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DIVA Paris - Interview mit Thierry Alet


Marek Claassen und Thierry Alet; Photo: Heinrich Schmidt, Interview:

AfN/Vernissage: Dies ist ein Interview von Artfacts.Net und Vernissage.tv im Hotel Kube in Paris mit Thierry Alet, dem Gründer von DiVA fair. Hallo Thierry.

Thierry Alet: Hallo!

AfN/Vernissage: Sie zeigen Videokunst. Warum machen Sie das in Hotels?

Thierry Alet: Ich mache das nicht nur in Hotels. Wir haben das in Brüssel in einem Kongresszentrum gemacht und auch in Köln in einer Ausstellungshalle. Ich bevorzuge jedoch Hotels aus zwei Gründen: der erste ist der, dass es einfacher ist in Bezug auf unsere Größe. Auch wenn wir eine internationale Messe sind, sind wir immer noch recht klein. Dieses Mal haben wir hier in Paris nur elf Galerien. Auch in New York haben wir nur ca. 30 Galerien, was immer noch wenig ist. Es ist einfacher, weil man keine Wände bauen muss und all das andere drum Herum.

AfN/Vernissage: Es ist also eine Frage der Organisation und nicht eine Frage des Ortes? Ich meine, dieses Hotel ist doch sehr schön.

Thierry Alet: Ja, wegen unserer Größe macht es für uns keinen Sinn, in große Hallen zu gehen. Und da wir die Wahl haben, können wir es auch an dem besten Platz machen, der unseren Zweck erfüllt. Hier in Paris ist dies der beste Platz, den wir finden konnten. Sein Konzept und seine Architektur passen perfekt zur DiVA. Normalerweise haben Hotels seltsame Farben oder Tapeten, aber hier ist alles in weiß gestrichen, also perfekt für Videos.

AfN/Vernissage: Also die Videos werden direkt auf die Wand projiziert?

Thierry Alet: Möglicherweise. In einigen Hotelzimmern kann man das nicht. Es ist einfach eine Möglichkeit. Wenn die Galerien sich für eine Leinwand entscheiden, liegt das in ihrem Bereich. Ein wichtiger Punkt ist natürlich auch der Ton. Wenn wir 60 Galerien in einer Halle hätten, wie sollten wir das dann mit dem Geräuschpegel durch die verschiedenen Videos lösen? Hotelzimmer sind daher ideal, da niemand gestört wird. Jede Galerie hat ihren eigenen Raum und kann tun, was sie will.
AfN/Vernissage: Die DiVA-Messe wird Seite an Seite mit den großen Messen wie Basel, Miami, Armory New York und die FIAC in Paris organisiert. Seit vielen Jahren sehen wir solche Nebenveranstaltungen um die großen Messen herum. Denken Sie, dass DiVA diesen Wettbewerb überleben wird? Und dann noch: Ist DiVA ein wachsendes Messekonzept?

Thierry Alet: Ja und ja.

AfN/Vernissage: Gehen wir gleich zur nächsten Frage. Wenn wir uns Basel anschauen wo es 13 bis 14 Messen gibt, hat dies nicht eine Auswirkung auf die DiVA?

Thierry Alet: Natürlich hat sie das, aber es ist schwierig zu sagen wie. Ehrlich gesagt, wir sind anders. Wir nehmen nicht so sehr an dem Spiel teil, welche Galerie bei uns ist..... Wir sind an jeder Galerie interessiert, die an uns heran tritt und wir schauen uns dann das Projekt an. Wir haben Galerien, die auch in Basel teilnehmen oder Kuratoren, die noch nicht viel gezeigt haben. Für uns ist es interessant, ein gutes Video zu zeigen. Auch bei diesem Wettbewerb bekommen wir mehr Aufmerksamkeit in dem Sinne, dass es hier nicht soviel Druck gibt. Durch die Kommunikation zwischen den Organisatoren und den Galerien sind die Kunsthändler immer zugänglicher geworden. Den Leuten gefällt, was wir tun. Sie erkennen unseren einzigartigen Standpunkt, unsere Relevanz in puncto Video, in dem wir neue Alternativen in diese Landschaft bringen. In Berlin gibt es vier Messen, aber alle vier sind gleich.

AfN/Vernissage: Das stimmt. Ich meine, wir hatten ein Interview mit Amanda Sharp von FRIEZE und ich wies auf das Konzept der technischen Nischen für ein Messekonzept hin. Aber sie sagte, das sie so nicht denken würde, weil für sie Kunst nichts mit Technik oder Medien zu tun hätte, Kunst sei für sie die Idee. Ich denke schon, dass es im Bereich Video eine Nische gibt und es gibt spezialisierte Künstler. Auf der FIAC zum Beispiel, wo man meist einen kleinen Messestand hat und der Videobereich durch einen kleinen Vorhang abgetrennt ist, schaut man sich zwar die Videos an, aber ernst genommen werden sie nicht wirklich. Denken Sammler genauso? Handelt es sich hierbei um ein spezielles Publikum oder wächst es?

Thierry Alet: Die Sammler nehmen das, was sie bekommen. Sie sind sehr beschäftigt, sie machen auch noch andere Sachen, aber wenn sie mit Videos konfrontiert werden, dann schauen sie sich diese auch an. In diesem Teil stimme ich mit Amanda überein, dass Kunst über einer bestimmten Technik steht. Die Sache ist zuallererst eine Nische, die von ihnen selbst erweitert wird. Ich meine, es gingen die Menschen barfuß und dann hat jemand Schuhe erfunden und alle wollten dann Schuhe.... So etwas passiert einfach. Der Markt wächst und man kann den Prozess nicht aufhalten. Wir sind nicht da, um das Publikum zu unterhalten. Es gibt immer mehr Künstler, die etwas zu sagen haben und dafür benötigen sie bewegte Bilder oder ein Video, um zu zeigen, was sie bewegt und um ihre Vision der Welt auszudrücken. Und die entwickelt sich. Das kann man mit Gemälden nicht. Indem wir diese Messe machen, wollen wir zeigen, dass es diese Art des Ausdrucks gibt und dass er einen kleinen Markt hat.

AfN/Vernissage: In punkto Marktgröße ist Videokunst eine sehr kleine und unterentwickelte Nische. Die Sammler bevorzugen nach wie vor Ölgemälde vor allen anderen Kunstobjekten. Warum ist das so?

Thierry Alet: Die Vorstellung, was groß ist oder was klein, ist nicht immer konform mit dem, was wir so denken. Coca Cola zum Beispiel ist ein großes Unternehmen…… Wenn man sich zum Beispiel die Rangliste von Künstlern anschaut, so ist z.B. Bruce Nauman der populärste lebende Künstler und er wurde durch Videokunst populär. Niemand weiß, was mit diesem Markt noch geschehen wird; manche Künstler sind jetzt angesagt, vielleicht später nicht mehr so. Mathew Barney z.B. ist einer der angesagtesten und populärsten Künstler, einer, den wir dieses Jahr auf der DivA in Paris ehren und er ist Videokünstler und sein Marktwert ist sehr hoch. Viele von den starken Künstlern sind auch gute Videokünstler. Yoko Ono z.B. feiert ihr Comeback und sie hat mit Videos angefangen.

AfN/Vernissage: Soweit man weiß, ist das Verkaufsmodel für Videokunst so wie das Verkaufsmodel für Editionen. Man druckt z.B. eine Anzahl DVDs und steckt sie in nette Hüllen. Im Gegensatz zu Druckschriften kannst du diese Kunst nicht ohne eine spezielle Ausrüstung sehen. Das macht den Zugang schwierig. Haben Sie eine Idee, wie man Videokunst einem größeren Publikum zugänglich machen könnte?

Thierry Alet: Also jeder hat Zugang zu Video. Jeder hat einen Fernseher, einen Computer oder eine Leinwand. Ich sehe das nicht als Problem.

AfN/Vernissage: Ich möchte noch einmal auf das Handelsmodell zurückkommen.

Thierry Alet: Ja, das ist die Frage. Die Existenz von Artefakten zeigt wie das Internet die Kunstwelt in einer nicht erwarteten Weise geändert hat. Die Leute haben gedacht, man könnte Kunst online handeln. Das ist in den letzten zehn Jahren nicht passiert. Aber das Web hat das geändert.....

AfN/Vernissage: …. in Form von Informationsaustausch.

Thierry Alet: Ja und es macht die Welt irgendwie kleiner. Jetzt sind all diese Informationen für alle zugänglich. Die Galerien wie wir zum Beispiel, wir bekommen ein email und wir checken die Videos online. Alles hat sich folglich geändert. Die Arbeiten sind sofort in China erhältlich und auf der ganzen Welt. Das konnte man vorher nicht machen. In Bezug auf Videos ist die DiVA immer wieder auf Galerien zugegangen und hat sie aufgefordert, Videos online zu promoten.

AfN/Vernissage: Und wie sieht es mit der Qualität dieses Mediums aus? Wir sprechen über Papier und Öl bei Gemälden. Die Qualität der Online-Videos kann doch nicht die gleiche sein wie auf DVD oder?

Thierry Alet: Das ist eben auch Teil der Vielfalt bei Videos. Manche Arbeiten sehen aus wie Dokumentationen andere wie Animationen. Der eine Videokünstler achtet nicht so sehr auf Qualität wie andere, Mathew Barney z.B. zeigt nur weniger als 5mm.

AfN/Vernissage: Das Internet funktioniert also irgendwie wie ein Katalog. Eine Kopie aus dem Internet wird niemals so aussehen wie das Original.

Thierry Alet: Aber das ist eben Teil der Vielfalt. Jede Galerie, jeder Künstler, jedes Programm sollte seine eigene Identität finden und seine Beziehung zum Internet definieren. Da gibt es einen Künstler, Miltos Manetas, seine Arbeit - er ist nicht der einzige - ist im Wesentlichen eine Webseite. Das was man auf dem Bildschirm sieht ist das Werk. Und du kannst den Domainnamen kaufen.

AfN/Vernissage: Interessant, wir werden einen Link machen, um unseren Lesern dies einmal zu zeigen. (www.manetas.com/art/websites)

Thierry Alet: Was ich sagen wollte ist, dass all dies Teil der Videokunstwelt ist und alle ihren Weg für ihre Projekte finden müssen.

AfN/Vernissage: Sie meinen also, dass Video und Internet zusammenwachsen werden?
Thierry Alet: Ja, natürlich. Deshalb nennen wir die Show auch DiVA digitale und Videokunst.

AfN/Vernissage: Eine letzte Frage noch, wir haben soviel über den Markt und die Zukunft gesprochen. Wo wird ihre nächste Show sein?

Thierry Alet: Meine? In Miami am Ocean Drive. Wir werden eine Containerstadt aufbauen. Ich freue mich sehr auf dieses Project.

AfN/Vernissage: Und wir freuen uns, Sie dort wieder zu sehen. Thierry, vielen Dank für dieses interview.

Thierry Alet: Es war mir ein Vergnügen.


Dieses Interview ist als Video erhältlich: www.vernissage.tv.
Teil 1/3
Teil 2/3
Teil 3/3

(29.10.2006)

www.divafair.com

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