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Arte al limite: die eingeborenen Frauen von Verónica Riedel – Königinnen Amerikas


Clara und Josefa

Die Künstlerin aus Guatemala platziert sich mit einer experimentellen Fotografie, die das Thema Identität wiederaufleben lässt, in der zeitgenössischen lateinamerikanischen Kunstszene.
Im November findet ihr neustes Projekt in der Galería Ana María Matthei in Chile statt: eine Serie von Portraits Eingeborener, die in kolonialer Kleidung und mit Ornamenten geschmückt, die Geschichte derer erzählen, die sich - vor 5 Jahrhunderten- als die ersten Spanier verstanden.

Von Leonor Gala
Journalistin


Als Gestalterin einer vielfältigen Produktion - in der Malerei, Fotografie, Video und Installation zusammenfließen - scheint Verónica Riedel mit ihrem letzten Projekt eine magische Verbindung geschaffen zu haben. Es geht um "Mestiza", eine Portraitserie von eingeborenen Frauen in kolonialer Kleidung, bei der sich Fotomontage, Ahnenforschung und das Thema der Identität kreuzen. Ein Vorschlag, der nicht nur Fotografie ist; ein Spiel mit visueller Anregung des barocken Königlichen, mit Blick auf die lateinamerikanische Weiblichkeit, die durch die mächtige Vorlage der letzten Jahrzehnte der Mayas geprägt wurde.

"Mestiza" ist eine Verschmelzung. Die guatemaltekische Künstlerin setzt die Leinendrucke in Kontext zu Beschreibungen und Bildern aus antiken Bücher, setzt Rahmenbedingungen und fügt verschiedene Elemente hinzu, um das Auge glauben zu machen, das Foto sei aus dem XV Jahrhundert. Dass es moderne Frauen dort gab oder königliche Kleidung dort, wo es Wiedererfundenes und genähte Elemente gibt.

Ihre Arbeit spricht auch das Thema der Identität des Codex an, die Grenzen der Sprache, sie erlaubt sich eigene Reflektionen über die zeitgenössische Kunst einzubringen.



Ixchel

Die Gesichter der Einheimischen Guatemalas erzählen von der Geschichte jener, die als die ersten Spanier angesehen werden. Von Greisen, Kindern und Jugendlichen, die den Start für ihre Dörfer machen, um sich an die majestätische Kraft anzuschließen. Es verwandelt sie in Dienstbotinnen, respektable Frauen oder Konkubinen, alle altertümlich gekleidet, eine soziokulturelle Kurzgeschichte konstruierend, die wenn man an die dazugehörende Gewalt denkt, nicht von Diskriminierung spricht, sondern von " dem Fallenlassen der Opferhaltung und der Tradition" um den eingeborenen Frauen "die gleiche Ehre zu erweisen, wie allen lateinamerikanischen Müttern".

Die Künstlerin begründet dies so: " Für die einheimischen Frauen waren die Eroberinnen in Lateinamerika und der Karibik eine tragische, traumatische und total surreale Erfahrung." Im ersten Jahr änderte sich das familiäre und soziale Umfeld der ursprünglichen Gruppen, besonders für sie, da sie gezwungen waren mit dem alltäglichen Leben der Invasoren zu kooperieren. Trotzdem hat in der Mehrheit dieser Dörfer ein großer Teil des Glaubens überlebt.

" Die einheimischen Frauen belebten die Wirtschaft durch ihren häuslichen und konkubinaten Pflichten gegenüber den Eroberern. Sie, mit ihren Körpern und spirituellen Kräften, schenkten einer neuen Rasse Leben, die sich in die Mütter der Lateinamerikaner verwandelten, die Mestizinen des neuen Kontinents.", erklärt sie.

Die weiße Spanierin.

Dieses Jahr wurde die Serie in der "Fundación Alfonso y Luz Catillo" (Buenos Aires, Argentinien), in der Aldo Castillo Gallery (Chicago) und in der Bernice Steinbaum Gallery (Miami) ausgestellt. Im November ist sie in der Galerie Ana María Matthei - im Rahmen der Fotoamérica- als erstes individuelles Muster der Fotografie in Chile zu sehen. 2000 war sie Bei Coral Gables (Miami, Florida), auf der Bienal de Barro in Venezuela, auf der Bienal de Paiz de Guatemala, in der Internacional de Estandartes (Mexiko) und auf der Photo España.



Dona Leonor

- Zwischen all dem - gibt es rückläufige Themen oder Vorgänge?

Es gefällt mit Geschichte zu erzählen, jedes visuelle Produkt sollte eine poetische oder narrative Geschichte sein. In Form von Malerei, Video oder Fotografie werden die Themen in Beziehung zur Ironie der Welt gestellt, sie beziehen sich auf den Unterschied zwischen Männern und Frauen, auf die selbstvernichtenden Kraft des menschlichen Seins, auf Rituale und Formen, die ein höheres Wesen bestimmt.

- Wie gestaltete sich der Prozess der "Mestiza"?

Ich habe für das Werk für ein und ein halbes Jahr recherchiert. Habe alle Artikel und Bücher gelesen, die sich auf die Frauen dieser Epoche und die Eroberern Amerikas beziehen. Damit habe ich das Thema aufgeweicht und alles umfasst, was es früher gab um etwas zu haben was ganz anders war…

- Welche neuen Erkenntnis gibt die Serie zum Thema lateinamerikanische Identität?

Es ist ein vollkommen anderes Projekt als meine anderen Arbeiten. Aber es ist etwas, an dem ich nicht vorbei konnte. Ich musste es tun. Für meine Wirklichkeit, für die Frauen meines Landes, für alles was geschehen ist. Aber es handelt sich nicht um Wehgeschrei, wie es viele machen: Was hilft es uns, uns zu beklagen?

Ich beabsichtigte, dass die lateinamerikanischen Frauen aufhören sich als Opfer anzusehen. Es ist typische für sie, dass sie Machismos und Diskriminierung vorwerfen. Das gibt es definitiv aber die Ressentiments sind ebenso groß. Es gibt eine Menge Dinge, die sich geändert haben. Wir sind immer noch Länder "in Wandlung". Ich wollte noch etwas anderes in den Mittelpunkt rücken, die Sicht der Eroberer. Das ist es, was ich beabsichtige. Dagegensetzen, das nicht alle Frauen Opfer waren, das viele Widerstand leisteten, andere sich verkauften und einige es schafften einen Status zu erlangen. Das alles sind die Königinnen Amerikas.



Maria

- Gauben sie, dass ihre Fotografien in der internationale Szene mit europäischer Sicht ankommen, die Lateinamerikaner und Eingeborenen als etwas exotisches angesieht, die die Gefühle zum Thema Identität auslässt?

Es mag exotisch sein oder nicht für Europäer, aber es ist auf jeden Fall zeitgenössische für Lateinamerika. Es ist die erste Serie des Werkes. Diese Frauen sind Fotomodells im Jahr 2005 und das einzige was verändert wurde ist ihre Kleidung. Einige haben nicht mal ihr Make-up weggelassen. Das sind die zeitgenössischen Frauen unseres Landes. Alle arbeiten und kleiden sich wie du und ich. Aber ihre Blicke, Gesten, Gedanken unterscheiden sich sehr von denen früher. Das zweite Projekt geht eine Epoche weiter: es sind die gleichen Frauen in normaler Kleidung von heute.

- Wie sehen sie sich in der internationalen Szene? Ist das Thema Identität weiter gültig?

Eine wundervolle Kunstkritik, Michael Weinstein, verglich uns, Daniel Herandez und mich, mit Luis Gonzalez Palma in einer Schule für Fotokünstler in Guatemala, die mit einer gemischten Kunst aufkommt, die verschiedene Gefühle hervorruft um sich die Vergangenheit vorzustellen. Mein Projekt variiert auch, was mich angeht und auch in Beziehung zu andern. Und ich habe auch schon gesehen, wie manchmal das Thema Identität erschreckt und die Künstler und Kuratoren es als "Altmodisches" bezeichnen. Für mich geht es darum heute zu zeigen, wer wir wirklich sind. Aber was ich sehe ist mehr eine Kopie der europäischen und amerikanischen Arbeiten.

- Welche Künstler bevorzugen sie?

Ich bewundere viele Künstler, jeder mit eigenem Stil und Kraft. Ich bewundere jeden, der beabsichtigt etwas nie Gesehenes in bekannter Form darzustellen. Oder einfach ein gutes Werk, das dich etwas fühlen lässt, was dich bewegt oder verändert. Ganz gleich welcher Stil oder welche Epoche.


Übersetzung: Jessika von Kiparski

www.arteallimite.cl

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