und im Jahre 1983 wurde ich Kuratorin an dem Gemeentemuseum in Arnhem. Von 1983 bis 1990 war ich Kuratorin für zeitgenössische Kunst in Arnhem. Und da begann auch die KunstRAI , genaugenommen im Jahre 1984. Ich habe also alle 22 Ausgaben gesehen.

Art Amsterdam
Entrance with bikes

AfN: Oh, Sie haben sie alle gesehen!

Frau Oele: Ich ging dort als Käuferin hin. Für das Museum. Ich ging selbstverständlich zu allen Galerien. Und das war so gut, weil die wichtigsten Galerien wie Fons Welters und Paul Andriesse alle da waren. Damals noch als Anfänger, als kleine Galerien. Fons hatte eine Galerie mit 15*15 m² oder so ähnlich. Es waren sehr sehr schöne Anfänge. 1990 beschloss ich dann, das Museum zu verlassen und selbst eine Galerie zu eröffnen.

AfN: Wie hieß die Galerie?

Frau Oele: In den ersten 3 Jahren war ich bei einer großen Galerie. Ich hatte einen zweiten Raum. Nun ja, es war eine ziemlich alte, aber bekannte Galerie namens „Espace“. Es war fast die erste Galerie in Holland. Sie begannen mit
Karel Appel und Cobra, den 50ern. Ich kannte sie, weil ich schon einige Stücke von ihnen gekauft hatte – natürlich für das Museum. Es ist eine Galerie mit einem sehr persönlichen Touch und einer engen Verbindung zu den Künstlern. Ich liebe diese Art, Geschäfte zu machen.

AfN: Es ist ohnehin ein sehr persönliches Geschäft.


Frau Oele: Ja. Ich arbeitete mit ihnen und hatte eine jüngere Abteilung. In den drei Jahren dachte ich: Ich sollte das selbst tun. Darum ging es. Ich glaube, wenn einem etwas gefällt und wenn man gut ist, dann sollte man es tun. Sie sehen es hier, es ist sehr nett. Zum Beispiel Juliètte Jongma. Sie war anfangs bei Diana Stigter. AUnd nun besitzt sie ihre eigene Galerie. Es gibt mehrere Beispiele. Wenn man nur einigermaßen gut ist, sollte man seine eigene Galerie eröffnen.

AfN: Es ist auch sehr gut für den Kunstmarkt. Das Unternehmertum ist ein lebhafter Teil davon.


Frau Oele: Ja, wirklich. Dann begann ich im Jahr 93 an der Lijnbaansgracht als „Gallery Oele“, wo sich jetzt Akinci und Lumen Travo befinden. Für 7 Jahre war ich eine Nachbarin von Lumen Travo.

Art Amsterdam
Eröffnungsfeier mit Anneke Oele

AfN: Und dann haben Sie sich dafür entschieden, aufzuhören?

Ms. Oele: Frau Oele: Im Jahr 2000 fing ich dann an, für die KunstRAI zu arbeiten. Das ist eine eigenartige Geschichte. Ich begann als Sekretärin, um ein zweites Einkommen zu verdienen. Ich hatte eine gute Galerie, aber es war auch viel Arbeit und wenig Geld. Nach einem halben Jahr war ich die Assistentin der Person, die die Messe vor mir organisierte. Es war ein bisschen wie: Wenn du sie nicht schlagen kannst, schließe dich ihnen an. Denn wir alle wollten verändern.

AfN: Es gehört ja auch der Vergangenheit an, es ist vorbei.

Frau Oele: Ja, ich bin froh, dass es das ist.

AfN: Dann kommen wir nun zu der nächsten Frage. Haben Sie ein persönliches Motto oder einen Lebensslogan?

Frau Oele: Panta rei. Alles fließt.

AfN: Es gibt ein wenig Verwirrung bezüglich des Namens der Messe. Ich erinnere mich immer an die KunstRAI. Worum geht es bei Nu Art und der Art Amsterdam?

Frau Oele: Nu Art ist das Zeichen unserer Kampagne.

AfN: Im nächsten Jahr gibt es einen anderen Slogan?

Frau Oele: Ja. Sie sollten es wie „New Art“ aussprechen.

AfN: “Nu” ist “new”?

Frau Oele: Aber es steht auch für „now“. Now Art. Jetzt Kunst. Es ist unsere diesjährige Kampagne.

AfN: KunstRAI war also der ehemalige Name. Von nun an behalten Sie den Namen KunstRAI nur noch für Leute wie mich bei, der sich an diesen Namen erinnern kann. Aber ab dem nächsten Jahr wird die Messe nur noch Art Amsterdam. Das ist dann also der zukünftige Name der Messe. Wenn wir über die KunstRAI sprechen, sprechen wir über die Art Amsterdam!

Art Amsterdam
Eingangsperformance vom Tijdelijk Museum Amsterdam /(Con)temporary Museum Amsterdam mit Tänzern (Roosmarijn Pallandt, Simon Rowe, Vincent Verburg

Frau Oele: Ja. Und ich kann Ihnen erklären, warum wir das getan haben. Zunächst einmal werden wir in gewisser Weise international. Ich werde später erklären, in welcher Weise. Und der Hauptgrund liegt darin, dass wir beginnen, - über das zeitgenössische Museum Amsterdam in der Stadt – eine Kunstwoche in Amsterdam zu organisieren.

AfN: Wie heißt dieses Museum?


Frau Oele: Es ist ein Konzept, das zeitgenössische Museum Amsterdam.

AfN: Und wie ist das nun mit der Art Amsterdam?

Frau Oele: Die Art Amsterdam ist der Eingang und das Zentrum des Museums.

AfN: Jedes Jahr wird die Art Amsterdam dann auch ein konzeptuelles Museum sein?

Frau Oele: Die Stadt, die Stadt ist das konzeptuelle Museum.

AfN: ... die Art Amsterdam ist der Anfang eines Weges….

Frau Oele: Der Eingang eines konzeptuellen Museums. Es verwandelt die Stadt, die Institutionen in ein Museum als Ganzes. Die Räume eines Museums. Das Stedelijk Museum ist also ein Raum. Das Fotografie Museum Foam und Huis Marseille ist ein Raum. Und die Kunstmesse ist der Eingang, von dem aus man zu den anderen Institutionen gelangt. Dahinter steckt natürlich die Idee, dass es für einen ausländischen Sammler dann umso attraktiver wird, in dieser Woche nach Amsterdam zu kommen.

AfN: Ja, darauf wird sich noch eine spätere Frage beziehen, wenn wir zum Thema “die Stadt und die Messe” kommen. Doch dies ist die 22. Ausgabe der Art Amsterdam. Ist es das erste Jahr, das Sie organisieren?

Frau Oele: Das vierte Jahr.

AfN: Das vierte Jahr. Das ist dann also die vierte Messe, die Sie organisieren. Die KunstRAI, nein, die Art Amsterdam ist eine Messe mit einem alten Namen, und sie ist nicht gerade eine kleine Messe. Was sind Ihre Ziele für die Entwicklung des Kunststandortes Art Amsterdam? Sie sagten, dies sei nun die vierte Messe? Welchen Weg verfolgen Sie, wohin führt all dies?

Frau Oele: In den ersten drei Jahren ging es mir darum, alles so zu gestalten, als wären es die ersten Jahre. Also musste ich es kleiner machen. Ich musste mich darum kümmern, dass jede Topgalerie, die Spitze der holländischen Galerien zurück zu uns findet. Das wurde im letzten Jahr verwirklicht. Im letzten Jahr waren alle davon überzeugt, dass es so kommen würde.

Mary Younakof
Mary Younakof, foto-collages from Art Affairs Gallery, Amsterdam

AfN: Es dauerte also drei Jahre, um die Galerien zu überzeugen?

MFrau Oele: In dem ersten Jahr kamen viele Galerien zurück, aber natürlich nicht alle und vor allem nicht die international wirkenden Galerien. Es war etwas schwieriger, diese zurückzuerobern. Aber nun sind sie zurück, und sie lieben es, und sie lieben es, weil es jeder Sammler liebt. Jeder ist glücklich in Holland. Ich denke, wir sind alle glücklich, dass wir das tun, und es gefällt ihnen, dass wir eine gute Ausstellung anbieten.

AfN: Die Art Amsterdam wird dann alles erreicht haben oder nicht?

Frau Oele: Ja, ja alles; in den ersten drei Jahren erreichten wir alles, was wir wollten ja. Ich denke, sogar mehr, als wir für die ersten drei Jahre erwartet hatten. Und dieses Mal haben wir uns natürlich neue Ziele gesteckt, weil ich denke, dass man nicht aufhören sollte, das zu tun. Man sieht diese Kunstmessen, wo jedes Jahr das gleiche geboten wird. Man sollte jedes Jahr etwas anders machen, und immer besser. Und wir können noch besser werden.

AfN: Wie Sie anfangs sagten: panta rei.

Frau Oele: Genau das ist es.

AfN: Wir kommen nun also zum Thema Stadt. Kunstmessen sind ein wichtiger Teil in der Entwicklung zu einer ereignisorientierten Kunstwelt. Die Kunstmessen tragen auf lebendige Weise dazu bei, dass sich die Kunstwelt immer mehr der Ereignisorientierung zuwendet. Unterhaltung, wenn Sie so wollen. Werden Sie den phänomenalen Flair der Stadt Amsterdam dazu nutzen, die Art Amsterdam als ein internationales Ereignis zu vermarkten? Abgesehen von dieser Museumssache, die Sie vorgesehen haben, dass die Art Amsterdam zu einem virtuellen Eingang wird. Wird es eine tiefergehende Vermischung mit dem Flair der Stadt geben?

Frau Oele: Mein erstes Ziel wird es sein, eine Woche zu haben, die Messe und dann – Sie nennen es ein Ereignis, doch es sollte eine zeitgenössische Kunstwoche sein, wo alle Institutionen diese Kunstmesse reflektieren werden... Wir sind ständig im Gespräch mit den Institutionen und arbeiten weiterhin daran. Die Stadt Amsterdam unterstützt uns, so gut sie kann. Der Amsterdam Promotion Slogan lautet „Ich Amsterdam...“

AfN: Ja, der Slogan gefällt mir.

Frau Oele: ... und da sehen Sie es schon. Sie sind sehr glücklich mit meinen Initiativen, und der Bürgermeister von Amsterdam eröffnete sie letzte Woche.

AfN: Die Stadt und die Messe...

Frau Oele: Wir helfen ihnen, Amsterdam als eine Kulturstadt zu vermarkten, was sie ja auch ist.

AfN: Wieviele Galerien nehmen dieses Jahr teil?

Frau Oele: 125.

AfN: Und letztes Jahr?

Frau Oele: In etwa genauso viele.

AfN: Und etwa zwei Drittel der teilnehmenden Galerien auf der Art Amsterdam sind holländisch? Betrachten Sie die Art Amsterdam in erster Linie als eine nationale Messe?

Frau Oele: Bis jetzt war es eher eine nationale Messe. Doch das ändert sich. In diesem Jahr ändert es sich zum ersten Mal, weil wir die Anzahl internationaler Galerien verdoppeln konnten. Und ich denke, dass es noch internationaler werden muss, weil ich Paul Andriesse, Fons Welters, Annet Gelink und Diana Stigter dabei haben möchte. Es ist wichtig für diese Galerien, ein internationales Umfeld zu haben und internationale Sammler zu treffen.

AfN: Und fordern sie das?

Frau Oele: Nein, sie fordern überhaupt nichts.

AfN: Vielleicht ist es auch interessant, eine nationale Messe zu sehen, zu sehen, wie der holländische Markt funktioniert. Es könnte auch interessant sein, weil jeder über die Internationalität spricht – und Internationalität ist wichtig, ok –, aber wenn ich das sehen will, kann ich auch nach Basel. Dort habe ich viel Internationalität.

Frau Oele: Wir wollen auch nicht Basel werden. Nein nein, aber was wir eigentlich planen, und was für diese Messe am wichtigsten ist, ist, dass wir nicht wachsen wollen. Wir wollen dasselbe Maß beibehalten, aber an Qualität gewinnen.

AfN: Mmmhh.

Frau Oele: Und das tun wir auch wirklich. Wir sagen allen, dass wir insofern international sein wollen, als wir Ausschau nach jungen aufsteigenden und lebhaften Galerien halten. Das ist sehr positiv für holländische Sammler, weil sie sich sehr gern junge Kunst ansehen. Junge Kunst zu sammeln, ist ein typisch holländisches Phänomen. Die Leute wollen mit dem Galeristen nach neuer Kunst Ausschau halten. Und sie unternehmen diese Schritte, um junge Kunst zu fördern.

AfN: Diese jungen Galerien. Ich habe mit Kuttner und Siebert. einer sehr kleinen Berliner Galerie. Und sie haben die Messe wirklich sehr genossen; sie haben Sammler eingeladen, und die Sammler kommen und sehen sich die Kunst an.

Frau Oele: Das gleiche habe ich an diesem Nachmittag auch von Röhr + Ripken gehört. Sie sagten: Alle sind so nett. Und diese holländischen Sammler lieben die jungen Leute und die junge Kunst.

AfN: Sie fühlen sich willkommen.

Art Amsterdam
Pre selection Art Amsterdam

Frau Oele: Das liebe ich. Ich möchte, dass sie wiederkommen und den holländischen Markt kennenlernen. Wenn eine junge Galerie die Qualität besitzt, die wir wollen, dann laden wir sie ein.

AfN: Sie haben einige hochrangige internationale Galerien eingeladen. Um nur einige wenige davon zu nennen: Da wären Paul Andriesse und Diana Stigter, die beide zur Armory gehen. Ellen de Bruijne Projects ist in Basel and Basel Miami. Fons Welters haben wir anfangs erwähnt. Der so klein anfing und nun auf der Armory, Basel, Miami , überall ist.

Frau Oele: Fons ist vielleicht unsere wichtigste Galerie.

AfN: Und Sie? Haben Sie vor, das noch zu übertreffen?

Frau Oele: Wenn ich eine Kunstmesse in Holland veranstalte, und sie sind nicht anwesend, dann sollte ich es ganz sein lassen, weil sie die Besten sind, und wir sie haben müssen.

AfN: Aber Sie sagten doch, Sie wollen nicht eine Art Baselwerden. Sie müssten folglich nicht die Anzahl der Namen erhöhen?

Frau Oele: Wir machen eine Kunstmesse mit unserem eigenen Daseinsrecht. Nicht wie eine der anderen Messen, sondern eine typische Art Amsterdam, wo man auf die Spitze der holländischen zeitgenössischen Kunstgalerien und auf die aufstrebenden jungen Galerien aus den uns umgebenden Ländern treffen kann.

AfN: Ok… verstehe. „Ich“ ist einfach das Programm. Es ist ihnen egal, was woanders gezeigt wird?

Frau Oele: Nein.

AfN: Ok, das Programm gilt, das ist gut.

Frau Oele: Und Christa Schübbe ist hier, und sie ist nicht jung.

AfN: Sie ist großartig, nicht wahr? Wir sehen sie überall auf der Welt!

Frau Oele: Unglaublich.

AfN: Ich weiß nicht, wie sie das körperlich schafft. Wir haben sie gerade erst in China gesehen, dann war sie in Miami. Sie war in New York.

Frau Oele: Ich liebe das! Diese Energie!

AfN: Ja ja. Eine nette Frau. Und sie war übrigens eine Außenseiterin. Ich sah sie in Lissabon, wo ich zum ersten Mal mit ihr sprach... und in Moskau habe ich sie auch gesehen...

Frau Oele: Es ist gut, dass sie dieses junge Programm hat und zusätzlich auch ein altes Programm.

AfN: Ich sagte ihr, sie solle einfach gehen, wohin auch immer sie eingeladen wird, und sie solle ihr Leben genießen, und dann wird sie verstehen. Wie Sie bereits sagten: alles fließt. Und das ist es, was sie tut, und sie ist sehr glücklich damit. In China konnte ich nicht mit ihr sprechen, bei all den Leuten. Und jeder sagte, in China könne man nur chinesische Kunst verkaufen.

Ms. Oele: Yeah, it is not true.

AfN: It is not true.

Frau Oele: Ja, das stimmt nicht.

AfN: Das stimmt nicht.

Frau Oele: Aber sie verkauft alles, wissen Sie [lacht]. Sie ist der Galerieinhaberin, bei der ich gearbeitet habe, sehr ähnlich. Eva Bendien war wie sie, die gleiche Art von Frau. Sehr gut. Und Michael Cosar ist natürlich sehr gut.

AfN: Cosar,, ja. Ich habe ihn gefragt, was ich Sie fragen solle.

Frau Oele: [lacht] Ok

AfN: Ich werde es Ihnen sagen. Es ist in einer Frage versteckt. Aber er ist natürlich sehr sehr gut, sehr aufdringlich und sehr sehr fröhlich.

Frau Oele: Und natürlich Stella Lohaus. Ich bin sehr glücklich, dass sie hier ist. Das ist gut.

AfN: Ja.

Frau Oele: Sie ist für das dritte Jahr hier.

AfN: Nun kommen wir zu einem anderen Punkt. Das ist „kunstkoop“. Soweit ich weiß, ist kunstkoop eine nationale Initiative, um den zeitgenössischen Kunstmarkt in den Niederlanden zu fördern. Holländische Sammler können mit einem zinsfreien Kredit zeitgenössische Kunst von holländischen Galerien kaufen, die vom Mondriaan Fonds ausgewählt wurden. Denken Sie, dass holländische Sammler darum eher von holländischen Galerien als von eingeladenen, ausländischen Galerien kaufen werden?

Willem Hussem (1900 - 1974)
Willem Hussem (1900 - 1974), Compositie met roze en rood olie op doek, 125x200 cm,l.o. gemonogramm. en gedat. 1963. Paol & Co. Fine Art, Amsterdam

Frau Oele: Ich hoffe es nicht. Ich hoffe es natürlich nicht. Und ich glaube nicht, dass es im Endeffekt darum geht. Wissen Sie, die meisten Sammler nutzen das Angebot, um mehr Kunst zu kaufen, also nicht um überhaupt zu kaufen, sondern um mehr zu kaufen. Das ist eine der guten Seiten, wenn man so lange in einer Galerie gearbeitet hat: Ich weiß, dass die Sammler das tun. Ich kenne all diese Sammler von meiner eigenen Galerie. Also kenne ich sie sehr gut, und ich denke nicht, dass sie zögern würden, wenn sie etwas von einer ausländischen Galerie kaufen möchten. Eigenartig wird es, wenn Michael Cosar zum Beispiel einen holländischen Künstler mitbringt und eine andere Galerie in Amsterdam denselben Künstler, und beide Galerien denselben Künstler gleichzeitig auf der Messe ausstellen. Dann könnte man in der holländischen Galerie mit einem zinsfreien Kredit kaufen. Manchmal, wenn nötig, machen sie sich selbst ihre Lösungen.

AfN: Im Hinblick auf mögliche Substitution, weil ihnen vielleicht das eine gefällt, was Cosar hat; weil sie dieses eine ganz besonders mögen.

Frau Oele: Ich weiß, was Sie meinen.

AfN: Zurück zu Michael Cosar. Er sagte, er wünschte, diese Initiative würde auch zum Beispiel in Deutschland möglich sein. Deutschland ist ein Land, das sehr viel Kunst exportiert, aber von der Regierung zur Zeit überhaupt nicht unterstützt wird. Aber wie auch immer, ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich das als ein Problem erweisen könnte. Ich habe davon zum ersten Mal gehört. Und einige Galerien sagten mir, dass die Leute fragen würden. Es gibt da vielleicht eine Fraktion von Leuten, aber die stören die Messe diesbezüglich nicht, weil sie sowieso verkaufen.

Frau Oele: Ich habe mit der Mondriaan Stichting gesprochen und sie gefragt, ob wir es für die eine Woche, in der die Messe stattfindet, anders machen könnten; könnten wir es eine Woche lang mal für ausländische Galerien machen. Ich diskutiere das bereits mit ihnen, und ich versuche es weiter, aber es ist schwierig. Wenn es möglich wäre, würden sie es tun. Da bin ich mir sicher.

AfN: AfN: Die nächste Frage lautet: Networking ist ein lebendiger Teil des Kunstgeschäfts. Fast alle Kunstmessen haben ein Sammlerprogramm. Auch die Art Amsterdam. Können Sie mir etwas über Ihr Programm erzählen? Ihr Sammlerprogramm, sofern Sie eins haben?

Frau Oele: Ja, wir haben eins. Wir haben ein sehr besonderes Programm. Wir haben einen Tag. Morgen ist der Tag für angehenden Sammler. Wir nennen es den Tag für angehende Sammler. Wir bitten die Galerien darum, ihre jungen Sammler zu erwähnen, und wir laden sie zur Messe ein, und wir unterhalten sie für einen ganzen Tag. Ich habe vier erfahrene Sammler eingeladen. Am Morgen werden wir eine Stunde haben, in der diese Sammler ihnen erzählen werden, wie sie zum Sammeln kamen, was das Schlechteste daran ist, was das Beste. Das ist eine sehr nette Stunde, weil sie allen sagen werden: Fangt nicht damit an, weil Ihr dann eine Sucht entwickelt. Ich habe auch einen Unternehmenssammler und morgen kommt ein Künstler, der auch sammelt. Diese Art von verschiedenen Dingen. Und hundert Leute werden da sein, 80 bis 100 – sie bekommen ein Mittagessen und werden an einer Talkrunde über das Sammeln in all seinen Formen teilnehmen. Es wird ihnen eine Messerundtour in vier Gruppen organisiert. Anschließend gehen wir etwas trinken. Diese jungen Sammler fragen immer: Haben Sie dies oder das gekauft und warum? Das ist auch sehr nett. Und außerdem haben wir einen Sponsor, und einem von ihnen werden wir morgen ein Kunstwerk überreichen. Es ist alles ein bisschen unorganisiert. Zudem laden wir ausländische Kunstsammler zu einem zweitägigen Aufenthalt in einem Amsterdamer Hotel ein. Wir haben es in diesem Jahr gemacht, und wir werden es in den kommenden Jahren noch größer machen. Gestern haben diese Sammler eine Boottour durch die Amsterdamer Kanäle unternommen und erreichten die Art Amsterdam.

AfN: Aber die Sprache ist…

Frau Oele: Ja, holländisch, bis jetzt ist es holländisch. Wir werden das vielleicht in den nächsten Jahren ändern. Ja, warum nicht. Vielleicht. [lacht] Panta rei.

AfN: Panta rei. Und hier schließt sich der Kreis.

Frau Oele: Ja, ich warte ab, was passiert, und dann können wir die Dinge in Anlauf nehmen oder auch nicht.

AfN: Vielen Dank, Frau Oele.


Niklas von Bartha, Gallery N. von Bartha, London

AfN: Herr von Bartha, können Sie uns sagen, warum Sie die Art Amsterdam als Messe für Ihre Galerie gewählt haben?

Herr von Bartha: Wegen schon bestehender Kontakte mit holländischen Sammlern. Sogar diejenigen unter ihnen, die im Ausland leben, kommen nach Amsterdam. Ich glaube, die Leute hier in Holland sind wesentlich besser informiert als beispielsweise die Leute in Großbritannien. Diese Messe ist eine wunderbare Plattform für jüngere Galerien. Das Feedback von der Messeorganisation ist hier bedeutend besser als woanders.

Baudi Eskens, Galerie Onrust

AfN: Frau Esken, wie gefällt Ihnen die Messe?

Frau Eskens: Die Atmosphäre beim Eröffnungsempfang war sehr gut. Wegen des schönen Wetters gibt es zur Zeit relativ wenige Besucher. Es ist gut, nun mehr internationale Galerien (oder ausländische Galerien) zu sehen, die an der Messe teilnehmen. Jetzt warten wir auf die internationalen Sammler.

Cokkie Snoei, Galerie Cokkie Snoei
Cokkie Snoei, Galerie Cokkie Snoei

AfN: Frau Snoei, wie gefällt Ihnen die Messe?
Frau Snoei: Frau Snoei: Kunstmessen sind wichtig, aber das Wetter sollte dann schlecht sein.

Jan Hein Sassen, ex Stedelijk Museum, curator
Jan Hein Sassen, ex Stedelijk Museum, Kurator

AfN: Herr Sassen, wie gefällt Ihnen die Messe?

Herr Sassen: Es ist eine sehr angenehme Messe. Ich sehe sehr viel, und es gibt überraschende Werke von bereits bekannten Künstlern.

Ellen de Bruijne, Ellen de Bruijne Projects and Stella Lohaus
Ellen de Bruijne, Ellen de Bruijne Projects und Stella Lohaus

AfN: Frau de Brunijne, wie gefällt Ihnen die Messe?

Frau de Bruijne: : Die 1. Allee der Art Amsterdam Amsterdam ist sehr belebt. Galerieinhaber feiern in guter Gesellschaft und hoffen auf schlechtes Wetter.

Nico Delaive, Gallery Delaive
Nico Delaive, Gallery Delaive

AfN: Herr Delaive, wird der Markt auf den plötzlichen Tod von Karel Appel?
Herr Delaive: Alle Rechte für das Karel Appel befinden sich in den Händen einer Stiftung. Kunstwerke stehen Ausstellungen auf der ganzen Welt zur Verfügung. Im letzten Jahr haben die Preise einen Sprung von 40% gemacht. Ich glaube, dass nichts Unerwartetes passieren wird. Ich weiß nicht, was die anderen sehen wollen. Nach dem Tod von Sam Francis hat seine Familie 5000 Werke auf einmal herausgegeben, was zu einem Preisfall führte. Appel behielt alles bei sich und verkaufte nur sporadisch. In Italien nahm er Dinge von der Müllhalde. Er machte daraus Skulpturen und goss diese dann in Bronze. 1948 machte er sehr viele Skulpturen aus Müll. Viele dieser Skulpturen sind im Besitz des Gemeindemuseums von Den Haag.
Appel hatte ein Studio in Amsterdam. Als er umzog, warf er einige seiner Gipsskulpturen in den Kanal, weil niemand sie für 1500 Gulden haben wollte.

www.kunstrai.nl

(5.5.2006)

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