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London Special 1: Keith Talent auf der Kunstmesse year_06


Simon Pittuck (Keith Talent), M. Claassen auf der Year 06

AfN: Ein Interview mit Simon Pittuck dem Co-Gründer der "Year 06", einer Kunstmesse in London.
Hallo Simon. Wann hattest du die Idee eine Messeveranstaltung parallel zur "Frieze" zu organisieren und wie hat sich diese Idee entwickelt?

Simon Pittuck: Was wir, als Londoner Galerie, machen mussten, war eine Reihe von Satellitenmessen in Miami, New York und einige andere Messen wie in L.A., zu durchlaufen. Wir haben viele europäische und amerikanische Galerien getroffen, die gerne etwas in der Zeit der Frieze machen wollten. In erster Linie weil es nur wenige Auswahlmöglichkeiten gab, was sie tun konnten.

AfN: Aufgrund des begrenzten Raums.

Simon Pittuck: Das und wie Sie ja wissen ist die "Zoo" eine sehr gute Kunstmesse aber es gibt geografische Einschränkungen. Sie haben dieses Jahr bestimmte Galerien aus Berlin und L.A. eingeladen.

AfN: Die Zoo ist eine britische Angelegenheit.

Simon Pittuck: Im Sinne der Entwicklung. Es hat sich irgendwie natürlich entwickelt; wir einige Galerien eingeladen haben und haben sie auch aufgefordert, uns ein Programm zu empfehlen - wen sie für interessant und gut halten. Ich glaube eine Ursache ist ganz offensichtlich: die Leute wollten es. Gute Galerien aus den Vereinigten Staaten und New York wollten….

AfN: Wollten es.

Simon Pittuck: Ja, sie wollten es wirklich tun.

AfN: Sie haben eine Galerie, Keith Talent, und Sie veröffentlichen ein Magazin mit dem Namen "miser & now". Und nun die Messe. Warum dieser ganze Aufwand? Ist es nicht besser sich auf etwas zu fokussieren?

Simon Pittuck: Ich glaube… keine Ahnung.

AfN: Sie wissen es nicht.

Simon Pittuck: Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Wissen Sie, ich glaube es gibt verschiedene Wege es zu tun. Das Magazin hebt das Profil der Galerie und der Künstler, die sie zeigt, hervor. In erster Linie geht es um die Keith Talent Galerie.
Das Magazin ist im gewissen Sinne nur die Rechtfertigung, ein Warum, das Konzept des Magazins ist für Künstler ausgelegt. Für Leute, die in diesem kulturellen Feld nicht notwendiger Weise mit visueller Kunst, arbeiten. Es diskutiert Dinge, wie man z. B. seine Arbeiten so oder so umsetzen kann. Es sind also keine Kritiken.

AfN: Sozusagen eine Plattform,

Simon Pittuck: Ja.

AfN: Sie bieten also eine Plattform an. Das ist ja auf gewisse Art fokussiert.

Simon Pittuck: Ja.

AfN: Sie waren auf der Aqua Art Miami. Ich persönlich mag den Veranstaltungsort sehr gerne. Sie waren der einzige Engländer unter jungen westamerikanischen Galerien mit frischem Wind. Wie ist Ihre Meinung zur Aqua?

Simon Pittuck: Aqua, Jaq und Dirk. Sie sind irgendwie alle gleich. Es war ähnlich und war es nicht. Sie wollten, dass die Galerien der Westküste eine Art Arena haben, eine Stimme in Miami; während der Basel-Messe. Kürzlich hatten wir eine Show mit Cynthia Broan in New York und einige Rundschauen präsentiert. Unsere Show wurde gesehen und wir eingeladen. Wir wollten in die Vereinigten Staaten um Leute zu treffen und die Galerie lieber in einen internationalen, als in einen lokalen, Kontext stellen.

AfN: Warum haben Sie auf Ihrer eigenen Messe nur eine andere britische Galerie eingeladen? Wohingegen die anderen Veranstaltungen wie Frieze, Zoo und sogar Scope mehr auf englische Galerien konzentriert sind ohne dabei die USA und Westeuropa zu vergessen?

Simon Pittuck: Wir haben das in drei Monaten organisiert, eine kurze Zeit. Und in dieser Zeit wollten wir keinerlei Konflikte.

AfN: Mit der Zoo.

Simon Pittuck: Die Zoo zeigt sehr gute Galerien aus Großbritannien. Wir haben vorausgesetzt, dass sie dies tut und nicht wir.

AfN: Sie machen etwas anderes.

Simon Pittuck: Ja.

AfN: Die Messe "Year 06" macht mir einen sehr guten Eindruck und es gibt eine erstaunliche Anzahl großer Kunst zu sehen. Wie haben Sie den Auswahlprozess bewältigt?

Simon Pittuck: Noch einmal, es war Glücksache. Wir arbeiteten mit einigen sehr guten Galerien. Wir standen im Dialog und haben sie gefragt, was sie in der Show machen wollen und was sie für Räume bevorzugen würden. Daraus hat es sich ergeben.

AfN: Nicht wie bei den gewöhnlichen Messen?

Simon Pittuck: Abweichend davon.

AfN: Also unter seinesgleichen - peer-to-peer.

Simon Pittuck: Ja. Man möchte den Galerien ermöglichen, Kunst in dem Rahmen zu zeigen, wie sie es auch in ihren Galerien tun und was sie auf die jeweilige Ebene gebracht hat. Wissen Sie was ich meine? Das es auch mit einer architektonischen Note wirkt - dem Gebäude. Es gibt Rahmenbedingungen aber auch die Freiheit, den Raum imaginativ zu nutzen um die Arbeiten ihrer Künstler zu präsentieren.

AfN: Was ist das Geheimnis des Geschmacks?

Simon Pittuck: Ich kenne das Geheimnis des Geschmacks nicht. Alles, was ich sagen würde ist, es ist interessant Kunst nicht immer nur in einer weißen Box zu sehen. Oft ist es dahinter, endet irgendwo anders, egal ob es ein häuslicher Raum ist oder einer, der einen auf die eine oder andere Art einnimmt.

AfN: Es hat also auch etwas mit gehen lassen zu tun? Wann lassen Sie los?

Simon Pittuck: Es sind architektonische Nuancen. Wissen Sie, äußere Merkmale…

AfN: Manchmal sind sie attraktiv, wie z. B. bei dieser Messe. Bei anderen eher langweilig.

Simon Pittuck: Sicher.

AfN: Ist es immanent, angeboren oder genetisch bestimmt. Was ist es? … Wir kommen viel rum und einige Messen sind nicht so gut und manch andere Shows wie diese hier. Ich war gestern sehr erstaunt. Vielleicht weil ich das nicht erwartet hatte, so kann es immer nur besser sein. Aber andererseits, sagten Sie hier gibt es ein Netzwerk. Wie kommt es, dass es hier diese bestimmte… Ich will nicht von einem Niveau sprechen. Ich mag das Wort Qualität im Zusammenhang mit Kunst nicht besonders, weil es jeder tut. Hohe Qualität, schlechte Qualität… Ich sehe es mehr als eine Frage des Geschmacks.

Simon Pittuck: Es gibt eine sehr gute Plattform von Galerien, die auf höchst professioneller Art und Weise sehr dynamisch und unkonventionell präsentiert. Es muss nicht wirklich ein bisschen…

AfN: Trashy aussehen?

Simon Pittuck: Trashy. Es kann dieses Element haben aber es muss immer noch auf professionelle Art performed bzw. präsentiert werden.

AfN: Das ist das Geheimnis.

Simon Pittuck: Ich glaube schon.

AfN: Die Professionalität hinter allem. In der Herangehensweise.

Simon Pittuck: Ja, genau so.

AfN: Für die Zukunft - planen Sie noch mehr solcher Veranstaltungen? Und wenn, fast jede Messe hat einen Kern an Partnergalerien, die sie jedes Jahr einladen. Für die regelmäßigen Besucher wird es irgendwann langweilig den gleichen Geschmack über und überall zu sehen. Wie werden Sie damit umgehen?

Simon Pittuck: Die Idee das Ganze "Year 06" zu nennen, war dass es nicht geografisch ausgelegt werden sollte. So kann es sich eventuell verändern. Mit einem Netzwerk ist so, dass es versucht möglicherweise alle europäischen Galerien einzubeziehen. Wir haben Jeff Gleich von g-module, ich kenne ihn und nächstes Jahr kann man darüber reden, einige Galerien mehr aus Paris zu bekommen. Wir haben auch die Galerie Jarmuschek und Partner, die die Preview Berlin veranstalten. Und wie Sie wissen, arbeiten wir zusammen. Offensichtlich wird versucht, vielleicht die Preview Berlin mit einer breiten Basis englischer Galerien zu versehen. Und vice versa - sie helfen uns gute Galerien aus Europa zu bekommen.

AfN: Es ist also ein sich entwickelnder, erneuernder Netzwerkprozess. Sie glauben also vermeiden zu können, was den großen Messen geschehen ist. Als Beispiel vielleicht der Frieze, Basel oder der Art Cologne. Man geht dorthin und weiß schon, was einen erwartet. Man sieht nicht die Einzigartigkeit der Kunst, es ist als gehe man zu Mercedes oder BMW.

Simon Pittuck: Ich glaube, dass die Frieze und diese Sachen das große Ende sind. Die Sache ist die: die Stimmen, die gehört werden sollten, sind die der aufkommenden, jungen Künstler. Wenn man etwas vertreiben möchte, dann weiß man zu welcher Galerie man geht. Ich glaube, das ist es, oder? Während man nicht notwendiger Weise weiß…

AfN: Was wollen Sie vertreiben?

Simon Pittuck: …einige der Künstler. Sie sind jung oder jung in ihrer Karriere. So sind die Kunstwerke rund um die Messe bekannt. Aber ich denke, dass ist das, womit die Leute angeregt werden wollen.

AfN: Oder durch Jagt und Abenteuer wenn man so will…

Simon Pittuck: Ja, Sammler wollen aufkommende Künstler kaufen.

AfN: Simon, vielen Dank für das Interview.

Simon Pittuck: Ich danke Ihnen.


Übersetzung: Jessika von Kiparski

www.year06.co.uk

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