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Artissima - Interview mit Roberto Casiraghi, Direktor der Artissima


Ein Interview mit Artfacts.Net ( R. Morgana Masu) und Roberto Casiraghi, Artissima Direktor.

AfN: Guten Morgen, Herr Casiraghi.

Roberto Casiraghi: Guten Morgen

AfN:Fangen wir an mit der ersten Frage. Wie sind Sie zur Kunstwelt gekommen und wie zur Artissima?

Roberto Casiraghi: Durch den Verkauf von Werbung bin ich zur Kunst gekommen. Ich war in der besonderen Stellung Galerien für alte und moderne Kunst, vor allem in Italien, zu treffen und mit ihnen aus Werbegründen zusammen zu arbeiten. Ich hatte die Aufgabe auf die Bedürfnisse von Ausstellungen einzugehen und fing an, an Messen zu arbeiten.

AfN: Für die letzten beiden Jahre war der Messeslogan " looking for something new". Dieses Jahr präsentiert sich die Messe mit dem starken Bild eines Mädchens, die ihre Muskeln zeigt und dem Slogan "feel contemporary". Es scheint, jung zu sein oder zu erscheinen ist heutzutage ein wesentlicher Punkt für eine Messe mit dem Ziel international und zeitgenössisch zu sein. Wollen Sie eine Messe voll frischem Wind aber mit "starkem" Temperament sein?

Roberto Casiraghi: Also wir wollen nicht unbedingt aber wir sind eine junge Messe die mit jungen Künstlern und jungen Galerien verbunden ist. Ich glaube die Richtung der Turiner Messe und ihr Zweck war in den letzten Jahren absolut klar und vielleicht hat die Messe dieses Jahr, noch mehr als letztes Jahr, diese starke Richtung eingeschlagen.

AfN: Die Messe hat eine schwere Zeit durchlaufen aber letztes Jahr erreichte sie ein großes Publikum, viele Kritiker und auch Galeristen, die erklärten, dass sie sehr zufrieden seien.
Sie haben große internationale Leute einbezogen um eine hochwertige Messe zu organisieren. Kann man sagen, dass die Messe gesund ist oder ist sie immer noch in der Bereinigungsphase?

Roberto Casiraghi: Ich glaube, dass nichts im Leben zufällig passiert und somit hatte auch die Artissima ihre Geschichte. Wie bei allem, geht es an einem bestimmten Punkt los und endet an einem Punkt, von dem wir hoffen, dass er unendlich ist. Es ist glücklicherweise keine Abbildung sondern eine Entwicklung. Wir glauben, die Messe hat auf ihrem Weg eine tiefe Schneise hinterlassen aber sie hat ein starkes Vorderlicht, mit dem sie ganz genau die Richtung erkennt.

AfN:Was haben Sie dieses Jahr getan um dieses Ergebnis zu erzielen?

Roberto Casiraghi: Also dieses Jahr, im Gegensatz zu letztem und vorletzten, gibt es eine Art Konzentration von Aspekte, die sich auf junge Galerien und junge Künstler beziehen.

AfN: 2004 erwarb die Lokalverwaltung den Namen der Messe und die Fondazione Torino Musei übernahm das Management, es wurde eine enge Beziehung zur Stadt und den Institutionen geschaffen. War es ein Versuch der Stadt ein zeitgenössisches Gesicht zu geben?

Roberto Casiraghi: Ja, das war der Grund. Aber auch weil die hiesige Verwaltung der Torino Musei Foundation nicht den Namen gehen lassen wollte, der aus verschiedenen Gründen in andere Städte umziehen wollte.

AfN: Emma Dexter, die Kuratorin des London Tate Modern, sagte in einem Video-Interview mit dem Namen "Verändert Kunst die Stadt", dass Künstler diejenigen seien, die eine Stadt verändern, was in der Avantgarde heißt: die Stadt sind die Künstler. Hat die Artissima Turin verändert, indem sie gute Bedingungen für zeitgenössische Kunst geschaffen hat?

Roberto Casiraghi: Die Artissima findet in Turin statt und Turin ist ein Teil der zeitgenössischen Kunstgeschichte, nicht nur der italienischen sondern auch Europas, es ist eine der wichtigsten Städte. Wir könnten seitenlang aufzählen viele Künstler in Turin gelebt haben oder leben. In diesem Sinne hat die Artissima einige Vorteile, sie muss nur die Stadt anstoßen, die Arbeit in einer Stadt zu unterstützen, in welcher schon immer eine starke Präsenz an Künstlern herrschte.

AfN: Ist dieser Zusatz ein Extrapunkt für die Artissima im Vergleich zu andern Messen wie z.B. Miart in Milano oder die Arte Fiera in Bologna?

Roberto Casiraghi: Auf jeden Fall; aber die Messen finden ihren eigenen Weg und das ist ihr Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz, nicht nur in Italien sondern auch international.

AfN: Im internationalen Zusammenhang sehen wir die wachsende Anzahl an Events vor allem das Aufkommen von Nebenveranstaltungen rund um eine Hauptmesse wie Basel-Miami aber das passiert auch in Berlin oder London. Was sind Ihrer Meinung nach die Faktoren, um der Messe eine wichtigere Rolle im internationalen Kontext zu geben?

Roberto Casiraghi: In erster Linie sind es die Befähigung und die ernsthafte Professionalität unserer Organisation. Dann die Tatsache, dass unser Turin, was Künstler oder Galeristen betrifft, eine Stadt mit Tradition, Kultur und Geschmack ist; was nicht alle Konkurrenzstädte haben. Und außerdem unterscheidet sich unser Projekt wesentlich von denen, der andern internationalen Hauptmessen.

AfN: Und dieses Projekt?

Roberto Casiraghi: Das Projekt gibt Sammlern die Möglichkeit nach Turin zu kommen und etwas zu entdecken. Entdeckungen sind in der zeitgenössischen Kunst fast rar geworden, die Hauptmessen versuchen einen etablierten Markt zu zeigen, während die Artissima, mehr als andere Messen, dem Publikum einen potentiellen Markt zeigen möchte und unbekannte Künstler einbindet, um die Chance zu geben, etwas zu wählen oder in etwas zu investieren, dass es auf anderen Messen nicht gibt.

AfN: Der potentielle Markt, ich habe in Ihrem kulturellen Programm eine Unterhaltung gefunden, die sich "chinesische Kunst heute" nennt, aber nur wenigen chinesischen Galerien sind präsent. Zum Beispiel Galleria Continua aus Peking… Ist das ein Tribut an einen teilnahmeberechtigten Markt oder ist es echtes Interesse an einer wenig erforschten Kunstwelt?

Roberto Casiraghi: Es ist nicht nur die Galleria Continua, auch die Marella Arte Contemporanea und andere, die unserer Beziehung beiwohnen… Leute, die Galerien in Peking haben oder Beziehungen zu chinesischen Künstlern. Dieser Teil des Programms wurde durch das Teamwork des wissenschaftlichen Beirats entworfen, bei dem David Ross Koordinator ist und Ida Gianelli, Oier Giovanni Castagnoli und weitere Teilnehmer mitarbeiten. Das wissenschaftliche Gremium wollte die Messe mit einem Markt verbinden, der nicht nur für die Kunstwelt interessant ist.

AfN:Was macht Ihrer Meinung nach eine internationale Messe aus, der Prozentsatz an ausländischen Galerien oder die Internationalität der italienischen Galerien?

Roberto Casiraghi: Beides zusammen mit einem dritten Element, dass wahrscheinlich das wichtigste ist: die Anwesenheit internationaler Sammler. Sie geben Möglichkeiten und Verständnis ihrer geographischen Herkunft…

AfN:Und was hat die Artissima speziell dafür getan, anziehend für internationale Sammlungen zu sein?

Roberto Casiraghi: Die Artissima hat, und darauf liegt der Fokus, ein System arrangiert, welches seinen Höhepunkt im "Novembre Arte Contempranea" hat und sie hat eine anspruchsvolles Programm für Sammler entwickelt. Wir sind auf den bedeutendsten Messen weltweit mit harter Arbeit dabei neueste Informationen zu sammeln, um die wirklich wichtigen Kunstsammler nach Turin zu bringen.

AfN:Dieses Jahr hat die Künstlerische Direktorin der FIAC in Paris, Jennifer Flay unterstrichen, dass der Umzug ins Herz von Paris wichtig für sie war, um dem Publikum die Chance zu geben, die Einzigartigkeit der Pariser Lebensart zu erleben. Was bietet Turin besonderes an?

Roberto Casiraghi: Also, Turin bietet vom geographischen Standpunkt Chancen, die Paris sicherlich nicht hat, vom kulinarischen Gesichtspunkt Möglichkeiten, die Paris nicht hat, vom Gesichtspunkt der Museen aus dem zeitgenössischen Feld Qualität, die Paris nicht hat. Es ist ein komplizierter Vergleich da Paris die Hauptstadt eines wichtigen Landes mit einer Kultur und einer Tradition ist, die der Stadt die Geschichte und das künstlerische Erbe der ganzen Nation eingebracht hat. Wir dahingegen sind ein Land mit 301.000 km² indem 60 % des künstlerischen Welterbes weit in alle Teile des Landes ausgebreitet ist - es ist also ein unzulässiger Vergleich.

AfN:Aber es ist trotzdem interessant, wie wichtig es auch für eine bedeutende Messe wie der FIAC ist, im Herzen der Stadt gelegen zu sein. Zum Veranstaltungsort, die Artissima war früher im Torino Esposizioni gelegen und ist dann in Lingotto umgezogen, dass war am Anfang zu weit aber nun haben sich die Dinge zum Besseren gewendet, werden Sie in Zukunft wieder ins Torino Esposizioni zurückziehen oder denken Sie, dass der Lingotto der endgültige Veranstaltungsort sein wird?

Roberto Casiraghi: Tatsächlich ist zurück in Lingotto zu sein, wie nach Hause kommen. Die Artissima ist im Lingotto geboren und sechs Ausgaben fanden hier statt, dann musste die Artissima aus Platzgründen für das Management, und aus Besitzgründen umziehen und kam vor drei Jahren wieder zurück. Ich glaube Lingotto könnte der endgültige Veranstaltungsort sein, sicher ist das Torino Esposizioni eine faszinierende Location und liegt viel zentraler aber es ist nicht das Gleiche wie in Paris. Das Turiner Umland ist nicht wie die Vororte von Paris, die Vororte von Turin sind trotzdem Turin.

AfN:Eine Frage die Zukunft betreffend; was erwartet uns in den nächsten Ausgaben?

Roberto Casiraghi: Ich glaube in den nächsten Artissima Editionen werden wir uns mehr auf die Beziehung mit jungen Galerien berufen und eine stärkere Vernetzung mit den jungen Künstlern haben. Ich glaube darauf wird Messe Zukunft abzielen. Ich glaube, wir werden zeitgenössische Kunst lassen wie sie ist. Wir wollen versuchen nur Einzelschauen zu bekommen und Galerien zu zeigen, die nur einen Künstler präsentieren - um weniger wie ein Markt auszusehen sondern um eine große Ausstellung näher an kulturellen Aspekten zu sein, mehr als jetzt.

AfN:Das heißt, es wird mehr Bedeutung für einzelne Künstler und neue Künstler oder Avantgarde Arbeiten gelegt?

Roberto Casiraghi: Ja ich glaube, dass ist eine gute Perspektive für unsere Messe.

AfN:Kann man sagen, dass die Avantgarde und die Entdeckung das ist, womit die Artissima sich von den anderen Messen unterscheidet?

Roberto Casiraghi: Ich denke unser Publikum hat, wenn es auf die Artissima kommt, das Gefühl etwas völlig neues zu sehen, dass sie es mit wirtschaftlichen Mitteln kaufen können und so ein Kunstwerk nach Hause mitnehmen können, was im Wert potentiell steigen wird.

AfN:Eine abschließende Frage: Haben sie einen Lebensslogan oder ein Motto für Ihre Arbeit?

Roberto Casiraghi: Ich versuche verzweifelt, mein Arbeitsslogan von dem für mein Leben zu trennen. Es wäre zu peinlich den Slogan für die Zusammenarbeit mit mir zu verraten und noch peinlicher wäre es, den für mein Leben zu nennen…

AfN:Na gut, dann vielen Dank Dr. Casiraghi

Roberto Casiraghi: Vielen Dank


(12.11.2006)

Interview: R. Morgana Masu
Übersetzung: Jessika von Kiparski



R. Morgana Masu, Roberto Casiraghi und Artur M. Holweg

www.artissima.it

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