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Arte al Limite: Claudio Bravo - Geständnis eines bourgeoisen Malers


Nach einer stressreichen Folge von Ausstellungen in Florida, Madrid, London, Montecarlo und La Loire beendet Claudio Bravo 2006 mit einer Schau in Chile, wo er seine besten Arbeiten der letzten fünf Jahre ausstellt. Bravo ist einer der höchst gehandelten chilenischen Künstler auf dem internationalen Markt. Seine schillernde technische Virtuosität findet große Anerkennung. Nahe der Siebzig gibt er zu, schneller müde zu werden, aber trotzdem will er im Alter von 90 bei der Arbeit an seiner Staffelei sterben.

Von Ana María De Aguirre

"Ein talentierter Mann, dem der Himmel eine Gabe verliehen hat, die sonst kein anderer hat." Das ist Claudio Bravo, wie er von Claudio Bravo gesehen wird. Es ist eine Tatsache, dass sein Talent ihn zum erfolgreichsten lebenden Maler der Welt gemacht hat und das erlaubt ihm, wie ein König zu leben, voll konzentriert auf seine Leinwand und auf dem internationalen Markt hoch gehandelt. Seine Arbeiten werden in den angesehenen öffentlichen und privaten Sammlungen, wie unter anderem im Metropolitan Museum of Art (New York), dem Museo Rufino Tamayo (Mexiko), dem Museum of Modern Art (New York) und dem Museum Ludwig (Köln), geführt. In seiner erfolgreichen Karriere, die er mit 17 in Chile startete, ist erwähnenswert, dass er im Alter von 36 ausgewählt wurde, um auf der fünften Documenta Kassel 1972 auszustellen.
So sammelte Bravo jahrein, jahraus Ausstellungen auf der ganzen Welt an. Anfang 2006 zeigte das Naples Museum of Art in Florida eine Retrospektive seiner Arbeit und in der zweiten Hälfte des Jahres, gab es eine weitere Ausstellung im Schloss Chenonceau (Frankreich). Der Maler schließt die Saison 2006 in Chile mit einer Auswahl seiner besten Arbeiten der letzten Jahre, die im Dezember in der Galería A.M.S. Marlborough in Santiago zu sehen ist.












Unterwegs in ferne Orte
Im Alter von 24 und völlig mittellos verließ er sein Heimatland. "Ich habe Chile verlassen, weil es dort keinen Geschmack gab…" sagt er von Marokko aus. Er ging nach Madrid, wo er mit dem Malen von Portraits bekannter Persönlichkeiten berühmt wurde.
Er malte über 300 Portraits in acht Jahren, z. B. von König Juan Carlos, Königin Sofia und den Kindern. Während der ersten Jahre in der Stadt studierte er die großen Meister des Museo del Prado, vor allem die Sammlung der italienischen Renaissance und des spanischen Barock. Seine liebsten Künstler waren Diego Velázquez und Francisco de Zurbarán, die sehr wichtig für seine künstlerische Entwicklung waren. "Als ich in das Museum ging und die wichtigsten Künstler studierte, änderten sich meine Vorstellungen und ich malte danach meine besten Portraits.", erinnert er sich.
1963 hatte Bravo seine erste Ausstellung in Madrid und stellte das gesamte Jahrzehnt hindurch weiter dort aus. 1970 stellte er mit sehr guten Kritiken in der Steampfli Gallery in New York aus.
Er ging nach Marokko, wo er in einem seiner drei Paläste lebt. "Ich hatte keine Lust mehr Portraits zu malen, hatte eine ausreichende Menge Geld, und weil ich das Leben genießen wollte, verabschiedete ich mich von Spanien. Ich wollte tun, was ich mochte", gibt er an.
Das Ambiente, die Menschen, die Farben, die Landschaft Tangers und das Fehlen des sozialen Drucks, den er in Madrid erfahren hatte, gaben seinem Themen-Repertoire eine existentielle Wendung. 1981 stellte er das erste Mal in der Marlborogh Gallery in New York aus, welche ihn, Fernado Botero und Rufino Tamayo als exklusive Künstler präsentierte. Eine Einzelausstellung im Museo Nacional de Bellas Artes de Chile 1994 bedeutete eine Aussöhnung mit seinem Heimatland. Die Ausstellung zog 180.000 Besucher an.

Bravos Wirklichkeit

Marokko fütterte den kreativen Geist des Malers und erweiterte den Themenbereich seiner Arbeiten. Seine Öl-, Kohle- und Gravurtechnik zeigen eine Wirklichkeit, die manchmal, die der Modelle übersteigt. "Ich versuche, das was ewig ist mit dem, was präsent ist zu vermischen, und ich glaube ich erreiche meine Ziel.", sagt er.
Seine Malerei wird als realistisch, hyperrealistisch und sogar fotorealistisch beschrieben, Bezeichnungen, die Bravo zurückweist. "Meine Arbeit war zu Anfang sehr realistisch, aber später fing ich an ein wenig abstrakter zu werden. Ich habe mich mehr an die Moderne Kunst angelehnt, aber ich vergesse nicht, dass ich Realist bin. Während man altert, wird man jung.", erklärt er im Katalog seiner letzten Schau. Es gibt keinen Fotorealismus in seiner Arbeit. "Die Beschreibung Foto ärgert mich, ich habe nie von einem Foto abgemalt. Ich wurde von vielen Künstlern beeinflusst, nicht nur von den großen Meistern (…) Ich bin mit meiner Malerei durch die Kunstgeschichte gesegelt." Sein Ansehen geht weit über seine Erwartungen hinaus. "Der Erfolg meiner Bilder übersteigt all meine Träume, ich hätte nie gedacht, dass ich so berühmt, so teuer sein würde. Ich hätte nie gedacht, dass Präsidenten, Könige und Minister an meine Tür klopfen würden."





Claudio Bravo Innenansicht

Identifizieren Sie sich mit einem künstlerischen Trend? Wie würden Sie Ihre Arbeit definieren?

Es ist eine seltsame Mischung. Meine Bilder sind total realistisch, wie die aus dem Museo del Prado, aber die Themen sind vollkommen anders. Ich male heute fast immer Figuren. Ich hatte eine Ausstellung mit Gemälden, die abstrakt wirkten. Sie sahen so realistisch aus, dass man sie anfassen wollte.

Sind Sie auf der Suche nach neuen Maltechniken, die Sie bei Ihrer Arbeit einsetzen können?

Ich will mich nicht selbst verraten. Ich habe ein sehr spezielles Talent, die Realität abzubilden, und ich habe oft versucht, auf andere Art zu malen, aber meine Freunde - große Maler - sagten mir "sei nicht dumm, du hast ein Geschenk des Himmels, das kein anderer hat." Ich kopiere eine andere Wirklichkeit, erfinde sie neu, ich folge nur meiner Gabe. Warum mich selbst betrügen, indem ich eine andere Art Bilder male und den anderen folge? Ich mag es, ich selbst zu sein und nicht irgendjemand anders, also ist es der einzige Weg, meinem von Gott gegebenen Geschenk zu folgen. Ich male die Wirklichkeit und da sie voller Fehler ist, die ich nicht mag, korrigiere ich sie.

Was ist die Methodik Ihrer Arbeit?

Ich hatte neun Ausstellungen in den letzten zwei Jahren: eine in Florida, andere in Madrid und London. Jetzt bin ich in Montecarlo und in Loire. Wie Sie sehen, kann ich nicht aufhören zu arbeiten. Ich muss einfach den ganzen Tag malen. Ich fange um neun Uhr zu malen an, muss Anrufe beantworten, die Küche, der Dienst…darum schlafe ich um neun Uhr ein, so müde bin ich!

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre malerische Arbeit einen Beitrag zur visuellen Kunst leistet?

Mein Beitrag zur Kunst ist, die beste Arbeit zu machen, die ich kann. Ich glaube, heute arbeiten Künstler nicht mehr, sondern improvisieren. Sie kaufen ein Objekt, drehen es um, und dann sieht es aus, als wäre es eine Skulptur! Ich glaube das einzige Beispiel, das ich jungen Künstlern geben kann, ist erstklassige Arbeit. Ich bin ein hart arbeitender Mann.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Kritik finde ich lustig und sammle die schlechte. Ich lese sie meinen Freunden vor und wir sterben vor lachen.

Wie ist Ihre Beziehung zu Chile? Haben Sie je daran gedacht, zurück zu kehren?

Ich habe drei Paläste in Marokko mit 36 Angestellten; ich kann nicht einfach einen Ort verlassen, an dem ich so gut organisiert bin. Ich hatte ein Landhaus in Chile, aber ich habe es verkauft, weil ich jedes Mal krank wurde, wenn ich dort war. Es ist zu weit weg. Also habe ich meine Zeit dem Haus hier gewidmet, und ich genieße alles, was ich möchte. Die Marokkaner gehen sehr liebevoll mit mir um, es ist wie meine eigene Familie, warum sollte ich also weggehen?


Übersetzung: Jessika von Kiparski

www.arteallimite.cl

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